Korrekturen in Pressemitteilungen? #Fail (c) Getty Images/iStockphoto/wildpixel
Korrekturen in Pressemitteilungen? #Fail (c) Getty Images/iStockphoto/wildpixel
sprecherspitze

Korrekturen in Pressemitteilungen? #Fail

Ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit häufen sich die Mails mit der Betreffzeile „KORREKTUR“ von Unternehmen und Agenturen. Unsere sprecherspitze zu vergurkten Pressemitteilungen
Hilkka Zebothsen

Da war dieser Typ. Große Liebe. Von beiden Seiten in Tat und Wort. Kompliziert. Natürlich. Am Tag nach dem gegenseitigen Liebesgeständnis nahm er sich eine Depression. Man schickte tröstliche Hühnersuppe und Fußmassagen in Gedanken. Und er eine Whatsapp-Nachricht: „Vielleicht melde ich mich mal wieder. Es tut mir sehr leid.“ WTF?

Cliffhanger ohne Cliff produzieren erstaunlicherweise gerade in der Vorweihnachtszeit (Wünsche erfüllen?!?) auch so manche Unternehmen und Agenturen: Die Mails mit dem Betreff „KORREKTUR“ häufen sich.

Könige der Doppelbotschaften all überall

Da werden Produktneuheiten angekündigt, und über allem steht in fett und rot eine Sperrfrist. Die kurz (!) vor ihrem Verstreichen doch nochmal verlängert wird. Was einige nicht rechtzeitig lesen, so dass die im CMS automatisch getimte News schon in den SEO-Ergebnissen wirksam wird, egal, wie schnell die Meldung händisch wieder vom Schirm verschwindet. Das ist wie der andere Typ, der Dich zum Essen einlädt, und dem kurzfristig was dazwischen kommt. Beim nächsten Date bringst Du vorsichtshalber eine Freundin mit, um nicht wieder allein vor dem Verständnis-heuchelnden Ober zu seufzen.

Da werden Mega-Blockbuster für die muckeligen Weihnachtsfeiertage angekündigt – ganz unten in klein gedruckt mit einem Ausstrahlungstermin… von vor zwei Jahren. Düdumm. Das ist wie der eine Typ, der bei seiner Süßen wochenlang das ultimative Geschenk zum Feste anmoderiert, um die Vorfreude so zu steigern, dass die Beschenkte schon gar nicht mehr enttäuscht sein darf. Er freut sich so auf ihr Gesicht, sicher wird sie schier ausflippen und ihm huldigen als dem besten Präsentepräsenter aller Zeiten. Und der ihr die oscarreife Darbietung abnimmt, dass sie sich wirklich freut über exakt dasselbe Geschenk wie im Vorjahr, nur in einer anderen Farbe. Wirklich, dochdoch.

Besonders schön: Die PM einer Firma, aus der der geneigte Leser nicht nur von der Existenz einer Studie erfuhr mit dem Titel „Die Tüte in der modernen Kommunikationspolitik – psychologische Handlungsoptionen für Entscheidungsträger“ sondern in der eine Produktneuheit ankündigte wurde samt vier großvolumigen Bildanhängen – und falsch geschriebenem Firmennamen. Bye-bye, Budget.

Wir müssen an dieser Stelle nicht diskutieren über Finetuning. Professionalität. Wertschätzung. Respekt. Beziehungen ähneln sich in ihren Mechanismen. Und Zielgruppen funktionieren im Privaten wie im Job nach denselben Mechanismen.

Vielleicht melde ich mich mal wieder? Was glauben Sie?

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Gabriela Straka auf dem Kommunikationskongress 2017 (c) Laurin Schmid
Foto: Laurin Schmid
Lesezeit 2 Min.
Interview

Wie kommunizieren Sie Verantwortung, Frau Straka?

Bier hat eine 6.000 Jahre alte Tradition und ist ein sehr emotionales Thema. Die Kommunikationschefin des Österreichischen Brauereiunternehmens Brau Union, Gabriela Maria Straka, über Vorurteile und sensible Kommunikation über Bier. »weiterlesen
 
Frank Mastiaux auf dem Kommunikationskongress (c) Jana Legler
Foto: Jana Legler
Lesezeit 2 Min.
Bericht

Frank Mastiaux über den Fluch der leeren Flure

Die erste Keynote auf dem diesjährigen Kommunikationskongress hielt EnBW-CEO Frank Mastiaux. Er hatte 2012 die große Aufgabe, das am Boden liegende Image des Energieversorgers zu retten. »weiterlesen
 
Machen Journalisten Fehler, leidet die Glaubwürdigkeit von Medien. (c) Thinkstock/Panya_sealim
Foto: Thinkstock/Panya_sealim
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Auch Redakteure machen Fehler

Was ist schlimmer als falsche Rechtschreibung? Genau – fehlerhafter Inhalt. Unser Kolumnist Claudius Kroker über schwache Momente von Medienprofis. »weiterlesen
 
Die Dinge nehmen immer mehr an der Kommunikation teil - einesTages werden sie vielleicht selbst zu Storytellern. (c) Thinkstock/Kirillm
Foto: Thinkstock/Kirillm
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

Wie das Internet der Dinge Kommunikation verändert

Bots, selbstfahrende Autos, Smart Homes – die Dinge nehmen an der Kommunikation teil und werden dabei nicht nur selbst zum Medium, sondern möglicherweise sogar eines Tages Storyteller. Denkanstöße über die künftige Form von Content und Kommunikation gibt Michael Schmidtke, Director Digital Communications bei Bosch. »weiterlesen
 
Der Faktor Glaubwürdigkeit ist so wichtig wie nie. (c) Thinkstock/BrianAJackson
Foto: Thinkstock/BrianAJackson
Lesezeit 2 Min.
Studie

Wie PR-Profis bei Journalisten punkten

Die Pressemitteilung ist nicht tot: Noch immer stellt sie eine der wichtigsten Informationsquellen für Journalisten dar, wie eine aktuelle Studie zeigt. Doch auf Qualität kommt es an. Und auf Glaubwürdigkeit – hier zahlen sich persönliche Beziehungen aus. »weiterlesen
 
Mit einem Weltrekord Schlagzeilen machen? Jaguar hat das mit einem spekakulären Stunt geschafft. (c) Nick Dimbleby
Foto: Nick Dimbleby
Lesezeit 4 Min.
Gastbeitrag

Marken, die Rekorde brechen

Gutes Storytelling lebt von inspirierenden Inhalten. Und was könnte inspirierender sein als ein Weltrekord? Über gelungene Beispiele und warum auch ein gescheiterter Versuch ein Gewinn sein kann, berichtet unsere Gastautorin. »weiterlesen