Kommentar: Lasst Veränderung geschehen! (c) Getty Images/iStockphoto/bizoo_n
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Digitale Disruption

Lasst Veränderung geschehen!

Ob Technologie-, Handels-, Medien- oder Entertainmentbranche – alle sind gleichermaßen von der unglaublichen Veränderungsbeschleunigung betroffen. Augen verschließen? Keine gute Idee, findet Kommentatorin Ulrike Abratis von Otto.
Ulrike Abratis

Digitale Disruption – das Begriffspaar hat das Potenzial, schon bald auf sämtlichen Bullshit-Bingo-Tableaus dieser Welt gelistet zu werden. Denn es ist in aller Munde. Nicht ohne Grund. Die Digitalisierung fegt mit einer Wucht über verschiedene Wirtschaftszweige hinweg, die so nicht einmal Experten vorhergesagt hätten. Ganz gleich, ob Technologie-, Handels-, Medien- oder Entertainmentbranche, alle sind gleichermaßen von der unglaublichen Veränderungsbeschleunigung betroffen. Augen verschließen? Keine gute Idee.

Die Unternehmenslenker müssen ihr Augenmerk auf dieses Phänomen richten. „Digitaler Wirbelsturm“ lautet treffend eine Studie von Cisco. Die Ergebnisse klingen auf den ersten Blick bedrohlich: Knapp die Hälfte der etablierten Unternehmen in den führenden Industrienationen und Schwellenländern müssen davon ausgehen, dass ihr Geschäft innerhalb der kommenden fünf Jahre komplett umgekrempelt wird. Einzelnen Firmen droht gar das endgültige Aus. „Rette sich, wer kann“ möchte man in operativer Hektik rufen. Ganz so einfach ist das allerdings nicht. Denn was sich in den Firmen oftmals von Grund auf verändern muss, ist die Unternehmenskultur.

Erfolgreiche Marktteilnehmer vernetzen sich mit Partnern und Kunden, sie gehen ein unkalkulierbares Risiko in der Anwendungsentwicklung ein, verabschieden hohe Investitionsvolumina ohne eine belastbare Wirtschaftlichkeitsrechnung und geben die Entscheidungshoheit zunehmend in die Hände der Mitarbeiter. Ein absoluter Paradigmenwechsel, waren detaillierte und auf Jahre angelegte Business-Cases für Managemententscheidungen vor einigen Jahren noch unverzichtbar.

Die Industrie 4.0 hat indes nur noch ein Ziel: Kundenbedürfnisse schnell zu erfüllen. Das Produkt- und Serviceangebot revolutioniert sich in immer kürzeren Zyklen. Die CEOs der Traditionsfirmen haben das zumeist längst erkannt, ziehen die richtigen Schlüsse und drängen die eigene Organisation auf die gebotene Veränderung: Seid schnell, geht Risiken ein, agiert vernetzt und agil, seid innovativ – sonst überleben wir nicht! Was sie dabei übersehen: Der reine Appell reicht nicht. Mehr noch: Was gut gemeint ist, kann fatal wirken. Furcht vor dem Unbekannten und Fluchtinstinkt sind allzu menschliche Reaktionen. Als Folge irrt die Organisation kopflos umher. Was droht, ist der Kollaps.

Unnötig, denn noch nie waren die Chancen einer unternehmerischen und kulturellen Neujustierung besser als heute. Die Digitalisierung ist weniger eine Bedrohung, denn vielmehr eine hochspannende Reise in ungekannte Abenteuer. Sie hält immer neue Herausforderungen bereit, an denen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam wachsen können. Gelingt es den Traditionsfirmen, diese Haltung zu transportieren, dann brechen sich die Lust an der Veränderung und der Gestaltungswille von innen heraus Bahn.

Genau dieses Potenzial hat Otto erkannt und einen mutigen Weg eingeschlagen: Die Geschäftsführung hat die Entwicklung einer Unternehmensvision komplett in die Hände ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelegt. Der Mut wurde belohnt. Die rund 4.350 Ottonen haben nicht nur den Anspruch an sich selbst, sondern vor allem auch ein gemeinsames Bild der unternehmerischen Zukunft entwickelt. Sie haben die Reise nicht nur angenommen, sondern navigieren sich im Schulterschluss zu ihrem Reiseziel. Und die pure und feste Überzeugung, dass sie die Route – und damit die Zukunftsgestaltung – in den eigenen Händen halten, versetzt Berge.

 
 


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