Wenn Meinungsverschiedenheiten im Team zu handfesten Konflikten werden, muss die Führungskraft vermitteln. (c) Getty Images/alphaspirit
Wenn Meinungsverschiedenheiten im Team zu handfesten Konflikten werden, muss die Führungskraft vermitteln. (c) Getty Images/alphaspirit
Management

Wie Führungskräfte Konflikte richtig lösen

Spannungen im Team führen schlimmstenfalls zu weniger Zusammenarbeit und sinkender Produktivität. Wie Führungskräfte Konflikte effektiv lösen – auch wenn alle im Homeoffice sind.
Uwe Göthert

Konflikte sind ein natürlicher Bestandteil des Lebens und Arbeitens. Doch nur wenige Menschen sind ausreichend qualifiziert, konstruktiv und selbstbewusst mit Fehden im Job umzugehen. Häufig hemmt ein Team schon die Angst vor Auseinandersetzungen. Kein Wunder: Im schlimmsten Fall führt ein eskalierter Konflikt zu angespannten Arbeitsbeziehungen, Teams arbeiten weniger Hand in Hand, Kollegen ziehen sich zurück, die Produktivität sinkt.

Spannungen bieten Vorteile

Dabei können Unternehmen Streitfragen als Chance begreifen. Gut gehandhabt bieten Spannungen Vorteile. Unterschiedliche Meinungen sind wertvoll für hochwertige Entscheidungen. Führungskräfte, die diese Dynamiken verstehen, führen Teams schnell, effizient und fair zu mehr Zusammenarbeit, Innovation und Kreativität. Besonders in Zeiten von Homeoffice ist entscheidend, dass Leader Konflikte lösen und nutzen können, um trotz räumlicher Distanz das Beste aus ihren Teams herauszuholen.

Folgende zwölf Schritte helfen beim Umgang.

1. Zuversichtliche Einstellung

Die Chance auf eine Win-win-Lösung erhöht sich, wenn alle Seiten den Konflikt als Lerngelegenheit betrachten. Job der Führungskraft ist daher, zuversichtlich zu bleiben und während des gesamten Prozesses jedes Teammitglied im positiven Licht zu betrachten. Sind schwierige Kandidaten dabei, fordern Sie sich selbst heraus: Zählen Sie fünf Stärken auf, die diese in die Mannschaft einbringen.

2. In neutraler Zone treffen

Grundsätzlich gilt: Treffen Sie sich persönlich – und zwar auf neutralem Boden. In Zeiten von Homeoffice ist es umso wichtiger, einen Zeitpunkt und virtuellen Raum zu finden, der für alle akzeptabel und bequem ist. Einigen Sie sich vorab auf einen Zeitrahmen.

3. Thema klar definieren

„Worum geht es eigentlich?“ Bei der Beschreibung des Problems sollten alle sachlich bleiben. Führungskräfte fragen nach den Ansichten der Mitarbeiter und lassen sich den Kern des Konflikts bestätigen. Schuldzuweisungen sind fehl am Platz. Ist das Thema facettenreich, reduzieren Sie es auf seine Komponenten. Behandeln Sie einen Aspekt nach dem anderen.

4. Hausaufgaben machen

Konflikte sind verwobene Konstrukte. Profis machen daher ihre Hausaufgaben: Welche Vorfälle aus den letzten Monaten könnten die Lösung beeinflussen? Wie viel steht für einen selbst auf dem Spiel? Welche Sorgen oder Motive treiben die Beteiligten? Dazu gehört, konkrete Beispiele vorzubereiten, die veranschaulichen, wie der Konflikt der Teamarbeit schadet. Es geht auch um Stärken und Leistungen – der Disput ändert nichts an Ihrer Wertschätzung. Recherchieren Sie Musterfälle, wie ähnliche Probleme in der Vergangenheit gelöst wurden.

5. Zur Selbstreflexion sensibilisieren

Zu guter Führung gehört Selbstreflexion. Starke Teamleiter sind sich bewusst, welche ihrer eigenen Persönlichkeitszüge eine Lösung verhindern oder vorantreiben können. Überprüfen Sie sich selbst und ermutigen Sie andere, sich zu fragen: „Wie sehr beeinflussen meine Vorurteile den Diskurs?“ Führungskräfte sollten zudem den Grad ihres Vertrauens in die Teammitglieder klären. 

6. Gemeinsame Basis schaffen

Konflikte verstärken den Blick auf Unterschiede. Job des Leaders ist es, das Team wieder auf die gleiche Seite zu bringen. Das funktioniert, indem alle nach Ähnlichkeiten, gleichen Zielen oder Beschwerden suchen. Wer den Fokus auf die Zukunft lenkt und klarmacht, dass alle das Problem gemeinsam angehen werden, stärkt die Ergebnisorientierung der Parteien.

7. Fakten kennen, Emotionen kontrollieren

Schaffen Sie Grundregeln für ein sicheres Umfeld: keine Schuldzuweisungen, keine Angriffe, keine Urteile über Ideen anderer. Statt Persönlichkeiten zu bewerten, sollte die Gruppe sich auf deren Verhalten konzentrieren und wie es die Ergebnisse beeinflusst. Das entpersonalisiert Streitfragen und verringert Abwehrreaktionen.

8. Ehrlichkeit leben und fordern

Wer einmal lügt, wird den Ruf schwer wieder los. Daher gilt die Devise: klar und ehrlich kommunizieren. Was ist Ihnen als Führungskraft wichtig? Und warum? Dazu dürfen Sie auch Ihre Teammitglieder ermutigen.

9. Kompromisse unterstützen

Kompromissbereitschaft ist das A und O. Es geht um Zugeständnisse, wenn Themen für die einen weniger, für andere aber mehr Bedeutung haben. Indem Chefs hervorheben, was im Interesse des Einzelnen liegt und wie das Team davon profitiert, helfen sie bei der Bewertung. Schlagen Sie praktikable Lösungen vor und fragen Sie nach Meinungen oder Alternativen. Seien Sie selbst flexibel, bieten Sie Ressourcen und Unterstützung an.

10. Kommunikationsfähigkeiten stärken

Wer Spannungen lösen will, braucht Kommunikations-Know-how: Stellen Sie Fragen, hören Sie zu, wiederholen Sie das Gehörte. Prüfen Sie, ob Sie verstanden werden. Interessieren Sie sich für das Wort des Einzelnen. Bevorzugen Sie "ich" und "wir" statt "Sie". Konzentrieren Sie sich weniger auf Positionen, sondern mehr auf Ideen, wie das Team einen vorteilhaften Kompromiss erarbeiten kann.

11. Mit positiven Gefühlen abschließen

Um gemeinsam den besten Win-win-Vorschlag zu ermitteln, stellen Teamleiter sicher, dass sich alle Beteiligten gehört und respektiert fühlen. Klären Sie, wer für was verantwortlich ist und wann der Erfolg wie gemessen wird. Nicken Sie sich bewusst zu oder halten Sie den erhobenen Daumen in die Kamera. So endet der Prozess mit positivem Spirit. Ermutigen Sie das Team, Herausforderungen zu diskutieren, bevor sie zu Konflikten werden.

12. Prozess genießen

Die Forschung zeigt: Wenn Menschen einen Konflikt überwunden haben, stärkt das deren Beziehung. Führungskräfte dürfen daher immer die Vorteile in unterschiedlichen Standpunkten sehen – und wie die Gruppe daraus lernen kann. Diese Fähigkeit macht einen guten Leader aus.

 

 
 


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