Im Kampf gegen Fake News spielen Wissenschaft und Forschung eine wichtige Rolle - wenn man sie denn lässt. (c) privat
Im Kampf gegen Fake News spielen Wissenschaft und Forschung eine wichtige Rolle - wenn man sie denn lässt. (c) privat
Kampf gegen Fake News

Marsch für die Wahrheit

Vorwürfe von Fake News betreffen in empfindlichem Maße auch die Wissenschaft. Manche Argumentation ist jedoch unlauter. Ein Kommentar.
Tanja Gabriele Baudson

Um Scheinwahrheiten zu erfinden, braucht es keine aufwändige Forschung. So viel steht fest. Aber es müssen noch nicht einmal eklatante Lügen sein. Auch tendenziöse Darstellungen von Sachverhalten, bei denen es „die Wissenschaft ja selbst nicht genau weiß“, lassen sich vortrefflich zu Manipulationszwecken nutzen. Wir erleben das bei komplexen Themen wie Klimawandel oder Bildungsforschung.

Die Wahrheit ist unerreichbar

Jedoch fehlt bei der Behauptung, die Wissenschaft wisse es selbst nicht genau, ein entscheidendes Element: das Wörtchen „noch“. Wissenschaft ist ein stetiger Prozess, der Erkenntnis sucht, sich der Wahrheit aber immer nur annähern kann, ohne sie je zu erreichen. Ihr dieses Prozesshafte zum Vorwurf zu machen, ist eine unlautere Argumentation. Tatsache ist, dass sich die Wissenschaft immer stärker verzweigt und dadurch notwendigerweise immer differenzierter und komplexer wird.

Die Wissenschaft ist der Wahrheit in besonderer Weise verpflichtet. Eine Voraussetzung dafür, dass sie nach Wahrheit streben kann, ist jedoch die Freiheit. Uns in Deutschland geht es im Vergleich zu Ländern wie der Türkei, Russland und seit einiger Zeit auch den USA noch sehr gut. Dennoch ist auch das deutsche Wissenschaftssystem alles andere als perfekt.

Bildung und Wissenschaft

Kern der aktuellen Debatte ist die Frage, welche Werte die Wissenschaft überhaupt vertreten will. Was die Antwort auf diese Frage konkret nach sich ziehen kann und soll, ist der zweite Schritt, der seit dem „March for Science“ angegangen wird. In der Nachbereitung haben sich verschiedene Themenfelder herauskristallisiert. Zum einen das Verhältnis von Wissenschaft und Politik; zum anderen die Rolle von Wissenschaft in der und für die Gesellschaft.

Wissenschaftliche Bildung ist eine zentrale Voraussetzung dafür, Befunde kritisch einordnen zu können. Das Verhältnis von Wissenschaft und Bildung ist somit ein dritter relevanter Bereich. Wissenschaftskommunikation stellt transversal über diese drei Bereiche, die das „Was“ inhaltlich abdecken, das „Wie“ dar. Es stellt sich jedoch übergeordnete Fragen: Wie kann Wissenschaft das werden, was sie sein könnte? Wie kann sie tatsächlich nach Wahrheit streben und so ihren Idealen näherkommen?

Beim „March for Science“ geht es also um mehr als die Tatsache, dass abertausende Menschen – Wissenschaftler und andere − für die Freiheit der Forschung auf die Straße gehen. Und es geht auch um mehr als um Wissenschaftskommunikation. Es geht um die Frage, wie wir mit Freiheit und Wahrheit als den zentralen Werten der Wissenschaft in Zukunft umgehen wollen.

Darum geht es beim „March for Science“

Weltweit demonstrierten am 22. April 2017 Menschen in mehr als 600 Städten für die Freiheit von Wissenschaft und Forschung und für den Wert von Wissenschaft, Fakten und Evidenzbasiertheit. Allein in Deutschland nahmen 37.000 teil.  Der „March for Science“ ist laut Organisatoren eine unabhängige Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, auf die Gefahren durch populistische Tendenzen hinzuweisen.

 

 
 

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