Egomacher-Kolumne: Mit Werten in Führung gehen (c) Getty Images/Thomas Northcut
Egomacher-Kolumne: Mit Werten in Führung gehen (c) Getty Images/Thomas Northcut
Egomacher-Kolumne

Mit Werten in Führung gehen

Erfolgreiche Führung startet zunächst mit Selbstführung. Doch wie findet man seine eigenen Werte? Im Videointerview spricht Kanzlersohn Walter Kohl über die Suche nach dem eigenen inneren Kompass.
Niels Albrecht

Werte wie Verantwortung, Wertschätzung, Fairness, Transparenz, Teamgeist, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Vertrauen sind ein hohes gesellschaftliches Gut. Diese und andere Werte sind die Grundlage unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens und somit haben sie eine hohe Relevanz für unsere eigene Persönlichkeit. Jede Persönlichkeit zeichnet sich durch ihre Werte aus.

Eine Ich-zentrierte Persönlichkeit, die sich ausschließlich Vorteile verschaffen will, ist nur sehr kurzfristig clever. Auch wenn uns das die tägliche Werbung von Saturn („Geiz ist geil“) oder Media-Markt („Ich bin doch nicht blöd“) einredet und wir dies mehr oder weniger annehmen.

Der Sozialwissenschaftler Wolfgang Ockenfels beschreibt diese gesellschaftliche Entwicklung kritisch: „Der heutige Zeitgenosse hält sich für anspruchsvoll, wenn er möglichst viele Ansprüche gegenüber anderen artikulieren und durchsetzen kann.“ Eine solche Führung der eigenen Persönlichkeit scheitert oftmals. Das belegt die Beispiele des zurückgetretenen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Arcandor AG, Thomas Middelhoff, des Managers vom FC Bayern München Uli Hoeneß und des damaligen VW-Konzernlenkers Martin Winterkorn. Bei dem Spitzenpolitiker und den Top-Managern verschwammen die Grenzen zwischen Cleverness, Unanständigkeit und Illegalität.

Doch die eigenen Werte sind viel mehr als eine einfache Grenzziehung zwischen clever und unanständig. Unsere Werte leiten uns wie ein innerer Kompass. Sie geben uns Orientierung und stiften Sinn. Es sind unsere persönlichen Werte, die maßgeblich bestimmen, ob wir zufrieden und glücklich durchs Leben gehen. Der „King of Rock ´n Roll“, Elvis Presley, sagte zu Lebzeiten einen sehr klugen Satz: „Werte sind wie Fingerabdrücke. Keiner hat dieselben, aber Du hinterlässt sie bei allem, was Du tust.“

Die eigenen Ideale zu kennen und nach ihnen zu handeln ist ein strategischer Vorteil. Erst dann können wir im Einklang mit uns selbst und unserer Umgebung leben. Wir werden im Einklang mit uns und unserer Umwelt sein. Daraus können wir neue Motivation und Kraft schöpfen. Schon der Philosoph Seneca wusste über den Wert der Werte zu berichten: „Eine Freude, die von außen kommt, wird uns auch wieder verlassen. Jene Werte aber, die im Innern wurzeln, sind zuverlässig und dauernd.“

„Was sind eigentlich meine Werte?“

Diese Frage stellte sich Walter Kohl, um mit dem Fluch und Segen seines großen Namens versöhnlich umzugehen. Walter Kohl ist der älteste Sohn des Einheitskanzlers Helmut Kohl, der für alle Zeiten seinen Platz in den Geschichtsbüchern gefunden hat. Dessen Name jedoch auch mit schwarzen Kassen innerhalb der CDU und dem tragischen Tod seiner ersten Ehefrau Hannelore Kohl verbunden bleibt. Für den Sohn Walter ist der Tod der Mutter ein Tiefpunkt. Ein Tiefpunkt, der zu einem persönlichen Wendepunkt des Lebens wurde. Die Krise hat er zu seiner inneren Befreiung gemacht. Einige Jahre später fand die mediale Auseinandersetzung um die zweite Hochzeit des Altkanzlers mit Maike Richter, zu der die beiden Söhne Walter und Peter Kohl keine Einladung erhielten, große Beachtung. Walter Kohl, der vom Erscheinungsbild und Charisma seinen Vater nicht leugnen kann, machte aus seinem Herz keine Mördergrube. Trotzdem ging er den Weg der Versöhnung: Über die Versöhnung mit der Vergangenheit und den eigenen Schmerzen hat er seinen inneren Frieden gefunden. In seinen Büchern zeigt er, wie aus Kraftfressern neue Kraftquellen erwachsen können. Die innere Haltung ist der Schlüssel zu neuer Lebensenergie.

