Zwei Drittel der Deutschen liest, hört und sieht keine Nachrichten. (c) Thinkstock/almir1968
Zwei Drittel der Deutschen liest, hört und sieht keine Nachrichten. (c) Thinkstock/almir1968
Umfrage zu Medien

Mehr Qualität, aber nicht mehr Geld

Der "Edelman Trust Barometer 2018" zeigt: Viele Menschen werden zu Medienmuffeln. Um herauszufinden, wie viel die Menschen bereit sind, für Qualitätsjournalismus zu zahlen und was sich am Journalismus verbessern müsste, hat die Agentur Edelman.ergo gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Civey eine weitere repräsentative Umfrage durchgeführt. Chief Executive Officer Susanne Marell stellt die Ergebnisse vor.
Susanne Marell

Journalistische Medien sind die Gewinner des "Edelman Trust Barometers 2018". Aber was hilft den traditionellen Medien das Vertrauen, wenn kaum jemand ihre journalistischen Produkte wahrnimmt? Denn zwei Drittel der Deutschen liest, hört und sieht keine Nachrichten. Eine paradoxe Situation, über deren Entstehung eine weitere Umfrage Aufschluss gibt.

Ziel dieser Umfrage war es herauszufinden, wie viel die Menschen bereit sind, für Qualitätsjournalismus zu zahlen. Und was sich am Journalismus verbessern müsste, damit sie bereit wären, mehr dafür zu bezahlen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Zahlungsbereitschaft für journalistische Angebote wird nicht größer, wenn die Qualität der Medien besser wird. 

Ausgewogene Berichterstattung schlägt Aktualität und Themenvielfalt

Die Ergebnisse zeigen ganz klar: Die Befragten suchen nach Orientierung und Einordnung. 40 Prozent sagen auf die Frage, was den Qualitätsjournalismus für sie auszeichnet: eine ausgewogene Berichterstattung. 29 Prozent verbinden mit dem Begriff investigative Recherchen und erwarten, dass Medien mehr tun, als nur zu veröffentlichen, was Unternehmen, Behörden und Regierungen freiwillig herausrücken. 

18 Prozent suchen nach Analysen und Kommentaren. Geschwindigkeit spielt für die Befragten dagegen keine entscheidende Rolle. Nur vier Prozent verbinden mit Qualitätsjournalismus auch zeitliche Aktualität. Hier wären Medien offenbar gut beraten, in Tiefe statt Schnelligkeit zu investieren.

Die Merkmale, die die Befragten dem Qualitätsjournalismus zuschreiben, deuten eigentlich auf steigende Erlöse hin. Doch verbirgt sich dort wirklich eine Chance für Redaktionen? Gefragt danach, was sich verbessern müsste, damit sie bereit wären, mehr Geld für Journalismus auszugeben, sagen 29 Prozent, dass sie sich mehr Ausgewogenheit in der Berichterstattung wünschen. 18 Prozent wollen mehr investigative Recherchen und elf Prozent mehr Kommentare und Analysen. 

Die Zahlungsbereitschaft ist ausgereizt

23 Prozent der Befragten haben indes das eigene Budget schon ausgereizt oder keine Hoffnung, dass Redaktionen bessere journalistische Angebote liefern könnten. Diese Gruppe würde niemals mehr Geld für Journalismus ausgeben. Dies ist aber nicht die einzige Hürde, vor der Redaktionen stehen, wenn es um steigende Vertriebserlöse geht. Zwischen den Abopreisen von Tageszeitungen und Magazinen klafft eine so große Lücke, dass es nur einen Schluss geben kann: Kostendeckendes Arbeiten für Verlage ist nur schwer möglich.

Das Spiegel-Abo mit monatlich 12,50 Euro ist der Umfrage zufolge für immerhin 72 Prozent der Befragten im Budget. Allerdings: Bei gut einem Drittel dieser Gruppe (26 Prozent) wäre das Budget mit einem Abo für das Nachrichtenmagazin fast ausgereizt, weil sie nicht bereit sind, mehr als 15 Euro im Monat auszugeben. Eine (regionale) Tageszeitung leisten sich – rein rechnerisch – nur 16 Prozent der Befragten. Sie sind bereit, 46 Euro im Monat oder mehr auszugeben. Dass unter den 18- bis 29-Jährigen der Anteil mit vier Prozent noch deutlich kleiner ist, versteht sich fast von selbst.

