Gerade in der Unternehmenskommunikation wimmelt es von Sprachfossilien. (c) Thinkstock/BarashenkovAnton
Gerade in der Unternehmenskommunikation wimmelt es von Sprachfossilien. (c) Thinkstock/BarashenkovAnton
Floskeln

Leider nicht vom Aussterben bedroht

Niemand liest sie gern und doch halten sie sich hartnäckig seit Jahrzehnten: bedeutungslose Floskeln und abgedroschene Phrasen. Für das neue Jahr wünscht sich unsere Kolumnistin mehr Kreativität in der Unternehmenskommunikation.
Juliane Topka

Gefühlt drei von vier Event-Ankündigungen beginnen mit irgendeiner Variation von „Es ist wieder soweit“. Das ist zunächst mal falsch geschrieben: Nur als Konjunktion, die einen Nebensatz mit einer einschränkenden Bedingung einleitet, ist „soweit“ ein einziges Wort (Beispiel: „Das ist alles, soweit ich weiß.“). In allen anderen Fällen sind es zwei. Orthografisch korrekt ist also „Es ist wieder so weit!“. Lassen Sie sich übrigens nicht von der Rechtschreibprüfung in Word irritieren, die das als Fehler markiert – sie liegt damit selbst falsch.

Interessanter wird die Formulierung dadurch aber auch nicht. Mich bringt diese Floskel zuverlässig zum Gähnen – und verhindert ebenso zuverlässig, dass ich konzentriert weiterlese. „Es ist wieder so weit“ klingt nach alter Leier, nach Massenware: langweilig und austauschbar. Und wer will mit seiner Unternehmenskommunikation schon in der Masse untergehen?

Selbst wenn es um eine Veranstaltung geht, die Ihr Unternehmen jedes Jahr in der gleichen oder einer sehr ähnlichen Art durchführt: Es lohnt sich, eigene Formulierungen für die Einleitung zu finden. Das gilt vor allem, wenn Sie einen Ankündigungstext mehrmals verwenden wollen: Individuelle, vielleicht auch überraschende Texte/Textelemente, die auf Ihr Unternehmen und das spezielle Event zugeschnitten sind, wecken positive Aufmerksamkeit. Das kann zum Beispiel eine direkte Frage an die Leserschaft sein oder ein Vorgeschmack auf die Informationen oder Erlebnisse, die auf die Gäste des Events warten.

Einfach, aber wirkungslos

Im schriftlichen Business-Alltag mit altgedienten Formulierungen zu arbeiten, ist bequem, denn es spart Zeit und Mühe. Solche Formulierungen haben aber in der Regel wenig Strahlkraft. Gerade in der Unternehmenskommunikation gibt es wahrhafte Fossilien – Standardsätze, die viele Jahrzehnte weitgehend unverändert überdauert haben.

Ein Klassiker: „Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.“ Herrje! In Unternehmen arbeiten Menschen, und die stehen nicht zur Verfügung wie ein Kaffeeautomat. Was sind außerdem Rückfragen – gibt es auch Hinfragen? Wenn ich einen solchen Satz lese, denke ich: Der steht da, weil „man eben so etwas schreiben muss“. Wer es mit der Kundenorientierung wirklich ernst meint, wird sich etwas anderes überlegen.

Der Jahresanfang ist eine gute Gelegenheit, Standardtexte auf Floskeln abzuklopfen und die beabsichtigten Aussagen pointierter zu formulieren. Das gilt nicht nur für Briefe, sondern grundsätzlich für alle Texte der Unternehmenskommunikation. Nehmen Sie bei der Suche bewusst die Perspektive Ihrer Leserinnen und Leser ein. Einige Beispiele für den eben erwähnten Kontakthinweis:

  • „Haben Sie Fragen? Dann kontaktieren Sie uns gern.“
  • „Wenn Sie weitere Informationen benötigen, freuen wir uns über Ihren Anruf/Ihre Mail.“
  • „Sie möchten mehr wissen? Wir sind gern für Sie da.“

Immer noch erstaunlich oft lese ich auch Formeln wie die folgende:
 

„Wir hoffen, Ihnen hiermit gedient zu haben, und verbleiben

mit freundlichen Grüßen

XY“

 

Da wird gehofft, gedient und verblieben. Wie anstrengend! Aber wo verbleibt man denn eigentlich mit freundlichen Grüßen? Und wie verbleibt man? Meine rege Fantasie zeigt mir den Diener, der still auf neue Anweisungen seines Herrn Kunden wartet, immer in der (verzweifelten?) Hoffnung, diesen zufriedenzustellen. Ein Bild, das so gar nicht zum heutigen Business-Alltag passen will.  

Im letzten Beispiel ist aber nicht nur die Formulierung aus der Zeit gefallen, sondern auch die Form: Den Abschlusssatz mit der Grußformel zu verschmelzen, gilt mindestens seit den späten 1980er-Jahren als antiquiert. Machen Sie also vor dem Gruß ruhig mal einen Punkt.

