Verlässt den DFB kurz vor der EM: Mirjam Berle. (c) picture alliance/P0009
Verlässt den DFB kurz vor der EM: Mirjam Berle. (c) picture alliance/P0009
Mediendirektorin rechnet mit Verband ab

Mirjam Berle verlässt den DFB

Auf Linkedin zeigt sich die Kommunikatorin entrüstet darüber, dass ihr Weggang vorab an Medien durchgestochen wurde.
Volker Thoms

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) muss wenige Tage vor der Fußball-Europameisterschaft den Abgang seiner Kommunikationschefin verkraften. Mirjam Berle, bisher Direktorin „Öffentlichkeit und Fans“, wird ihre Tätigkeit bei dem krisenerprobten und skandalerfahrenen Verband beenden, wie sie auf Linkedin schreibt. Um sich „neuen beruflichen Möglichkeiten zuzuwenden“. Hintergrund ihres Weggangs seien „nicht zuletzt unterschiedliche Auffassungen zur weiteren strategischen Entwicklung und Neuausrichtung der Öffentlichkeitsarbeit des DFB“. Entrüstet zeigt sie sich darüber, dass ihr Abschied vorab an Medien durchgestochen wurde. Das Sport-Portal "Sportbuzzer" hatte zuerst über die Personalveränderung berichtet. 

Der DFB durchlebt aktuell wieder mal eine Führungskrise. Generalsekretär Friedrich Curtius wird den Verband verlassen, wie der DFB am 26. Mai bekannt gab. Verbandspräsident Fritz Keller hat bereits seinen Rücktritt erklärt und zu seinem Abschied ordentlich nachgetreten. „Nach der zweiten Steuerrazzia, für deren Ursprünge ich jeweils keinerlei Verantwortung trage, musste ich feststellen, dass es viel zu häufig um eigene Befindlichkeiten, interne Machtkämpfe, um die Sicherung von Vorteilen sowie um das 'Arbeiten' am eigenen Bild in der Öffentlichkeit ging“, schrieb Keller in seiner Erklärung. Curtius und Keller waren Berles direkte Vorgesetzte. Das Verhältnis zwischen Präsident und Generalsekretär soll Medienberichten zufolge zerrüttet gewesen sein. 

Die 46-jährige Berle, die vorher unter anderem für Goodyear Dunlop Tires Germany tätig war, hatte ihre Aufgabe zum 1. Oktober 2020 übernommen. In einem Linkedin-Kommentar rechnet sie nun ebenfalls mit den Strukturen des DFB ab und spart nicht mit Kritik. 

Ähnlich wie Keller beschreibt sie das Bild eines Verbandes im Chaos, bei dem professionelles Arbeiten kaum möglich zu sein scheint. Wörtlich heißt es: „Heute bin ich fassungslos. Über eine weitere Indiskretion, eine von unzähligen der letzten Monate, eine, die einmal mehr zeigt, wie wenig es möglich ist, in einem solchen Umfeld Veränderung zu leben sowie Unternehmenskommunikation professionell anzugehen und umzusetzen. Aber nachdem mein Start beim DFB schon durchgestochen wurde, bevor ich den Arbeitsvertrag unterschrieben hatte, verwundert es kaum, dass auch über Durchstecherei publik wurde, dass meine Zeit dort zu Ende geht. Gern hätte ich mein Team zuerst informiert – so gehört sich das! Aber andere sahen das wohl nicht so und haben einmal mehr ihre persönlichen Beweggründe vor Fairness, Professionalität und Sportsgeist gestellt und die Info an die Medien durchgestochen. Es ist erbärmlich!“

Vor dem Start ihrer neuen Aufgabe hatte sich Berle in einem Gespräch mit dem „pressesprecher“ im vergangenen Sommer optimistisch gezeigt. Sie habe in ihren Gesprächen eine große Veränderungsbereitschaft und Offenheit festgestellt. Hiermit sollte sie zumindest zum Teil Recht behalten. In Sachen Bereitschaft, sich auf Führungsebene zu verändern und das Personal öffentlich zu desavouieren, macht dem DFB in Deutschland vermutlich niemand etwas vor. Man ist stets offen für etwas Neues. 

 
 


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