Wie macht man PR für Unverbindlichkeit? (c) Thinkstock/stockbymh
Wie macht man PR für Unverbindlichkeit? (c) Thinkstock/stockbymh
Interview mit Judith Pöverlein

„Moral ist ein großes Wort“

Judith Pöverlein spricht für ein Casual-Dating-Portal, dessen Nutzer auf der Suche nach amourösen Abenteuern sind.
Anne Hünninghaus

Frau Pöverlein, Sie kommunizieren sowohl für Portale, auf denen nach der großen Liebe gesucht wird, als auch für Casual Dating. Haben Begriffe wie „Unverbindlichkeit“ nicht einen eher faden Beigeschmack?

Judith Pöverlein: Unverbindlichkeit muss nicht negativ konnotiert sein. Wir arbeiten aber lieber mit Begriffen wie „locker“ oder „unkompliziert“. Es kann in Phasen des Lebens verlockend sein, Zweisamkeit ohne Verpflichtungen zu genießen. Außerdem sind feste Beziehungen nicht für jeden das Nonplusultra.

Zumindest in der Theorie sind Treue und Verbindlichkeit für die meisten Menschen wichtige Werte. Wie argumentieren Sie dagegen?

Wir bringen keine Argumente dagegen vor. Das sind Werte, an die wir grundsätzlich auch glauben! Allerdings halte ich das Gebot der klassischen Reihenfolge „Erst Liebe, dann Sex“ für überholt, es kann inzwischen eben auch „Erst Sex – und dann vielleicht Liebe“ sein. Wir plädieren dafür, diese Ideale aufzubrechen und mehr Facetten zuzulassen. Wir bekommen gelegentlich Zuschriften von Paaren, die sich unverhofft über secret.de gefunden und eine Familie gegründet haben.

Wer ist die Hauptzielgruppe?

In erster Linie Frauen zwischen 30 und 59 Jahren. Als die Plattform 2011 ins Leben gerufen wurde, war der Fokus noch stärker auf die weibliche Zielgruppe ausgerichtet. Uns kam zugute, dass die sexuelle Freiheit und Selbstbestimmtheit der Frau zu dieser Zeit gerade ein vieldiskutiertes gesellschaftliches Thema war. Die Redaktionen waren entsprechend auf der Suche nach weiblichen Singles, die ihre Fantasien ausleben. Sie haben sich gerne Testimonials von uns vermitteln lassen. Zielgruppe sind darüber hinaus ganz klar Singles. Vom Markt der klassischen Seitensprungportale grenzen wir uns ab. Vergleichs­portale, die uns als solches gelistet haben, weisen wir aktiv darauf hin, dass das nicht unsere Zielrichtung ist.  

Ist das eine Frage der Nische oder der ­Moral?

Naja, Moral ist ein großes Wort. Für uns ist das eher eine Frage der Markenpositionierung. Wir haben uns entschieden, eine andere Nische zu besetzen. Außerdem haben wir in erster Linie Erfahrung mit Datingportalen für Singles – wir wissen, wie diese Zielgruppe tickt und wie wir unsere Themen am besten zielgruppengerecht kommunizieren.

Gehen Sie auf Frauen ­speziell ein, da diese in den meisten Erotikportalen ­unterrepräsentiert sind?

Wir setzen auf den Disco-Effekt: Dort, wo die meisten Frauen sind, kommen Männer von alleine. Schon bei der Optik der Webseite haben wir deshalb gezielt eine weibliche Ästhetik und Formsprache eingesetzt. Sie ist liebevoll gestaltet und vermittelt das Gefühl, Teil eines exklusiven Clubs zu sein. Ein wichtiges Symbol, das insbesondere Frauen anspricht, ist die venezianische Maske. Sie gehört zum Logo und kann auch auf die hochgeladenen Fotos der User gesetzt werden, um sie zu anonymisieren, wenn das gewünscht ist.

Auf der Webseite gibt es ein Magazin zu Erotikthemen. Wird „In Liebesdingen“ ­innerhalb Ihrer Abteilung produziert?

Das begleitende Magazin zur Marke entsteht bei uns im Haus. Die Redaktion ist organisatorisch von der PR getrennt, aber wir stimmen uns natürlich über die Themen ab.

Welches ist Ihr wichtigstes Tool für die Pressearbeit?

In der Pressearbeit sind eigene Studien für uns sehr relevant. Wir positionieren uns damit als Experten im Bereich Erotik und generieren darüber auch Content für Medien. Im Rahmen der Studien arbeiten wir mit Meinungs- und Trendforschungsinstituten zusammen und führen darüber hinaus regelmäßig Umfragen unter unseren Mitgliedern durch. Überregionale Frauen- und Lifestyle-Magazine sind unsere Zielgruppe. Aber auch Boulevardmedien springen auf die Themen an – Sex sells, das gilt nach wie vor. (lacht)

Welche Studie hat zuletzt viel ­Resonanz erzeugt?

Im Oktober haben wir ein großes PR-Event organisiert, um eine Studie zum Thema „Die Zukunft des Sex“ vorzustellen, die wir gemeinsam mit dem Münchener Trendbüro erstellt haben. Die Ergebnisse zeigen, dass sich Erotik zunehmend von der Liebe emanzipiert. Spaß ohne Liebe und das Ausleben der individuellen Lust liegen im Trend.

Auf das Seitensprungportal Ashley Madison wurde vor zwei Jahren ein Hackerangriff verübt, ­Namen der User wurden im Internet ­veröffentlicht. Der Imageschaden war ­riesig. Welche Rolle spielt Diskretion?

Sicherheit und Datenschutz haben für uns höchste Priorität – natürlich auch in der Kommunikation. Nicht nur im Sinne einer vertrauenswürdigen Verschlüsselung, wir achten auch auf Datensparsamkeit. Das Tüv-Siegel ist prominent auf unserer Webseite platziert, und wir weisen stets auf unseren Kundenservice hin, der die Authentizität der Profile überprüft, um Sicherheit und Seriosität zu gewährleisten.

Was ist Ihr nächstes Projekt für secret.de?

Schon in den vergangenen Jahren war die erotische Buch- und Filmtrilogie „Shades of Grey“ für uns ein Thema. Zum Kinostart von Teil zwei haben wir 1.000 Frauen gefragt, was sie am Männertyp des Protagonisten Christian Grey fasziniert. Bald kommt der dritte Teil in die Kinos, was uns neue ­PR-Möglichkeiten ­eröffnet.

Die Marke

Secret.de ist eine Marke der Meetic Group, dem europäischen Teil der Match Group, zu dem unter anderem auch die App Tinder gehört. Die Zahl der Registrierungen auf secret.de hat kürzlich die Millionenmarke geknackt. Die Mehrheit der Mitglieder gibt an, Single zu sein.

 
Judith Pöverlein (c) Siemans Gamesa
Judith Pöverlein
Lovescout24, Secret.de und Zweisam.de

Die gebürtige Münchnerin und ­promovierte Kunsthistorikerin Judith Pöverlein ist seit Januar 2017 für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Meetic-Marken Lovescout24, Secret.de und Zweisam.de ­verantwortlich.

 


randbemerkung

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