Das Ehepaar Ursula Amenda und Stephan Brovot auf dem dpok. (c) Laurin Schmid
Das Ehepaar Ursula Amenda und Stephan Brovot auf dem dpok. (c) Laurin Schmid
dpok-Preisträger

Kreatives Recruiting: Auf der Suche nach dem passenden Bürgermeister

Für die Recruiting-Kampagne "Wiehl sucht Bürgi" wurde eine kleine Agentur aus Nordrhein-Westfalen mit dem Deutschen Preis für Onlinekommunikation ausgezeichnet. Zusammen mit drei Parteien hatte sie via Online-Video nach einem neuen Kandidaten für das höchste Amt der Stadt gesucht.
Anne Hünninghaus

Eine kleine nordrhein-westfälische Stadt verabschiedet dieses Jahr im Herbst nach knapp 35 Jahren ihren Bürgermeister in die Pension. Um einen würdigen Nachfolger zu finden, schließen sich CDU, SPD und FDP kurzerhand zusammen und beauftragen die Agentur Huettekamp Film & Sound, die aus den Eheleuten Ursula Amenda und Stephan Brovot besteht, mit einer Recruiting-Kampagne. Das Ergebnis ist dieser – für die Suche nach einem Beamten eher ungewöhnliche – Film:

 

Frau Amenda, wie kam es zu diesem Auftrag?

Ursula Amenda: Die Parteien sind auf uns zugekommen und wir fanden die Idee sensationell, dass CDU, SPD und FDP gemeinsam einen Bürgermeister suchen. Sie wollten jemanden finden, der – so wie der bisherige Bürgermeister der Stadt – wirklich für die Bürger da ist. Nach fast 35 Jahren im Amt und großer Beliebtheit war es schwer, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Das Parteibuch war erstaunlicherweise niemandem der Beteiligten wichtig.

Und dann kam „Bürgi“ ins Spiel …

Auch die Idee, Video-Scribing zu machen, ist gemeinsam entstanden. Wir haben „Bürgi“ als Unisex-Figur geschaffen, um nicht immer beide Geschlechterformen einbinden zu müssen. Das ist von den Parteien anfänglich teils eher skeptisch beurteilt worden, sie hatten die Befürchtung, das könnte zu flapsig klingen. Als sie dann aber die ersten 40 Sekunden gesehen haben, hatten wir ihre absolute Zustimmung.

Sollten mit dem Film insbesondere Kandidaten gefunden werden, die etwas jünger und unkonventioneller sind?

Nicht unbedingt jung – wir wollten alle damit ansprechen. Es ging mehr darum, jemanden zu finden, der nicht dem Bild eines typischen Beamten entspricht, jemand der den Menschen nahe ist.

Inzwischen haben Sie mit Hilfe des Videos einen Bürgermeisterkandidaten gefunden.

Ja. Ich habe bisher  noch nicht persönlich mit ihm gesprochen, aber meines Wissens ist er parteilos – und er war begeistert von unserem Film (lacht).

Als die Kampagne anlief haben Sie, vor allem von den lokalen Medien, Gegenwind bekommen. Der Vorwurf war meist, die Ansprache sei zu albern, würde der Rolle des Gesuchten nicht gerecht. Wie haben Sie das aufgenommen?

Wir fanden es gut, dass kontrovers darüber gesprochen wurde. Auf diesem Weg konnten wir eine große Aufmerksamkeit erzielen. Unser Ansinnen war, bekannt zu machen, dass ein neuer Bürgermeister gesucht wird und das ist uns definitiv gelungen.

Offensichtlich – ein Kandidat wurde gefunden und Sie haben heute hier in Berlin den Preis für die beste Recruiting-Kampagne gewonnen.

Über den Preis freuen wir uns riesig! Wir kommen aus einer kleinen Stadt, unsere Agentur besteht nur aus meinem Mann und mir. Dass wir uns jetzt gegen große Unternehmen durchsetzen konnten, ist Wahnsinn. Der Preis bekommt einen Ehrenplatz in unserem Studio.

Weiß der Bürgermeister in spe denn schon Bescheid?

Noch nicht. Aber unsere Auftraggeber, die drei Parteien – auch sie haben sich riesig gefreut.

 
 

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