Der MDR geriet in den vergangenen Monaten bereits mehrmals wegen seiner fehlenden Abgrenzung zum rechten politischen Spektrum in die Kritik. (c) WDR/Stefan Flad
Der MDR geriet in den vergangenen Monaten bereits mehrmals wegen seiner fehlenden Abgrenzung zum rechten politischen Spektrum in die Kritik. (c) WDR/Stefan Flad
Demo-Berichterstattung

MDR retuschiert Hitler-Attentäter von Transparent

In einem Fernsehbeitrag entfernte der MDR das Gesicht von Georg Elser von einem Demo-Transparent – laut Sender ein „Fehler in der Bildbearbeitung“.
Aus der Redaktion

Nachdem der MDR in den vergangenen Monaten wiederholt wegen seiner fehlenden Abgrenzung zum rechten politischen Spektrum in die Kritik geriet, sorgte er am Wochenende erneut für Verwunderung: Bei der Berichterstattung über eine Demonstration in Dresden im Rahmen der Sendung "Sachsenspiegel" retuschierte der MDR Sachsen das Gesicht des Hitler-Attentäters Georg Elser aus einem Transparent. Über den Vorfall hatte zuerst der Spiegel berichtet.

Bei der Veranstaltung handelte es sich um eine Gegendemonstration zu einem Neonazi-Aufmarsch anlässlich des 75. Jahrestags der Luftangriffe auf Dresden. Georg Elser gilt als eine der wichtigsten Figuren im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Nach einem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler im November 1939 wurde er im Konzentrationslager Dachau ermordet.

Laut Spiegel war das Fehlen von Elsers Gesicht auf dem Transparent zunächst einigen Twitter-Nutzern aufgefallen, die eine Stellungnahme des Senders zu dem Vorgang forderten. In einer ersten Reaktion auf Twitter gab der MDR an, es habe sich bei dem Vorgang um einen Fehler in der Bildbearbeitung gehandelt. Einen redaktionellen Anlass habe es nicht gegeben.

Wenige Stunden später folgte ein ausführlicheres Statement: Darin erklärte der Sender, ein Grafiker habe versucht, das Foto so zu bearbeiten, dass es in einen vorgegebenen Rahmen passe – ohne Rücksprache mit der Redaktion. Der Vorgang sei mit dem Grafiker ausgewertet worden.

Aus redaktioneller Sicht hätte man die Bearbeitung „nicht geduldet“. Den Fehler bedaure man besonders, da man über die Dresdner Demonstration sehr ausführlich berichtet und „damit auch ein Bild eines weltoffenen Dresden transportiert“ habe. In der Mediathek des Senders ist der Beitrag immer noch abrufbar – weiterhin ohne redaktionellen Hinweis.

 

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Rund um die Rolle von Kindern in der Pandemie ist eine hoch emotionalisierte und krisenanfällige Debatte entbrannt. (c) Getty Images/zsv3207
Foto: Getty Images/zsv3207
Lesezeit 6 Min.
Gastbeitrag

Komplexität im Krisenmodus

Kinderbetreuung in Corona-Zeiten – bei diesem sensiblen Thema wird aus Wissenschaftskommunikation schnell Krisenkommunikation. Was das für die kürzlich vorgestellte „Corona-Kita-Studie“ der Bundesregierung bedeutet, berichtet Katrin Münch-Nebel von der Agentur Ressourcenmangel. »weiterlesen
 
Wechselt sich im Corona-Podcast des NDR mit Christian Drosten ab: Prof. Sandra Ciesek. (c) Picture Alliance/dpa/Frank Rumpenhors
(c) Picture Alliance/dpa/Frank Rumpenhors
Lesezeit 5 Min.
Analyse

Beleidigende Fragen und gönnerhaftes Lob

Zwei Redakteurinnen des Nachrichtenmagazins versuchten, die renommierte Virologin Sandra Ciesek in einem Interview als „Quotenfrau“ und „die Neue an Drostens Seite“ abzuqualifizieren. Auf Kritik reagierte die „Spiegel“-Redaktion unsouverän und anbiedernd. »weiterlesen
 
Höttges bei der Bilanzpressekonferenz im Februar 2020. Links: Pressesprecher Philipp Schindera. (c) Picture Alliance/Sven Simon
Foto: picture alliance/Sven Simon | Malte Ossowski/SvenSimon
Lesezeit 4 Min.
Meldung

Timotheus Höttges verständlichster Redner

Die Universität Hohenheim analysierte die Reden der CEOs der DAX-30-Unternehmen. Sie enthalten weniger Bandwurmsätze und unverständliche Fachbegriffe. »weiterlesen
 
Antje Karbe von der Pressestelle der Universität Tübingen nahm als Erstplatzierte den IDW-Preis für Wissenschaftskommunikation entgegen. (c) Uni Tübingen / ZFM
Foto: Uni Tübingen / ZFM
Lesezeit 2 Min.
Meldung

Wissenschaftskommunikation zweifach ausgezeichnet

Gleich zwei Preise würdigten die Wissenschaftskommunikation: Drei Kommunikatorinnen sind Forschungssprecherinnen des Jahres. Und die Universität Tübingen überzeugte mit einer Pressemitteilung. »weiterlesen
 
Die Konzernzentrale von BMW. (c) BMW Group/Stadlerphoto.com
Foto: BMW Group/Stadlerphoto.com
Lesezeit 1 Min.
Studie

Dax-Pressearbeit: Automobilbranche vorn

In einer Umfrage loben Wirtschaftsjournalist:innen die Pressearbeit von BMW, Daimler und Volkswagen. Zugleich bemängeln sie Corona-bedingte Kommunikationsprobleme. »weiterlesen
 
Muss sich häufig vor Unternehmen und Politik – hier vor dem US-Kongress 2018 – rechtfertigen, warum er so wenig gegen Hate Speech unternimmt: Facebook-Chef Mark Zuckerberg. (c) picture alliance/Xinhua News Agency/Ting Shen
Foto: picture alliance/Xinhua News Agency/Ting Shen
Lesezeit 6 Min.
Bericht

Zu viel Hass auf Facebook-Seiten

Um das Zuckerberg-Netzwerk zu zwingen, stärker gegen Hass auf seiner Plattform vorzugehen, schlossen sich weltweit Tausende Unternehmen einem Werbeboykott an. Einige planen nicht mehr zurückzukehren.