Bewegtbild darf in keiner Onlinestrategie mehr fehlen - insbesondere in den sozialen Medien gilt: Je kürzer, desto besser. (c) Thinkstock/Rogotanie
Bewegtbild darf in keiner Onlinestrategie mehr fehlen - insbesondere in den sozialen Medien gilt: Je kürzer, desto besser. (c) Thinkstock/Rogotanie
Onlinekommunikation

Kürzer und schneller - Erklärvideo-Snacks

Bewegtbild darf heute in keiner Onlinestrategie mehr fehlen. Dabei gilt gerade in den sozialen Medien: Je kürzer, desto besser. Das hat Folgen auch für das klassische Erklärvideo. Wie dieses Format als Snack aussieht und was es zu beachten gilt, erklärt Snack-Content-Experte Franz-Josef Baldus.
Franz-Josef Baldus

Seitdem das Unternehmen Common Craft im Jahr 2008 das Legetrick-Video „Twitter in Plain English“ veröffentlicht hat, sind Erklärvideos aus der (Social-) Medienlandschaft nicht mehr wegzudenken.

Das klassische Erklärvideo hat eine durchschnittliche Länge von 90 bis 120 Sekunden, in denen es einfache Antworten auf immer komplexer werdende Fragestellungen liefert. Am häufigsten ist es auf Plattformen wie Youtube, Facebook oder auf der Webseite eines Unternehmens zu finden.

Doch seit einiger Zeit entwickelt sich ein weiterer Trend: ultrakurze Videos auf Instagram.

Erklärvideo-Snacks erobern Instagram

Über 800 Millionen aktive User, davon 15 Millionen alleine in Deutschland, nutzen die Plattform. Über 60 Prozent davon loggen sich täglich ein, teilen dabei über 80 Millionen Fotos und machen Instagram so zum zweiterfolgreichsten sozialen Netzwerk, gleich hinter Facebook.

Was als reine Fotoplattform begann, bietet mittlerweile die Möglichkeit, mit ultrakurzen Videos von drei bis maximal 60 Sekunden Geschichten zu erzählen. Warum die Kürze? Ganz einfach – wer im Netz auf sich aufmerksam machen will, liefert den Usern seine Inhalte möglichst prägnant und kurz.

Und ja, es geht: Durch ultrakurzes und gekonnt eingesetztes Storytelling ist es möglich, auch in unter einer Minute einen komplexen Sachverhalt zu erläutern und zu verbreiten.

Journalistische Medien machen es vor

Wo sind Erklärvideo-Snacks heute schon zu finden? Tatsächlich vor allem dort, wo man es nicht unbedingt erwarten würde: im Journalismus. Denn hier müssen jetzt, bedingt durch schwindende Printauflagen und eine immer professioneller werdende Blogger-Szene, Alternativen gefunden werden, um aktiv Mediennutzer für sich und seine Kernmarken zu begeistern. Ganz vorne mit dabei: die Zeit.

Regelmäßig sind auf dem Instagram-Account der Zeit neben hippen Fotos und journalistischen Video-Snacks auch kreative Mini-Erklärvideos zu sehen. Die Erklärvideo-Snacks sind hier kurze Realbild-Videos, Gifs oder animierte Comics mit prägnanten Informationen rund um das jeweilige Thema. Im folgenden Beispiel werden die Informationen in einem kurzen Text geschildert. Zudem ist das Video mit einer Hintergrundmusik unterlegt – die beim Anschauen aber keine Rolle spielt.

 

Aber auch klassische Fernsehmedien sind auf den Snack-Zug aufgesprungen. So zum Beispiel die Tagesschau. User finden hier mehrmals täglich Kurzvideos in Form von Motion-Graphic-Animationen, textunterlegten Foto-Animationen, Nachrichtenkurzvideos und Fotos. Das folgende Beispiel stammt aus der Serie #kurzerklärt und veranschaulicht das Thema "Minderheitsregierung" mithilfe von animierten Grafiken. Auch hier gibt es eine Hintergrundmusik, aber keine Stimme.

 

Fernsehmedien und Snack-Content? Das ist nicht selbstverständlich. Noch findet sich auf den Instagram-Kanälen des ZDF und WDR, deren Kernkompetenz ja eigentlich ganz klar Bewegtbild ist, vor allem das „normale“ Foto. Wechseln wir aber zum Instagram-Mutterkonzern Facebook und schauen uns die Beiträge von Quarks, einem Wissenschaftsformat des WDR, an, ist festzustellen, dass der Sender durchaus schon erfolgreich kurze Erklärvideos einsetzt:

Erklärvideo-Snacks von Unternehmen und Marken

Auch einige Marken und Unternehmen haben die Erklärvideo-Snacks auf Instagram bereits für sich entdeckt. Die Volksbanken und Raiffeisenbanken zum Beispiel erklären in ihrem Video-Snack zum Thema „Spargewinner und -verlierer in der Niedrigzinsphase“, wie Erspartes am sinnvollsten angelegt werden kann:

 

Ein Beitrag geteilt von FJBaldus (@koelnkomm) am

 

Auf dem Instagram-Kanal von T-Mobile Austria lassen sich eine ganze Menge sehr interessante Kurzvideos finden, die gut animiert und alles andere als langweilig Daten und Fakten zu Alltagssituationen illustrieren. Und dass es nicht immer ein aufwendiges Video sein muss, zeigt dieses Beispiel:

 

Geschichten aus dem Fitnessstudio. Teile dieses Phänomen, wenn du es kennst. #FamilyBytes

Ein Beitrag geteilt von T-Mobile Austria (@tmobileat) am

 

Die Multimedia-Unterhaltungsplattform Mashable veröffentlicht auf ihrem Account regelmäßig Erklärvideo-Snacks, in denen kurz und knackig Fragen beantwortet oder Tipps gegeben werden.

