Daniela Engist ließ ihre Karriere in der Unternehmenskommunikation hinter sich und wurde Schriftstellerin (c) Getty Images, Anja Limbrunner
Daniela Engist ließ ihre Karriere in der Unternehmenskommunikation hinter sich und wurde Schriftstellerin (c) Getty Images, Anja Limbrunner
PR-Aussteiger erzählen

"Meine Arbeit wurde zur Gewohnheit"

Drei Kommunikatoren erzählen, warum sie dem Beruf den Rücken gekehrt haben – und es nicht bereuen. Im letzten Teil: Daniela Engist entdeckte eine alte Leidenschaft wieder.
Aus der Redaktion

Ich war 13 Jahre in der Unternehmenskommunikation tätig, zunächst bei Roche, anschließend bei Syngenta. Es hat mir anfangs sehr gut gefallen. Ich konnte bei Roche die interne Kommunikation aufbauen – das war Anfang der 2000er Pionierarbeit. Bei Syngenta hatte ich mit Change- und interner Kommunikation zu tun.

Aber irgendwann begannen sich die Aufgaben und Herausforderungen zu wiederholen. Meine Arbeit wurde zur Gewohnheit. Es war eine Gratwanderung zwischen Bore-out und Burn-out: Mein Arbeitsfeld bot mir wenig Neues, aber die Arbeit musste sehr schnell gehen.

Der Grund, aus dem ich aussteigen wollte, war aber nicht meine Arbeit, sondern meine beiden Kinder. Ich wollte einen größeren Anteil an ihrem Alltag haben. Zugegeben: Ich sträubte mich ein wenig; konnte mir nicht recht vorstellen, Heim Mama zu sein. Es erschien mir damals, als würde ich ein wenig Freiheit aufgeben. Immerhin würde ich nicht mehr selbst verdienen und ein Stück weit abhängig sein.

Aber diese Gedanken lösten sich in Wohlgefallen auf, weil mir auch bewusst wurde, dass ich nicht nur Heim-Mama, sondern auch Schriftstellerin werden wollte. Diesen Wunsch hegte ich insgeheim seit meinem Germanistik-Studium. Letztendlich reagierten mein Chef und meine Kollegen überrascht, aber auch sehr positiv und unterstützend.

Nach meiner Kündigung legte ich mehrere Monate Pause ein. Das brauchten Geist und Körper. Dann ging es los: Von 9 bis 14 Uhr saß ich am Schreibtisch und arbeitete an meinem Romanmanuskript. So ging es 21 Monate lang. Und nach fast einem Jahr Suche fand ich gleich zwei Verlage, die Interesse daran hatten. Und heute? Ich bin Schriftstellerin – und genieße jeden Moment.

Protokoll: Anna Gielas

 

 

 
Daniela Engist (c) Anja Limbrunner
Daniela Engist

Nach 13 Jahren bei multinationalen Konzernen in der Schweiz tauschte Daniela Engist Brot gegen Kunst und widmet sich seitdem dem Schreiben. „Kleins Große Sache“ heißt ihr Debütroman. Die 47-Jährige studierte Germanistik, Anglistik und Musikwissenschaft.

 

 

Kommentare

Wer soll diese Darstellung glauben? Frau Engist wird garantiert nicht einmal ansatzweise von Ihrem Buch leben können, das - übrigens unübersehbar autobiografisch gefärbt - recht langatmig die Absurditäten der internen Konzernkommunikation beschreibt und daher eher nur wenige Insider interessieren wird. Sofern Letztere denn die Zeit zum Lesen finden. Insofern ist die Behauptung, nunmehr "Schriftstellerin" zu sein, überaus kühn. Es ist ein Hobby, mehr nicht. Wie für 99% aller so genannten "Schriftsteller". Es ist traurig, zu sehen, wie in der PR selbst nach dem freiwilligen (wirklich?) Ausstieg die nüchterne Realität zurechtgebogen wird. Stets auf Wirkung bedacht, nicht wahr? Nur: Die Leser hier sind eben auch PR-Leute. Und die schmunzeln. Bestenfalls. Will sagen: Seien wir ehrlich. Kaum ein PR-Mensch hat nach dem Ausstieg noch eine Einkommenschance. So sieht es doch aus - und wir wissen das.

Nun ja, wenn ihr das genügt... Ein sehr spezieller Roman über die kleine PR-Branche, erschienen in einem eher idealistischen, sehr kleinen Tübinger Verlag. Und die Ex-PR-Frau darf das dann hin und wieder in allerkleinsten Kreisen vorlesen - zum Beispiel (laut Verlag) beim "Autoren-Symposium des Abendgymnasiums und der Volksbank Heilbronn" oder "am Informationszentrum Chemie-Biologie-Pharmazie der ETH Zürich". Dort liest Frau Engist nämlich aus Ihrem PR-Roman vor. Ein schlechter Tausch, der mir hier doch etwas zu aufgeplustert daherkommt. Dann doch lieber PR-Manager in einer großen Organisation. Oder einfach einräumen, dass man schlicht zu Hause ist und sich beschäftigt. Mehr nicht.


randbemerkung

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