Thomas Middelhoff 2008 während der Bilanzpressekonferenz vom Arcandor (c)  Ralph Orlowski/Getty Images
Thomas Middelhoff 2008 während der Bilanzpressekonferenz vom Arcandor (c) Ralph Orlowski/Getty Images

Middelhoff allein zu Hause

Die Verurteilung von Thomas Middelhoff ist für PR-Experte Armin Sieber auch das Ergebnis mangelhafter Litigation-PR. Warum das so ist, schreibt er in unserer neue Kolumne:  Alles was Recht ist – Streitfälle, die Pressesprecher bewegen.
Armin Sieber

Vergangener Freitag war ein schwarzer Tag für Thomas Middelhoff: Das Landgericht Essen verurteilte  den ehemaligen Top-Manager zu drei Jahren und drei Monaten Haft ohne Bewährung. Der Vorwurf: Untreue und Steuerhinterziehung. Der Ex-CEO  des inzwischen pleitegegangenen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor habe dem Konzern private Flüge in Charterjets und Hubschraubern in Rechnung gestellt und so einen Schaden von rund 500.000 Euro verursacht. Ob das Urteil gerechtfertigt ist, damit wird sich schon bald der Bundesgerichtshof beschäftigen – die Anwälte kündigten jedenfalls Revision an und die Medienschlacht geht damit ebenfalls in die nächste Runde.

Dabei ist Middelhoff auch das Opfer einer mangelhaften Litigation-PR Strategie geworden. Es ist noch gar nicht so lange her, da stand ein anderes Management-Wunderkind unter Anklage: Uli Hoeneß wurde eine minimal höhere Strafe auferlegt – er hat dabei allerdings die sechzigfache Summe, 30 Millionen Euro hinterzogen. Die Branche rätselt: Wie ist diese Diskrepanz im Strafmaß zu erklären? Uli Hoeneß wird jedenfalls in seiner Landsberger Zelle noch einmal erleichtert durchgeatmet haben – denn seine Litigation-PR-Strategie hat ganz offensichtlich besser funktioniert.

Sicher lag der Fall bei Hoeneß anders: Geständnis und glaubwürdige Reue stellten ihm ein besseres Zeugnis aus als die fehlende Aufarbeitung und maßlose Großmannsucht von Middelhoff. Dennoch bleibt die Höhe des Strafmaßes kaum nachvollziehbar. Hier zeigt sich offensichtlich, wie unterschiedlich die beiden Persönlichkeiten in der Öffentlichkeit mit dem Prozess umgegangen sind. Hoeneß war von Anfang an perfekt in Sachen PR aufgestellt. So ungeschickt er sich im Gerichtssaal verhielt – hier seien nur die Geständnisse in Salamitaktik erwähnt – so sicher wirkten seine Schritte in der Öffentlichkeit. Letztendlich blieb das Image eines „Good Guys“, der irgendwie den Überblick über seine Finanzen verloren hatte. Middelhoff war und blieb hingegen unbeliebt. Man hatte den Eindruck, das Gericht wolle hier ein Exempel statuieren.

Im Essener Urteil spiegelt sich auch die kritische öffentliche Meinung wider, die den Arcandor-Manager längst vorverurteilt hatte. Middelhoff agierte von Anfang an ungeschickt, schien schlecht in Sachen Kommunikation beraten und verlor dazu noch mitten im Prozess einen seiner wichtigsten Vertrauten: PR-Berater Hans-Hermann Tiedje, ehemals Chefredakteur der „Bild“-Zeitung und langjähriger Duz-Freund, beendete die Zusammenarbeit im August. Je einsamer es um Middelhoff wurde, umso kopfloser reagierte er – die spektakuläre Flucht vor den Reportern durch den Sprung aus dem Fenster des Essener Landgerichts war da nur der Gipfel einer langen Reihe von PR-Fauxpas – ein gefundenes Fressen für die Medien. Die Quittung kam mit dem Urteil. Das Beispiel zeigt vor allem eines: Wie stark der Einfluss der Öffentlichkeit auf das Geschehen im Gerichtssaal sein kann!

Alles was Recht ist – Streitfälle, die Pressesprecher bewegen

In unserer neuen Online-Kolumne widmen sich PR-Experte Armin Sieber (@absieber) und Rechtsanwalt Thomas Klindt (@TomKlindt) aus kommunikativer und juristischer Perspektive Rechtsfällen, die uns 2014 bewegten. 

 
 


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