 

This is how daylight saving time began.

Ein Beitrag geteilt von Mashable (@mashable) am

Fazit                                                                                                                                               

Die Erklärvideo-Snacks machen Appetit auf mehr: Sie erläutern in kurzer Zeit einen komplexen Sachverhalt, präsentieren Fakten und machen die User neugierig. Die Folge: Sie sind motiviert, sich mehr mit einer Marke auseinanderzusetzen.

Erklärvideo-Snacks eignen sich, anders als das klassische Erklärvideo, weniger für Youtube, dafür aber umso mehr für Instagram, Twitter und auch Facebook, wo Videos zumindest vor dem Anklicken in Endlosschleife laufen.

Natürlich ist dieses Format eine Herausforderung für das Storytelling, vor der sich aber niemand scheuen sollte: Denn Postings mit Videos ziehen heute im Netz die meiste Aufmerksamkeit auf sich. Zudem werden Videos von Suchmaschinen gut gerankt und vor allem von Smartphone-Nutzern nebenbei konsumiert. Erklärvideo-Snacks können die Reichweite also enorm steigern.

Drei Tipps für die Praxis

Wenn Sie nun selbst loslegen möchten, dann sollten Sie drei essenzielle Empfehlungen berücksichtigen:

Format
Am besten 1:1, denn das quadratische Format nutzt die von Instagram zur Verfügung gestellte Fläche in Breite und Höhe optimal aus.

Storytelling
Storytelling beim Erklärvideo-Snack bedeutet, ein präzises pädagogisches Konzept zu entwickeln, das leicht verständlich direkt auf den Punkt kommt.

Audio
Machen Sie sich unabhängig von Audio, denn das Anschauen eines Videos auf dem Smartphone geschieht zu 85 Prozent ohne Ton. Konkret heißt das: Arbeiten Sie ohne Sprecher. Entwickeln Sie das pädagogische Konzept so, dass ins Video eingebaute Headlines und Sublines den Erklär-Part übernehmen.

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Dass Betonzusätze nachhaltig sein können, zeigt BASF mit einer Microsite auf. (c) Screenshot
Foto: Screenshot
Lesezeit 2 Min.
Fragebogen

Nachhaltigkeit muss nicht grün sein

Mit dem Deutschen Preis für Onlinekommunikation wurden herausragende Projekte und Kampagnen ausgezeichnet. In dieser Serie stellen Preisträger verschiedener Kategorien ihre Konzepte vor. Die beste Microsite kommt von BASF. »weiterlesen
 
Wenn Vorstände Klartext reden, kommt das nicht immer gut an. (c) Getty Images/Tom Kelley Archive
Foto: Getty Images/Tom Kelley Archive
Lesezeit 5 Min.
Lesestoff

Wie effektiv sind Brandbriefe?

Ob Deutsche Bahn, Continental oder Bilfinger: In Krisenzeiten verfassen Vorstände gelegentlich Brandbriefe an ihre Führungskräfte oder die Mitarbeiter. Obwohl – oder gerade weil – solche gedruckten Ruck-Reden an die Öffentlichkeit gelangen, werden sie als geeignetes Mittel der Krisenkommunikation angesehen. Zu Recht? »weiterlesen
 
Inspirierend und Social-Media-tauglich – diese Merkmale zeichnen das PR-Foto des Jahres aus. (c) Anton Bass
Foto: Anton Bass
Lesezeit 1 Min.
Kommentar

Pfiffige Text-Bild-Kongruenz

Warum „Dream Big“ ein im Wortsinne herausragendes PR-Bild ist. »weiterlesen
 
Mit einem Mix aus internen und externen Kommunikationsmaßnahmen stärkte die Johannesbad-Gruppe das Gemeinschaftsgefühl des Familienunternehmens in den Mittelpunkt. (c) Getty Images/momnoi
Foto: Getty Images/momnoi
Lesezeit 3 Min.
Fragebogen

Das Wir-Gefühl von innen nach außen tragen

Mit dem Deutschen Preis für Onlinekommunikation wurden herausragende Projekte und Kampagnen ausgezeichnet. In dieser Serie stellen Preisträger verschiedener Kategorien ihre Konzepte vor. Die Johannesbad-Gruppe überzeugte mit einem stimmigen Wir-Gefühl. »weiterlesen
 
Die C-Level-Ebene müsse Social-Media-Kommunikation künftig beherrschen, meint Linkedin-Kommunikationschefin Gudrun Herrmann. (c) Simon Koy
Foto: Simon Koy
Lesezeit 3 Min.
Interview

„Wir befinden uns in einer Zeit des Umbruchs“

Immer mehr Führungskräfte positionieren sich über soziale Plattformen. Gudrun Herrmann, Leiterin der DACH-Kommunikation bei Linkedin, erklärt, warum es hilft, wenn die Unternehmenskommunikation dabei Kontrolle abgibt, und weshalb nicht nur die oberste Führungsriege kommunizieren sollte.  »weiterlesen
 
Blockchain-Unternehmen müssen heute die Relevanz ihrer Produkte und Lösungen darlegen. (c) Getty Images/Malte Mueller
Bild: Getty Images/Malte Mueller
Lesezeit 4 Min.
Ratgeber

Der Hype ist vorbei. Und jetzt?

Start-ups und etablierte Unternehmen, die Blockchain-basiert arbeiten, müssen die Relevanz ihrer Vorhaben nun auch über die Tech-Community hinaus der breiten Masse gegenüber belegen. Was es in Sachen Blockchain-PR Grundlegendes zu beachten gilt, erklärt Gastautor Tobias Körner. »weiterlesen