Ist dies das perfekte Outfit für einen Auftritt vor der Kamera? (c) Thinkstock/g-stockstudio
Ist dies das perfekte Outfit für einen Auftritt vor der Kamera? (c) Thinkstock/g-stockstudio
Dresscode in der PR

Mit Stil vor die Kamera

Anzug und Krawatte oder Sneakers und Jeans? In der heutigen Zeit verliert der starre Dresscode immer mehr an Gewicht. Jedoch ist in der Kommunikationsbranche die richtige Kleidung besonders wichtig, denn der äußere Eindruck zählt viel. Was es insbesondere beim Auftritt vor der Kamera zu beachten gibt, erklärt Imageexpertin Nicola Schmidt.
Nicola Schmidt

Ob wir wollen oder nicht: Wir beurteilen Menschen zuerst nach ihrem Aussehen. Die Kleidung ist dabei eines der ersten Dinge, die ins Auge springen. Sie ist vergleichbar mit der Verpackung eines Produktes: Über die äußere Erscheinung repräsentieren wir das Unternehmen und sind Bestandteil der Corporate Identity. Wer mit seinem Kleidungsstil zeigt, für was er steht, wird als kompetent und vertrauenswürdig wahrgenommen. Insbesondere professionelle Kommunikatoren sollten sich also fragen: Entspricht mein Kleidungsstil der Botschaft, die ich für mein Unternehmen senden möchte?

Hier sind sieben Tipps, wie Sie einen Auftritt vor der Kamera stilvoll absolvieren.

1. Beachten Sie die Erwartungen des Publikums

Tritt ein Vorstandsvorsitzender einer Bank vor die Kamera, dann erwarten wir, dass er einen klassischen dunklen Anzug mit Krawatte trägt. Als Pressesprecher sind Sie frei, sich diesen Erwartungshaltungen zu beugen oder auch nicht. Falls Sie sich dagegen entscheiden, sollte Ihnen bewusst sein, dass Ihr nonverbaler Auftritt ganz plötzlich zu einem dominanten Thema wird: Das Publikum macht sich automatisch Gedanken, was Sie wohl zu Ihrer Kleiderauswahl bewogen hat. Damit geht der eigentliche Inhalt, den Sie vermitteln wollten, verloren. Sie sollten sich der Erwartung des Publikums also bewusst sein und diese erfüllen.

2. Reflektieren Sie den Dresscode situationsbedingt

Das Wichtigste bei TV-Auftritten: Die Kleidung sollte frisch und gebügelt sein. Denn auch wenn das eigene Auge kleine Fältchen nicht wahrnimmt – die Kamera sieht alles. Doch es gibt natürlich Ausnahmen. Wenn Sie verkünden wollen, dass der Krisenstab Ihrer Organisation seit über 36 Stunden an einer Problemlösung arbeitet, darf man diese Anstrengung auch sehen. Wer dann wie aus dem Ei gepellt vor die Kamera tritt, macht sich selber unglaubwürdig. Grundsätzlich sollten auch in solchen Situationen die Kleidung und Schuhe immer sauber sein.

3. Das Outfit ist eine Botschaft

Gepflegte Leder-Sneakers zum Casual-Anzug kann man durchaus tragen. Abgetragene, alte Sneakers zum formellen Outfit dagegen nicht. Kleidung, die nach Urlaub aussieht, aber auch Birkenstock-Schuhe, Fetzenjeans sowie transparente Blusen sind ein No-Go. Jeans passen zu vielen Gelegenheiten, deshalb ist eine gute Passform das A und O. Eine ausgebeulte Jeans, deren Beine am Saum eine Ziehharmonika schlagen und auf „halb-acht“ sitzt, wirkt albern.

Zum Business-Outfit gehört, wenn das Wetter kühl und nass ist, ein passender Mantel. Nichts wirkt unprofessioneller, wenn man zum Blazer einen kurzen Parka trägt und der Blazer unten rausschaut.

