Mit einem Weltrekord Schlagzeilen machen? Jaguar hat das mit einem spekakulären Stunt geschafft. (c) Nick Dimbleby
Mit einem Weltrekord Schlagzeilen machen? Jaguar hat das mit einem spekakulären Stunt geschafft. (c) Nick Dimbleby
Visuelles Storytelling

Marken, die Rekorde brechen

Gutes Storytelling lebt von inspirierenden Inhalten. Und was könnte inspirierender sein als ein Weltrekord? Über gelungene Beispiele und warum auch ein gescheiterter Versuch ein Gewinn sein kann, berichtet unsere Gastautorin.
Samantha Fay

In einer Welt, in der Verbraucher einer Flut von Informationen und ständigen Social-Media-Updates ausgesetzt sind, ist es eine große Herausforderung, diesen Lärm zu durchbrechen und ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Storytelling ist da der Schlüssel zum Erfolg. Denn gute Geschichten haben die Kraft, die Community anzusprechen, Inhalte zu vermitteln und zu unterhalten. Wenn richtig ausgeführt, können diese Geschichten durch den Rummel dringen, weil sie relevant und authentisch sind sowie die Interessen und Bedürfnisse der Zielgruppe bedienen.

Unser Guinness World Records-Buch ist ein Sammelsurium guter Geschichten. Und einige Unternehmen wissen das zu nutzen: Nicht wenige haben versucht, mit dem Aufstellen von Rekorden ihre PR- und Werbekampagnen noch wirkungsvoller zu gestalten.

Lassen Sie uns als Beispiel einen Blick auf Jaguar werfen, eine Marke, die das Rampenlicht nicht gerne teilt. Anstatt Gefahr zu laufen, auf einer Automobilausstellung in der Flut von Markteinführungen und Produktneuheiten unterzugehen, präsentierte Jaguar seinen neuen E-Pace im Juli mit einer spektakulären, rekordreifen Szene, die direkt aus einem James-Bond-Streifen hätte stammen können.

Bitesized Content mit globaler Anziehungskraft  

In dieser schlagzeilenträchtigen Szene gelang der weiteste Sprung mit Seitwärtsrolle durch ein Serienfahrzeug. Der Weltrekord diente als Aufhänger für internationale Schlagzeilen und Berichterstattung. Gleichzeitig wurde das beeindruckende Video ein Paradebeispiel für leicht verständliche Inhalte für den multimedialen Einsatz – das seine Wirkung weder auf dem Smartphone, Laptop noch Großbildfernseher verfehlt.

Ein Produkt mit einem Paukenschlag einzuführen, ist ein beliebtes Mittel für Markenartikler, die einen bestehenden Guinness-Weltrekord knacken wollen. Doch Jaguar ging noch einen Schritt weiter und baute diese Story rund um den Rekordversuch weiter aus: Vier Tage nach der Produkteinführung stellte der Hersteller ein Video mit einem Blick hinter die Kulissen ins Netz, das zeigt, wie die spektakuläre Szene geplant und durchgeführt wurde.

Dieses zweite Video eroberte erneut die Herzen der Automobilfans auf der ganzen Welt und brachte Jaguar nochmals in die Schlagzeilen – womit die Reichweite der Kampagne weiter anstieg.

Eine rekordverdächtige Reise

Was Jaguar so wirkungsvoll demonstriert, besteht oft aus einem langen Weg, der mit vielen Übungsstunden, Versuchen, Problemlösungen und Teamarbeit einhergeht, um den Weltrekord an jenem Tag sicher aufstellen zu können. Und dieser Entwicklungsprozess – mit all den Rückschlägen, Meilensteinen und der Unsicherheit, ob das gesteckte Ziel erreicht werden wird oder nicht – dient als ergiebige Quelle für begabte Storyteller zur Generierung von inspirierenden Inhalten.

LG Electronics ist eine weitere Marke, die die Kunst fesselnder Inhalte beherrscht. Bei der Einführung der Waschmaschine „Centum System“ bewies die Marke, dass selbst Alltagsprodukte Protagonisten einer packenden Story werden können.

In Zusammenarbeit mit der südkoreanischen Agentur Krema Worldwide wollte LG zeigen, dass die „Centum“-Waschmaschine besonders vibrationsarm und leise arbeitet. Der Hersteller demonstrierte dieses Versprechen mit einem überzeugenden Auftritt, indem er seine Waschmaschine während des Schleudergangs mit 1.000 Umdrehungen pro Minute in Szene setzte.

Ein gewagtes Unternehmen

Für diese Kampagne holte LG den professionellen Kartenstapler und mehrfachen Weltrekordhalter Bryan Berg ins Boot. Das Vorhaben, in zwölf Stunden das größte Kartenhaus zu bauen und damit in Guinness World Records-Buch aufgenommen zu werden, ist schon auf fester Oberfläche äußerst anspruchsvoll, ganz zu schweigen von einer vibrierenden Waschmaschine.

Mit dieser Inszenierung setzte LG, wie auch Jaguar, emotionales Storytelling ein. Es fällt wohl jedem Zuschauer beim ersten Ansehen der beiden Videos schwer, nicht den Atem anzuhalten oder ein Lächeln zu verbergen, wenn der Erfolg des Weltrekords abzusehen ist.

Natürlich ist nicht jeder Versuch von Erfolg gekrönt. Doch einige Marken haben einen Weg gefunden, auch vermeintliche Misserfolge in eine inspirierende Story zu verwandeln.

Dem Missgeschick einen Erfolg abtrotzen

Panasonic ist eine solche Marke. Gemeinsam mit einer Gruppe von japanischen Studenten wollte der Hersteller einen Weltrekord aufstellen und die weltweit längste Strecke mit einem trockenbatteriebetriebenen Flugzeug mit festen Tragflächen zurücklegen. Leider scheiterte der Rekordversuch wegen schlechten Wetters am Rekordtag.

Jedoch wertete man diesen Misserfolg als wertvolle Erfahrung für die Studenten im Hinblick auf ihre spätere Wissenschaftler- und Ingenieurlaufbahn. Die Wirkung dieser Botschaft wurde durch ein beeindruckendes Video zum Rekordversuch verstärkt, das deutlich die Emotionen, Spannungen und letztendlich die Enttäuschung aller Beteiligten nahebringt.

Was können wir also von diesen Marken über guten Content und emotionales Storytelling lernen?

Die Bedeutung von ausdrucksstarken Bildern, einschließlich Videos, kann nicht hoch genug bewertet werden. Mit leicht verständlichen Inhalten, die Verbraucher sofort faszinieren, können vor allem Zielgruppen wirksam erreicht werden, die verstärkt eine Vielzahl an Informationen online konsumieren. Eine spannende Geschichte, die gut durchdacht präsentiert wird und mit Schlüsselerlebnissen überzeugt, kann neue Zielgruppen erreichen und auch zeitlich nachwirken. Und nehmen Sie sich ein Beispiel an Panasonic: Rechnen Sie mit dem Unvorhergesehenen – und haben Sie immer einen Plan B parat.

Wie Guinness World Records seine eigene Marke strategisch positioniert, wird die Autorin in der Session „How Guinness World Records has remained the global authority of record breaking of 60 years and still moves the masses“ am 22. September auf dem Kommunikationskongress in Berlin vorstellen. Weitere Informationen finden Sie unter www.kommunikationskongress.de.

 

 
 


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