Gerade der Abschluss eines Briefes oder einer Mail bleibt in Erinnerung – umso mehr, wenn er sich positiv vom Gewohnten abhebt. Hier bietet sich die Möglichkeit, einen Wiedererkennungswert zu schaffen: Lässt sich aus Ihrem Angebot, Ihrer Dienstleistung oder schlicht dem Namen Ihres Unternehmens vielleicht ein Satz ableiten, den niemand anders mit derselben Passgenauigkeit verwenden könnte? Denken Sie doch mal darüber nach.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen furiose Formulierungen zum Start ins neue Jahr!

 

 
 

Kommentare

Wobei Sätze wie „Haben Sie Fragen? Dann rufen Sie uns an.“ in meinen Augen Sinn machen. Ich kann ja schlecht schreiben: „Haben Sie Fragen? Dann schreiben Sie uns auf keinen Fall eine Mail.“ Stichwort Ping-Pong-Mailwechsel. ;)

Warum nicht den Anschlusssatz mit der Grußformel verschmelzen, wenn es auf intelligent-eigenwillige Weise geschieht? Die Schlaghose ist ja auch zum dritten Mal wieder da und findet Einsatz - jedes Mal aber ein klein wenig anders. Letztendlich geht's ums Doppelgemoppel, ums Ausgelutschtsein von Phrasen, die keine Wirkung mehr erzielen. Meines Erachtens zählt hierzu auch das unsägliche "gefühlt", das seinen Witz-Zenith schon lange überschritten hat.


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Weitere Beiträge dieser Serie.

Aufgepasst: Nach "zufolge" oder "laut" hat der Konjunktiv nichts zu suchen. (c) Thinkstock/Jezperklauzen
Foto: Thinkstock/Jezperklauzen
Lesezeit 2 Min.
Kolumne

Verloren im Konjunk-Tief

PR-Profis haben im Wesentlichen eine Aufgabe: kommunizieren. Das wichtigste Mittel dabei ist naturgemäß die Sprache – doch gerade die deutsche hat so manche Tücken. In unserer neuen Sprachkolumne klärt Lektorin und Bloggerin Juliane Topka über die häufigsten Fehler von Kommunikatoren auf. Folge eins zeigt, was es mit „zufolge“ und „gemäß“ auf sich hat. »weiterlesen
 

Das könnte Sie auch interessieren.

Was wird sich alles mit dem neuen Facebook-Algorithmus ändern? Gar nichts, sagt unser Gastautor. (c) Thinkstock/Deskcube
Foto: Thinkstock/Deskcube
Lesezeit 2 Min.
Kommentar

Panik. Jetzt!?

Facebook verändert seinen Algorithmus. Unternehmenskommunikatoren zwingt das zum Umdenken. Dabei entsteht dadurch sogar eine Chance, meint Bayer-Stratege Christophe Kampa. »weiterlesen
 
Cover: Springer VS
(c) Springer VS
Lesezeit 2 Min.
Rezension

Unterhaltsame Texte über Texte

Wirtschaftskommunikation muss nicht ernst und dröge sein. Ein Buch zeigt, wie es anders geht. »weiterlesen
 
Wahr oder nicht wahr? "Alternative Fakten" gefährden die Glaubwürdigkeit von Informationen. (c) Thinkstock/tsvibrav
Foto: Thinkstock/tsvibrav
Lesezeit 3 Min.
Lesestoff

„Alternative Fakten“ und die Verantwortung der PR

Das Unwort des Jahres 2017 lautet „Alternative Fakten“. Was sagen PR-Profis zu dieser Wahl? Eine Umfrage. »weiterlesen
 
Mehr kluge Gedanken, weniger Show - das tue so mancher Rede gut, meint unser Kolumnist. (c) Thinkstock/09910190
Foto: Thinkstock/09910190
Lesezeit 2 Min.
Kolumne

Lieber Inhalte als ein großes Maul

Spätestens seit Martin Luther wissen wir: Wer überzeugen will, muss selbstsicher auftreten. Doch was ist mit introvertierten Menschen? Der freie Journalist und Redenschreiber Claudius Kroker über leise, aber kluge Töne in der Kommunikation. »weiterlesen
 
Führungskräfte können von der Vernetzung ihrer Mitarbeiter profitieren. (c) Thinkstock/ipopba
Foto: Thinkstock/ipopba
Lesezeit 2 Min.
Gastbeitrag

Sechs Gründe für ein Social Intranet

Wer über die Einführung eines Social Intranets nachdenkt, braucht überzeugende Gründe für die Geschäftsführung. Unser Gastautor bietet eine Argumentationshilfe.
 
Schlecht informierte Journalisten können aus Markensicht großen Schaden anrichten. (c) Thinkstock/bobmadbob
Foto: Thinkstock/bobmadbob
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

Gepflegtes ­Halbwissen

Was tun als Pressesprecher, wenn man auf schlecht informierte Journalisten trifft? »weiterlesen