Lernen fürs Leben: PR-Studenten engagieren sich sozial (c) Getty Images/iStockphoto
Lernen fürs Leben: PR-Studenten engagieren sich sozial (c) Getty Images/iStockphoto

Lernen fürs Leben: PR-Studenten engagieren sich sozial

In ihrer Freizeit engagiert sich der Führungskräftenachwuchs für soziale Projekte der Non-Profit-Organisation Enactus.
Hilkka Zebothsen

Studenten wie Sebastian Pfister büffeln nicht nur das PR-Handwerk, sondern lernen fürs Leben. Ob auf dem Campus oder in der Dritten Welt: In ihrer Freizeit engagiert sich der Führungskräftenachwuchs für soziale Projekte der Non-Profit-Organisation Enactus.

„Unser Ziel ist die Vorbereitung des studentischen Nachwuchses auf seine künftige Rolle als verantwortungsbewusste Führungskräfte“, sagt Petra Lewe. „Sie sollen unternehmerisch die Welt im Kleinen verändern.“ Eigentlich war Petra Lewe Personal- und Geschäftsentwicklerin bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, einem der weltweiten Enactus-Förderer. Als sie immer mehr Herzblut in den Aufbau der Organisation in Deutschland steckte, wurde sie freigestellt und avancierte 2008 schließlich zur Geschäftsführerin für Deutschland.

Im Fokus stehe das unternehmerische Denken und Handeln unter ethischen Gesichtspunkten, um Lösungen mit wirtschaftlicher Nachhaltigkeit für Menschen zu schaffen, die Hilfe zur Selbsthilfe brauchen. Die Auswahl der Projekte richtet sich nach der sogenannten triple bottom line: Sie sollen soziale, ökonomische und ökologische Aspekte vereinen.

Die Rollen von Studenten, Unternehmen und Hochschulen

„Die Studenten sind unser Herzstück“, sagt Petra Lewe. „Sie machen das Netzwerk aus nach dem Motto „weg vom Campus in die Welt“. Mitarbeiter aus Unternehmen geben Rückmeldungen für die Praxis: Als Mentoren, Coaches und sogenannte Business Advisors stehen sie den Studenten zur Seite bis hin zur Persönlichkeitsentwicklung. Lewe: „Sie haben so die Chance, ihr Unternehmen vorzustellen und vielleicht sogar geeignete Praktikanten zu finden.“

Und die Hochschulen betrachtet sie als Ankerpunkte: „Wegen der Fluktuation in den Teams ist die Uni der feste Punkt zum Andocken.“ Durch das verschulte Bachelor- und Master-System bringen die Unidozenten, die sogenannten University Advisors, zusätzlichen fachlichen und inhaltlichen Input.

Von der Idee zum Projekt in wenigen Schritten

Eines der „Herzstücke“ ist Sebastian Pfister: Als er im ersten Semester BWL in Stuttgart studierte, kam er das erste Mal mit Enactus in Berührung – und war sofort begeistert. Die Idee gärte weiter, als er nach Bamberg zog, wo er Kommunikations- und Politikwissenschaften studiert: „Ich verfolgte die Stuttgarter Projekte bei Facebook und fragte schließlich Freunde, ob wir nicht ein eigenes Team gründen wollen.“ Wenige Wochen später saßen sie zu viert in der Münchner Enactus-Zentrale bei Petra Lewe zum „Vorstellungsgespräch“. Ihnen wurde die Organisation vorgestellt, Fragen beantwortet und am Ende des zweistündigen Gespräches war der Enactus Bamberg geboren.

Das Enactus-Team Bamberg (c) Sebastian Pfister

Das Enactus-Team Bamberg (c) Sebastian Pfister

Die Idee steckt an: Über das Internet sind die einzelnen Projekte weltweit verbunden, es gibt regionale und internationale Wettbewerbe, bei denen die Teams schon mal verkleidet in Landestracht zur Präsentation des eigenen Projekts vor der Jury erscheinen.

Lokale Erzeugnisse verkaufen und Pfand sammeln für den guten Zweck

Sebastian Pfister engagiert sich in gleich zwei Enactus-Projekten: Für die „Regnitz-Kiste“ und die Aktion „Spende Dein Pfand“. Für das erste arbeitet das Studententeam mit der Bamberger Lebenshilfe zusammen: „Mitarbeiter der dortigen Behindertenwerkstatt bauen die Holzkisten und füllen sie mit lokalen Spezialitäten“, erklärt Pfister. Bonbons, Presswurst, Bier und Senf zusammen mit der dekorativen Kiste – das perfekte Mitbringsel. Die Waren liefern die regionalen Anbieter zum Herstellungspreis. Das Ziel: Die Kisten sollen mit einem Stückpreis von 25 bis 35 Euro nicht nur im Uni-Shop verkauft werden sondern auch in kleinen Fachgeschäften in der ganzen Stadt. Und am Ende Arbeitsplätze für weitere Behinderte in der Werkstatt finanzieren und sie weiter in die Gesellschaft integrieren.

