(c) Jana Legler/Quadriga Media Berlin
(c) Jana Legler/Quadriga Media Berlin
Keynote Marion Weissenberg-Eibl

„Innovation wird aus Mut gemacht“

In der Eröffnungskeynote auf dem Kommunikationskongress 2018 kam statt einer Kommunikatorin eine Ingenieurin zu Wort. Innovationsexpertin Marion Weissenberger-Eibl betont die Rolle professioneller Kommunikatoren in Entwicklungsprozessen und appelliert an den Berufsstand, diese mutig einzufordern.
Anne Hünninghaus

Sollten wir Tüftler-Garagen subventionieren? Immerhin gelten diese im Silicon Valley als Brutstätten innovativer Ideen. Mit diesem Einfall startete Marion Weissenberger-Eibl, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung und Spitzeningenieurin, in ihre Keynote auf dem Kommunikationskongress. Das sei natürlich nicht nötig, sagte die Karlsruher Professorin gleich darauf. Trotzdem gehöre der Tischkicker in vielen Start-ups nicht umsonst zum Standard-Mobiliar. Denn er vermöge Menschen unterschiedlicher Disziplinen zusammenzubringen, die sich auf fachlicher Ebene – leider – viel zu selten begegneten.

Große Herausforderungen lassen sich nur vernetzt bewältigen

Und diese Begegnungen sind dringend notwendig, das betonte die Rednerin immer wieder. Die großen Herausforderungen, wie der Klimawandel und die demografische Entwicklung, seien zu komplex für etablierte Lösungen. Entwickler müssen mutig sein, um sich auf unbekanntes Terrain zu begeben. Und zwar nicht, so die leise Kritik, um Innovationen wie fußballspielende Roboter hervorzubringen, sondern um sich den Problemen unserer Umwelt und Gesellschaft zu widmen. Weissenberger-Eibl nannte das Beispiel Pflege. Um einen Hightech-Rollator zu entwickeln, müssten sich Experten auf dem Feld der Künstlichen Intelligenz mit solchen aus dem Bereich Pflege vernetzen. Es erfordere Mut, sich mit Menschen auszutauschen, die eine andere Perspektive einnehmen, dazu Experimentierfreude, Begeisterung, Risikobereitschaft.

„Fortschritt setzt Kommunikation voraus“

Und genau an diesem Punkt kommt der Kommunikator ins Spiel: „Fortschritt setzt Kommunikation voraus.“ Sie sei der Ausgangspunkt. Bevor Unternehmen innovativ sein können, müssten sie in den Dialog treten, mit der Forschung, Start-ups, Kunden, Praktikern. Professionelle Kommunikatoren sind gefragt, um Barrieren zu überwinden, Interaktionen zu schaffen, so der Appell der Speakerin: „Nehmen Sie sich als Teil des Innovationsprozesses wahr! Ich sehe Sie als Pioniere und Analysten. Fordern Sie Ihren Platz im Innovationsteam ein. Sie werden gebraucht – denn es wird Kommunikationsprobleme geben, wenn Menschen unterschiedlicher Fachgebiete miteinander arbeiten. Ermitteln Sie den Status quo, finden Sie heraus, was benötigt wird, erörtern Sie, wie ein Weg zum Ziel aussehen kann.“

Bei aller Erleichterung, die neue KI-Tools wie Amazons Alexa in der Kommunikation böten, gelte: „Psychosoziale Kompetenzen sind in der Arbeitswelt gefragter denn je. Die Fähigkeit zur Empathie, zum Querdenken, neue Ideen zu entwickeln – davon ist künstliche Intelligenz noch weit entfernt“, schloss die Ingenieurin. Was deren Entstehen befeuert? „Mutige Kommunikation am technologischen Puls der Zeit“.


Lesen Sie mehr Berichte und Interviews vom Kommunikationskongress 2018 in unserem Dossier (hier klicken).
 
 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Screenshot: Quadriga Media Berlin
Screenshot: Quadriga Media Berlin
Lesezeit 1 Min.
Video

„Die gleichen Themen wie vor zehn Jahren“

Vivian Pein vom Berufsverband für Community- und Social-Media-Manager sprach mit uns über Herausforderungen und Trends in der Kommunikation.  Außerdem hatte sie einige Tipps für PR-Einsteiger parat. »weiterlesen
 
Es ist die bittere Wahrheit: Nur Kommunikatoren mögen das U, Schlachtrufe und Querbeetvernetzung mit suspekten Spezies aus Nachbarbüros. (c) Getty Images/AptTone
Foto: Getty Images/AptTone
Lesezeit 2 Min.
Glosse

In U-Haft genommen

Mal ehrlich: Die U-Form mochten doch schon in Schulzeiten nur die Kommunikativen. Alle anderen saßen und sitzen lieber in der hinteren Reihe. Unsere sprecherspitze. »weiterlesen
 
Gerald Dino Wolff (Bild l.) arbeitet als geschäftsführender Gesellschafter und Partner bei der Münchner PR-Agentur Harvard Engage Communications. (c) Axel Rubbel, Jo Röttgers Graffiti / Collage: Quadriga Media Berlin
Foto: Axel Rubbel, Jo Röttgers Graffiti / Collage: Quadriga Media Berlin
Lesezeit 2 Min.
Interview

„Ich will es mir noch einmal selbst beweisen“

Nicht jeder, der das Rentenalter erreicht hat, möchte aufhören zu arbeiten. Im zweiten Teil erzählt Gerald Dino Wolf, warum er immer noch Spaß an der Arbeit hat.  »weiterlesen
 
Diese Medien gewannen einen „EWA Award“ 2018. (c) IIK/Kämpfer
Foto: IIK/Kämper.
Lesezeit 1 Min.
Meldung

EWA Award 2018: Mitarbeitermagazine ausgezeichnet

In Hamburg sind die besten internen Medien gekürt worden. »weiterlesen
 
Zeitmangel ist die größte Hürde auf dem Weg zum datengetriebenen Unternehmen. (c) Getty Images / tampatra
Foto: Getty Images / tampatra
Lesezeit 1 Min.
Studie

Big Data: Zeitmangel ist die größte Hürde

Nur eines von fünf Unternehmen verfolgt bei der Nutzung von Big Data einen strategischen Ansatz, wie eine aktuelle Studie zeigt. Ein Grund dafür: der Zeitaufwand. »weiterlesen
 
Andere zum Lachen zu bringen, kann harte Arbeit sein. (c) Getty Images/LagunaticPhoto
Foto: Getty Images/LagunaticPhoto
Lesezeit 5 Min.
Gastbeitrag

Wie Humor als Handwerk funktioniert

Was haben Harald Schmidt und die „Sesamstraße“, „Sexy Sport Clips“ und die Bundeswehr gemeinsam? Sie alle kauften Humor ein. Einblicke eines Insiders. »weiterlesen