Heute begleitet der langjährige Manager und Unternehmer Walter Kohl andere Menschen. Als Coach kennt er den schmalen Grad des Menschen zwischen Macht und Ohnmacht. Es sind die eigenen Werte, die den Weg der Lebensgestaltung bestimmen. Unsere Werte sind unser ständiger Begleiter. Wir bewerten Aussagen, Einstellungen und Lebensformen unserer Mitmenschen. Wir gruppieren diese als positiv oder negativ für uns ein. Es sind Werteraster im Kopf. So wie unsere Werte sind, so sehen wir auch die Welt. Andere Sichtweisen zuzulassen fällt uns oftmals sehr schwer. Noch viel problematischer ist die Auseinandersetzung mit uns selbst:

Welche Werte haben Sie?

Welche Werte vertreten Sie?

Wann und wie werden Ihre Werte sichtbar?

Es ist unsere Aufgabe, unsere Werte benennen zu können, denn die eigenen Werte stützen nicht nur unsere Persönlichkeit, oftmals richten uns unsere eigenen Werte aus.

Haben Sie Ihren inneren Kompass ausgerichtet?

 

 
 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 

CAPTCHA

This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.



randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Weitere Beiträge dieser Serie.

Hört auf mit eurer Blümchen-PR! (c) Getty Images/iStockphoto/brackish_nz
Foto: Getty Images/iStockphoto/brackish_nz
Lesezeit 2 Min.
Kommentar

Hört auf mit eurer Blümchen-PR!

Wieso Kommunikatoren nicht nur den Markenkern von Produkten kennen sollten - sondern auch von Menschen. Ein Gastkommentar von Niels Albrecht »weiterlesen
 
Kolumne: Eigene (Marken-)Führung ist kein Kinderspiel (c) Getty Images/Hemera/Ron Chapple studios
Foto: Getty Images/Hemera/Ron Chapple studios
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Eigene (Marken-)Führung ist kein Kinderspiel

Die Politik macht es vor, übertragbar ist das Thema auf Unternehmen wie Menschen: Alles nicht so einfach, das mit der Markenführung ... Teil 2 der Egomacher-Kolumne von Niels Albrecht »weiterlesen
 
Warum die Marke VW gerade einen Totalschaden erleidet. Unsere Egomacher-Kolumne (c) Thinkstock/Jumbo2010
Bild: Thinkstock/Jumbo2010
Lesezeit 4 Min.
Kolumne

Totalschaden bei VW: Die Macht der Veränderungsstrategeme

Ziele, Fokus, Emotionen, Führung – alles da. Der Erfolg schien VW Recht zu geben. Warum die Marke trotzdem gerade einen Totalschaden erleidet, erklärt unser Kolumnist Niels Albrecht. Und stellt wie immer am Ende wichtige Fragen an jeden. »weiterlesen
 
Sascha Lobo (c) Daniel Seiffert
Foto: Daniel Seiffert
Lesezeit 5 Min.
Kolumne

Eigen-PR: Lernen von Sascha Lobo

Der Irokese macht ihn bekannt, doch Netz-Blogger und Autor Sascha Lobo wurde zur menschlichen Marke, weil er konsequent auf Provokation und Individualität setzt. Warum das so erfolgreich ist, erklärt Niels Albrecht in seiner Egomacher-Kolumne. »weiterlesen
 
Egomacher-Kolumne: Fluch und Segen im Spiel um Aufmerksamkeit (c) Getty Images/iStockphoto/giuliano2022
Foto: Getty Images/iStockphoto/giuliano2022
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Fluch und Segen im Spiel um Aufmerksamkeit

In Sachen Selbstinszenierung von den Besten lernen: Was uns Bowie, Picasso und Maggie Thatcher über ein charakteristisches Image lehren »weiterlesen
 
Egomacher-Kolumne: Eigen-PR - Mensch, bist Du 'ne Marke! (c) Getty Images/Wavebreak Media/Wavebreakmedia Ltd
Foto: Getty Images/Wavebreak Media/Wavebreakmedia Ltd
Lesezeit 5 Min.
Kolumne

Eigen-PR: Mensch, bist Du 'ne Marke!