„Wir wollen im Verkauf vor allem kleine Läden einbinden und wünschen uns, dass man die Kiste bald auch am Info-Stand der Bamberger Touristeninformation kaufen kann“, sagt Pfister. Da gibt es sogar PC-Tastaturen, die man auf Fränkisch umstellen kann.

Einsatz bei der Bamberger Lebenshilfe (c) Sebastian Pfister

Einsatz bei der Bamberger Lebenshilfe (c) Sebastian Pfister

Das Lebenshilfe-Team freut sich über das Engagement der Studenten. Beim Besuch von Pfister und einer Kommilitonin führten die Mitarbeiter mit den Handicaps die Besucher durch alle Räume und zeigten stolz ihre Arbeiten. „Ich war sehr berührt von dem Besuch“, erinnert sich der Student. „Und ich hoffe, ich bekomme die Übergabe des Projekts mit, solange ich noch studiere.“

Beim zweiten Bamberger Projekt „Spende Dein Pfand“ stellen die Studenten spezielle Flaschen-Tonnen auf dem Unigelände auf. „Ein von der Diakonie begleiteter Behinderter soll sie selbständig leeren und mit den Pfandeinnahmen einen Teil seines Lebensunterhalts aufbessern“, erklärt Pfister. „In anderen Städten haben Studenten mit der Idee sogar Überschüsse erwirtschaftet, die an soziale Einrichtungen in der Stadt gespendet wurden.“

Inzwischen hat Pfister 17 Kommilitonen um sich geschart: „Darunter sind Kommunikationswissenschaftler, BWLer, angehende Soziologen und Lehrer.“ Selbst einen jungen Dozenten konnte das Team als so genannten Faculty Advisor gewinnen, der auch dann noch Enactus-Projekte begleiten und das Team beraten soll, wenn Pfister und Co. die Uni längst verlassen haben.

Die Grenze zwischen studentischem und sozialem Engagement ist fließend

Wöchentlich im Schnitt sieben Stunden investiert Pfister in sein soziales Engagement, wobei er „das anders betrachtet: Im Projekt arbeiten lauter Freunde, die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit ist fließend.“ Pfister war schon Schulsprecher und „mag Team-Arbeit. Ich finde es toll, etwas zu bewegen.“ Einen Einfluss auf seine Noten hat sein Einsatz nicht. Höchstens indirekt: „Wir durften für eine Klausur, in der wir ein PR-Konzept für eine soziale Einrichtung erarbeiten sollten, für unser Projekt Pressemitteilungen und eine Event-Planung entwerfen.“

Sebastian Pfister (c) Privat

Sebastian Pfister (c) Privat

Die Studenten gehen streng nach Plan vor: Bei einem Auftakttreffen wird eine Idee geboren. Danach findet sich das Projektteam, das strategische Partner sucht, einen Prototypen entwickelt und Marktanalysen erstellt. Die Umsetzung wird von der Organisation begleitet. So lernen die Studenten ganz nebenbei Projektmanagement am konkreten Beispiel.

Es wird immer notwendiger für Individuen und Unternehmen, das große Ganze zu betrachten. „Die EU fordert Transparenz und Governance“, sagt Petra Lewe. „Im Bereich CSR hat Deutschland im internationalen Vergleich sehr aufgeholt.“

Im künftigen Akquise-Fokus: Der Mittelstand

Das Engagement der Studenten ist stets zeitlich befristet. Oberstes Ziel: Die Projekte sollen so gut aufgestellt sein, dass sich die Initiatoren nach mehreren Monaten wieder zurückziehen und die Verantwortung abgeben können: Hilfe zur Selbsthilfe halt.

Petra Lewe (c) Enactus

Petra Lewe (c) Enactus

Und die nächsten Schritte für Enactus? „Auch im elften Jahr in Deutschland wachsen wir und brauchen mehr Unterstützung“, sagt Petra Lewe. „Als Non-Profit-Organisation haben wir uns bisher bei der finanziellen Ausgestaltung auf Dax- und Blue Chip-Unternehmen fokussiert. Wir planen nun, stärker den Mittelstand, KMU und Privatiers einzubeziehen.“

 
 

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