Ein Filmverleih nimmt Einfluss auf die Pressefreiheit./ Freie Presse: (c) Getty Images/ spukkato
Ein Filmverleih nimmt Einfluss auf die Pressefreiheit./ Freie Presse: (c) Getty Images/ spukkato
Ausschluss einer Journalistin

Little Dream Entertainment gegen die freie Presse

Der Filmverleih Little Dream Entertainment schließt eine Journalistin von Pressevorführungen aus. Ihm passen ihre Berichte nicht.
Toni Spangenberg

Der Filmverleih Little Dream Entertainment versucht, aktiv Einfluss auf die Berichterstattung über seine Filme zu nehmen. Journalistin und Filmkritikerin Antje Wessels berichtet auf Twitter von ihren Erfahrungen mit dem Verleih. Sie sei von Pressevorführungen ausgeschlossen worden. Der Verband der deutschen Filmkritik befasst sich mit dem Fall.

"Bullshit" geschrieben

Wessels sei im Vorfeld einer Pressevorführung des Quentin-Dupieux-Films "Die Wache" im Hamburger Abaton-Kino im Oktober von einem Sprecher des Filmverleihs Little Dream Entertainment abgefangen und zum Gehen aufgefordert worden. "Er teilte mir mit, dass es mir fortan untersagt sei, Pressevorführungen von Little-Dream-Entertainment-Produktionen zu besuchen", erklärt Wessels auf Anfrage des pressesprecher. In der Vergangenheit habe sie laut ihm "Bullshit" über deren Filme geschrieben. Der Sprecher habe ihr zu verstehen gegeben, dass der Firma die Art ihrer Berichterstattung nicht passe.

Die Journalistin wies den Sprecher laut eigener Aussage auf die journalistische Meinungsfreiheit hin. "Mein Hinweis wurde damit beantwortet, dass es mir ja freistünde, fortan Kinotickets für ihre Filme zu bezahlen und erst im Anschluss daran zu schreiben." 

Wessels hat sich dazu entschlossen, den Fall publik zu machen, "weil es ein großes Ärgernis ist, dass der Sprecher eines Filmverleihs jemanden vor Ort abfängt und dann mit halbgaren Begründungen an seinem Job hindert." Sollte sie Filme nicht mehr vorab sehen können, habe sie mit Umatzeinbußen zu rechnen, "obwohl ich mir nichts zu schulden habe kommen lassen, sondern nur meine journalistische Meinungsfreiheit ausgeübt habe." 

Falls die Methoden von Little Dream Entertainment die Runde machen sollten, "haben die deutsche Filmkritik und Meinungsjournalismus ein gewaltiges Problem." Daher sei es wichtig, solche Fälle klar zu benennen. Nur so könne auf die "schwarzen Schafe" der Branche aufmerksam gemacht werden.

Der Verleih drängte Wessels zum Umschreiben einer Kritik

Der Fall vom Oktober war bereits Wessels zweite Konfrontation mit dem Filmverleih. Schon 2018 habe sie dieser zum Umschreiben ihrer Kritik zum Kinderfilm "Mein Freund, die Giraffe" gedrängt, da sie zu negativ sei und ihr nahe gelegt, sich einen neuen Beruf zu suchen. "Allerdings habe ich mich geweigert."

Little Dream Entertainment war gegenüber pressesprecher zu keiner Stellungnahme bereit. Eine entsprechende Anfrage blieb bisher unbeantwortet.

Der Verband der deutschen Filmkritik hat sich des Falls angenommen. "Wir haben nun zunächst den Filmverleih und die zuständige Presseagentur um Rückmeldung gebeten, um genauer zu verstehen, wie es zu diesem Vorfall kam. Die Presseagentur hat uns an den Verleih als Gastgeber der Pressevorführung verwiesen", bestätigt ein Verbandssprecher gegenüber pressesprecher. Eine Antwort an den Verband seitens des Filmverleihs liegt mittlerweile vor.

"Die Nicht-Einladung (und das Nicht-Zulassen) hat laut Herrn S. nichts mit der Wertung der Filme des Verleihs zu tun, hier gäbe es in der Tat viel negativere Kritiken. Auch würden nicht allgemein KritikerInnen ausgeladen wegen negativer Kritiken. Es sei vielmehr so, dass der Verleih ganz konkret Sie (Antje Wessels) nicht einladen wolle, weil er einige Ihrer Einlassungen (wohl überwiegend in sozialen Medien) für persönlich beleidigend und unlauter halte, weshalb er von seinem Hausrecht Gebrauch mache, Sie nicht einzuladen", teilt der Verband Wessels mit. Begründet wurde die Ausladung mit einem Tweet Wessels. Allerdings erschien dieser laut ihrer Aussage erst nach dem Vorfall. "Es ist hier also ganz offensichtlich, dass sich der Herr in Widersprüche verstrickt, zumal er mir gegenüber ja unmissverständlich negative Kritiken als Grund genannt hat", so Wessels. 

Unabhängig davon, wie der Fall ausgeht, möchte Wessels auch weiterhin Filme von Little Dream Entertainment rezensieren – vorausgesetzt, ihr ist es möglich, diese vorab zu sehen. "Denn die Leute, die die Filme machen, können nichts für die Methoden des Verleihs."

 

 
 


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