Höhere Qualität ist kein Garant für höhere Zahlungsbereitschaft

Die Umfrage deutet in eine eindeutige Richtung: Die Zahlungsbereitschaft wird nicht größer, wenn die Medien besser werden. Fast ein Viertel der Befragten (24 Prozent) will selbst für Angebote nichts bezahlen, die inhaltlich überzeugen. 29 Prozent würden bis zu 15 Euro im Monat zahlen.

Unterm Strich heißt das nichts anderes als: Die Budgets sind ausgereizt, egal, was Redaktionen unternehmen, sie werden den Auflagenschwund kaum stoppen können. Gleichzeitig müssen sie in die Qualität investieren, denn ausgewogene Berichterstattung und erst recht investigative Recherche kosten Geld. Tun sie dies nicht, besteht die Gefahr, dass sich der Auflagenschwund eher noch beschleunigt.

Doch hier geht es nicht allein um die Wirtschaftlichkeit von Medienhäusern und Verlagen. Wir brauchen in Deutschland dringend eine öffentliche Debatte über den demokratischen Auftrag des Journalismus. Was passiert, wenn wir in Deutschland so weitermachen wie bisher, kann man am Beispiel USA sehen. Und diese Entwicklung kann niemand wollen.

Was die Unternehmenskommunikation tun kann

Fundierte Analysen und Einordnungen sind nur dank gut informierter Fachleute möglich. Laut dem "Edelman Trust Barometer" gehören technische und akademische Experten zu den glaubwürdigsten Berufsgruppen. Auch Mitarbeiter von Unternehmen oder Institutionen zählen zu vertrauenswürdigen Informationsquellen. Für Unternehmen heißt das also: Sie müssen ihren Botschaftern – jetzt noch mehr als zuvor – eine Plattform geben, um Journalisten über Pressemitteilungen hinausgehendes Wissen und Einsichten zu bieten.

 

 
 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 



randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Erstmals zählen mehr Frauen als Männer zu den einflussreichsten Kommunikator:innen der Welt. (c) Getty Images/belchonock
Foto: Getty Images/belchonock
Lesezeit 1 Min.
Studie

Top-100-PR-Profis: Erstmals 54 Prozent Frauen

Außerdem schaffen es acht deutschsprachige Kommunikationsprofis auf die Liste der 100 wichtigsten Kommunikator:innen der Welt. »weiterlesen
 
Wechselt nach rund 20 Jahren in Führungspositionen bei Hering Schuppener auf die Position der Chairwoman: Tina Mentner. (c) Hering Schuppener
Foto: Hering Schuppener
Lesezeit 3 Min.
Meldung

Mentner wird Chairwoman, Bertram Managing Partner

Christoph Bertram folgt Tina Mentner in der Geschäftsleitung. Er ist seit 2010 bei Hering Schuppener und verantwortet seit 2018 den Berliner Standort der Firma. »weiterlesen
 
Bei Bundesligaspielen war das App-Logo auf den Eckfahnen zu sehen. Zuschauer im Stadion waren keine. (c) picture alliance/dpa/Swen Pförtner
Foto: picture alliance/dpa/Swen Pförtner
Lesezeit 4 Min.
Meldung

Kleine Erfolgsgeschichte

Die Bundesregierung gab bisher 7,8 Millionen Euro für Werbung und PR rund um die Corona-Warn-App aus. Trotz 18 Millionen Downloads ist von der Anfangseuphorie wenig geblieben. »weiterlesen
 
Firmensitz von BMW in München. (c) www.stadlerphoto.com, BMW Group
Foto: www.stadlerphoto.com, BMW Group
Lesezeit 5 Min.
Meldung

Genug von schlechter Presse

Die BMW Group baut ein Corporate Media House auf. Die Münchener wollen damit ihre Position stärker über ihre eigenen digitalen Kanäle vermitteln. »weiterlesen
 
Recherchieren ist wie Puzzeln – am Ende passt vieles zusammen. (c) Getty Images/Elizaveta Elesina
Foto: Getty Images/Elizaveta Elesina
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Am Anfang aller guten Texte steht die Recherche

Unser Kolumnist hält ein Loblied auf die Recherche. Denn ohne sie könne ein Text selten gut werden. »weiterlesen
 
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. (c) BMG
Rund 12.500 Follower: Jens Spahn. (c) BMG
Lesezeit 2 Min.
Meldung

Jens Spahn verdoppelt Follower-Zahl

Mit rund 21.000 Followern liegt Ex-Kanzler Gerhard Schröder bei den aktiven und ehemaligen Politiker:innen auf Linkedin an der Spitze. »weiterlesen