4. Passt der klassische Blazer immer?

Apropos Blazer: Ist der Blazer das Allheilmittel auch für diejenigen, die sich darin unwohl fühlen? Fragen Sie sich, ob Ihre Kunden den klassischen Business-Look erwarten. Bei schwierigen Themen kann der Blazer durchaus eine „starke“ Unterstützung sein. Es gibt ihn mittlerweile in abgewandelten Formen und Materialien. Wenn Sie den klassischen Blazer also nicht mögen, wählen Sie einfach ein anderes Material als den glatten Businessstoff. Statt der Knopfleiste kann auch ein Reißverschluss interessant aussehen. Asymmetrische Schnitte eignen sich für diejenigen gut, die es lieber extravagant mögen. Auch ein Shirt statt der Bluse oder des Hemdes ist eine Möglichkeit, wenn Sie sich in klassischen Outfits nicht wohlfühlen. Zu Sportveranstaltungen wirkt ein Blouson passender oder ein Blazer aus Sweatshirtstoff.

5. Zeigen Sie sich nicht kleinkariert

Was wirkt vor der Kamera? Ein dezentes Outfit, das das Gesicht betont, ist eine sichere Wahl. Bei Modeinterviews darf die Kleidung auch schon mal peppiger sein. Zu auffällige Muster, Drucke, Materialmix und auch Accessoires lenken aber vom Hauptgeschehen ab. Und Achtung: Kleingemusterte Kleidungsstücke wie kleine Karos, Pepita, Fischgrat oder schmale Streifen erzeugen auf dem Bildschirm ein Flimmern. Ein Mustermix in vielen Farben wirkt anstrengend für den Betrachter.

6. Setzen Sie auf dezente Farben und Kontraste

Apropos Farben – zu grelle Farben lenken ab. Grelle Rottöne strahlen zu allem Übel auf weniger dominante helle Farben ab. Ein roter Schal zum Beispiel kann auf der weißen Bluse einen rosa Schimmer bewirken. Wenn Sie auf einem schwarzen Sofa sitzen und ein schwarzes Kleid tragen, sieht man nur noch den Kopf und die Hände. Das gilt für alle anderen Farben auch. Bei Außenaufnahmen sollte die Kleidung im Kontrast mit der Umgebung stehen. Gemusterte Kleidung verstärkt den Lärm vor einer belebten Umgebung. Unifarbene Kleidung strahlt dagegen Ruhe aus, die Aufmerksamkeit ist bei Ihnen.

Verzichten Sie bei TV-Auftritten auf Schwarz und Weiß. Denn die Kamera verstärkt Kontraste. Einerseits kann je nach Ausleuchtung das schwarze Jackett wie ein schwarzer Fleck wirken, dem jede Kontur fehlt. Zum Beispiel hebt der Arm sich nicht mehr vom Körper ab. Das sieht dann seltsam aus. In einem weißen Oberteil ohne Jacke kann ein ähnlicher Effekt entstehen. Was immer gut funktioniert, sind blaue Oberteile: Jacken, Hemden und Blusen. Die Haut wirkt dadurch weniger blass, sondern wie ein „Teintschmeichler“ und lässt Ihre Gesichtsfarbe gesund und frisch aussehen. Ein Outfit in dunkleren gedeckten Farben mit hellerer Bluse oder hellem Hemd wirkt überzeugender als ein hellgraues Outfit mit weißem Hemd oder Bluse. Fehlende Kontraste wirken farblos und eintönig.

7. Weniger Glanz, mehr Gloria

Matte Kleidung und Make-up wirken vor der Kamera besser. Alles Glänzende lenkt nur ab. Brillenträger sollten sich für entspiegelte Brillen entscheiden, sonst sieht man die Augen nicht richtig. Tipp für „glänzende Nasen“: Es gibt Pudertücher, die sofort das Gesicht mattieren. Damit der Teint ebenmäßig wirkt, ist eine Grundierung unerlässlich. Schließlich sind Sie der hellen Beleuchtung ausgesetzt, auch das Kamerabild verändert den Teint. Ohne Make-up wirken wir blass und fahl. Momentan sind Bärte der aktuelle Renner. Wer jedoch einen Drei-Tage-Bart trägt, wirkt durch die Kamera eher ungepflegt und im wahrsten Sinne des Wortes „stoppelig“. Also: Entweder glattrasiert oder ein gepflegter Vollbart!

 

 
 

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