Bei der Berliner Flughafengesellschaft findet der Neustart der Kommunikation ein jähes Ende (c) Getty Images/iStockphoto/alaskla
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BER und (k)ein Ende

Mit dem Kopf durch die Tischplatte

Der Fall Abbou und die Folgen: Das Ende der neuen Offenheit am BER und einer Karriere? Ein Kommentar von Armin Sieber
Armin Sieber

Als Karsten Mühlenfeld Anfang April die neue Ausgabe des Branchendienstes PR-Magazin auf den Schreibtisch bekommt, reißt dem Chef des Berliner Hauptstadtflughafens der Geduldsfaden. Freimütig hatte sein Unternehmenssprecher Daniel Abbou dort seine neue Kommunikationsstrategie vorgestellt - und mit Kritik am Flughafenmanagement nicht gespart. Mühlenfeld feuert seinen Sprecher darauf ohne viel Federlesens. Die offizielle Begründung lautet, das Interview sei nicht mit der Geschäftsführung abgestimmt gewesen. In den Medien löst das deutschlandweit einen Sturm der Entrüstung aus: "Klartext unerwünscht, BER stellt Pressesprecher kalt", titelt ntv und bringt damit die Gemütslage der Medien auf den Punkt. Auch im Internet (#Abbou) hagelt es Kritik an der Kommunikationspolitik des Flughafenmanagements.

Abgang des Hoffnungsträgers

Dabei war der leutselige und in Berlin bestens vernetzte Pressesprecher erst im Januar gekommen. Als Hoffnungsträger analysiert er schnell und schonungslos die Schwächen der bisherigen Kommunikation: "Meine erste Aufgabe ist es, Vertrauen in den Redaktionen aufzubauen. Die Glaubwürdigkeit (...) war gleich Null." Abbou setzt auf eine radikale Kehrtwende. Man wolle nicht nur zeigen, "was schön ist, sondern auch, wo es noch klemmt. Es kommt eh alles raus. Dann muß man aus PR-Sicht doch der sein, der darauf hinweist." Chapeau. Das ist nicht nur mutig, sondern Krisenkommunikation aus dem Lehrbuch!

Die Medien danken es dem gebürtigen Schwaben. Das ist ein Ton, den man aus der Flughafengesellschaft lange vermisst hat. In dem PR-Magazin-Interview nimmt Abbou daher auch kein Blatt vor den Mund: Pointiert, schonungslos und ehrlich spricht er unangenehme Wahrheiten an. So kritisiert er etwa die jahrelangen Geheimhaltungsstrategien. Die Öffentlichkeit habe ein Recht, zu erfahren, wie die Milliarden "in den Sand gesetzt wurden". Es sei viel "verbockt" worden. Mag sein, dass die Klägeranwälte ob solcher Reden bereits ihre Bleistifte spitzen. Bei den Medien kommt dieser bewusst flapsige Stil nach Jahren dürrer Juristensprache jedenfalls gut an: "Früher wurde meist gesagt: Nein, es ist alles gut. Das ist Bullshit."

Zu viel "Bullshit"

Was Bulllshit ist, darüber hat das Flughafenmanagement aber offensichtlich andere Ansichten. Abbou bezeichnet seinen Chef als "absolut lern- und kritikfähig", auch wenn er ob des Ingenieursstils "hin und wieder mit dem Kopf auf die Tischplatte geschlagen habe." Wer lässt sich schon gerne in der Form von seinem "Aufpasser" und Pressesprecher vorführen. Aber auch der Technikchef Michael Müller kommt schlecht weg. Im Hinblick auf die geplante Eröffnung des Flughafens in der zweiten Jahreshälfte 2017 meint Abbou: „Mein Technikchef hält weiter daran fest, dass es eine Chance gibt, 2017 einzuhalten. Und wenn er das glaubt und mir das auch kommuniziert, dann ist es so.“ Aber „kein Politiker, kein Flughafendirektor und kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist, gibt Ihnen feste Garantien für diesen Flughafen“, fügt er hinzu. Das ist keine Frage des Stils mehr.

Das Interview kann man mögen oder nicht. Warum sich Flughafenchef Mühlenfeld allerdings nach der langen Skandalgeschichte jetzt auch noch eine veritable PR-Krise einhandelt, bleibt rätselhaft. Dass der lautstarke Rauswurf des lautstarken Sprechers hohe Wellen schlagen würde, dazu gehörte nun wirklich keine prophetische Gabe. Jetzt muss das Flughafenmanagement auch noch mit dem Vorwurf leben, dass Klartext am BER unerwünscht ist. Jeder neue Sprecher wird auch noch gegen dieses Vorurteil ankämpfen müssen.

 
 

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