Wie Marketing-Strategien für Unternehmen und Produkte am Beispiel der Autoindustrie auch bei uns Menschen funktionieren – und was wir für die Eigen-PR nutzen können. Die nächste Kolumne von Niels Albrecht »weiterlesen
 
Gute Vorsätze: Mit den Big Five endlich erfolgreich umsetzen (c) Thinkstock
Foto: Thinkstock
Lesezeit 4 Min.
Kolumne

Gute Vorsätze: Mit den Big Five endlich erfolgreich umsetzen

Immer wieder rund um Neujahr fassen wir persönliche Vorsätze für mehr Mehr im Leben. Und scheitern meistens furios. Warum eigentlich? Und was hilft dagegen? Die nächste Folge unserer Egomacher-Kolumne »weiterlesen
 
Egomacher-Kolumne: In der Krise beweist sich der Charakter (c) Getty Images/Purestock
Foto: Getty Images/Purestock
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

In der Krise beweist sich der Charakter

Vom Vorteil des Glanzes der Abwesenheit statt einer kommunikativen Salamitaktik in der Krise: Lernen vom Fall Margot Käßmann. Die letzte Folge der Egomacher-Kolumne von Niels Albrecht »weiterlesen
 

Das könnte Sie auch interessieren.

Thomas Möller leitet ab sofort die Unternehmenskommunikation von Merck. (c) Merck
Thomas Möller (c) Merck
Lesezeit 2 Min.
Meldung

Möller übernimmt für Birnstiel

Thomas Möller war 2017 zu Merck gekommen und zuletzt für den Bereich Corporate Communications verantwortlich. »weiterlesen
 
Susan Hölling und Björn-Christian Hasse
Co_CEOs: Susan Hölling und Björn-Christian Hasse (c) BCW
Lesezeit 3 Min.
Meldung

BCW ab sofort mit Doppelspitze

Susan Hölling und Björn-Christian Hasse werden Co-CEOs bei BCW Deutschland und damit Nachfolger von Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach. »weiterlesen
 
Empathie bedeutet nicht, zu kuscheln, sondern authentisch zu verkörpern, was die Mitarbeiter emotional brauchen, um ihre beste Leistung abzurufen. (c) Getty Images/Huseyin Bostanci
Foto: Getty Images/Huseyin Bostanci
Lesezeit 4 Min.
Essay

Warum Empathie jetzt so wichtig ist

Der Corona-Schock sitzt tief. Einige Unternehmen kämpfen sogar um ihre Existenz. Einfühlungsvermögen von Führungskräften ist deshalb mehr denn je gefragt. »weiterlesen
 
Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach. (c) BCW
Neuer Head of Creativity Europe & Africa: Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach (c) BCW
Lesezeit 3 Min.
Meldung

BCW stellt sich personell neu auf

Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, bisher CEO von BCW (Burson Cohn & Wolfe) in Deutschland, übernimmt ab sofort die neu geschaffene Aufgabe als Head of Creativity Europe & Africa.  »weiterlesen
 
Kommunikationsoffensive mit Charme: Mit „#BackToOffice – Anflug aufs Büro“ kommunizierte Marten neue Mitarbeiterrichtlinien im Flughafenstil. (c) GettyImages/zakokor
Bild: GettyImages/zakokor
Lesezeit 2 Min.
Gastbeitrag

Ankommen mit Abstand

Nick Marten startete auf dem Höhepunkt der Coronakrise seinen neuen Job. Schnell galt es, den Angestellten unangenehme Wahrheiten zu verkünden. »weiterlesen
 
Am Arbeitsplatz können sich Frauen Sexismus kaum entziehen. (c) Getty Images/Alan Graf
Foto: Getty Images/Alan Graf
Lesezeit 5 Min.
Essay

Allgegenwärtiges Grundrauschen

Anzügliche Blicke, dumme Sprüche und berufliche Nachteile – Sexismus im Arbeitsalltag ist allgegenwärtig. Er kommt häufig ironisch und subtil daher. Versteckter Sexismus gehört sichtbar gemacht. »weiterlesen