Sollte man als Kommunikator niemals vergessen: den Empfänger. (c) Getty Images/artisteer
Sollte man als Kommunikator niemals vergessen: den Empfänger. (c) Getty Images/artisteer
Kolumne

Kommunikation ist keine Einbahnstraße

Die Trumps und Seehofers dieser Welt reden und reden. Ob ihnen überhaupt in den Sinn kommt, dass sie oft ins Leere schießen? Kolumnist Claudius Kroker über die Grundregeln der Kommunikation – plus Erfolgsrezept.
Claudius Kroker

Wenn ich die Headline über diesem Text lese, kommt mir eine Kommilitonin aus meiner Studienzeit in den Sinn. Bei ihr war Kommunikation wirklich eine Einbahnstraße. Es war nahezu unmöglich, gegen das Fahrwasser ihrer Worte anzukommen. Man wurde „buchstäblich“ (und das echt mal im Wortsinn) hinweggespült.

Bei manchen Kommunikatoren von heute hat man einen ähnlichen Eindruck. Sie reden und reden und merken gar nicht, dass ihre Worte niemand mehr aufnehmen kann. Die Obergrenzen, Leuchtturm-Projekte und sachgrundlosen Befristungen, die Grenzkontrollen, Strafzölle und „Feinde der USA“ haben sich totgelaufen. Niemand mag mehr hören, was die Trumps und Seehofers dieser Welt grund- und hirnlos in die Mikros plätschern lassen. Reden um des Redens willen. Wer einen Funken Anstand vor dem Wert anspruchsvoller zwischenmenschlicher Kommunikation besitzt, müsste solche kommunikativen „Bulldozer“ (die „Tagesschau“ über Donald Trump) und „Dschungelstars“ (der Tagesspiegel über Horst Seehofer) aus dem Amt jagen.

Der Autor und frühere Verleger Michael Krüger schrieb einmal, die „sprunghafte Vermehrung der Medien“ habe „zu einem sagenhaften Anstieg der Geschwätzigkeit geführt“. Jeder Sportler, jeder Banker – und man muss hier ergänzen: jedes politische Alpha-Tierchen – sei dazu verpflichtet zu sagen, was ihm gerade durch den Kopf gehe. „Wenn es nicht viel ist, bekommt er die doppelte Sendezeit, damit es nicht auffällt.“

Die gleiche Art solcherlei kommunikativer Einbahnstraße – aber mit gegenteiliger Wirkung – finden wir hier und da in der Unternehmenskommunikation. Intern wie extern. Da gibt es die Kommunikatoren, die vieles sagen, ohne zu prüfen, ob das Gesagte auch ankommt. Deren Sätze sorgen eher für Einschlafen denn für Aufregung. Die von der Deutschen Post irgendwann einmal eingeführte Sendungs-Nachverfolgung wäre hier eine gute Idee. Sprechen, dann auf eine Taste klicken und sich anzeigen lassen: „Botschaft ist angekommen“ oder „Botschaft ist nicht angekommen“. Es gibt aber einen einfacheren Weg: Einfach mal dem Gesprächspartner ins Gesicht schauen. Da merkt man ganz schnell, ob der noch bei der Sache ist oder sich schon in den Dämmerschlaf eingelullter Rezipienten zurückgezogen hat.

Sprechen und Zuhören, Senden und Empfangen

Der frühere Handelsblatt-Chef Gabor Steingart schrieb einmal über den Unternehmensberater Roland Berger, man könne ihn „als Kanzlerberater loben, als Multimillionär beneiden und als Mäzen im Kultur- und Geistesleben der Republik würdigen“. Im Kern sei Berger aber vor allem ein Mann der „Kommunikation in ihrer ursprünglichen Bedeutung: Er spricht und hört zu. Er sendet und empfängt. Er nimmt und er gibt zurück.“

Hier drückt sich das Grundprinzip und Erfolgsrezept von Kommunikation in all ihren Facetten aus. Egal ob Pressemitteilung, Rede, Beitrag in der Kundenzeitung oder im Mandantenmagazin: Immer geht es darum, dass wir als Kommunikatoren uns auch vergewissern, ob die Botschaft beim Empfänger ankommt. Das klassische Kommunikationsmodell hat zwei Seiten: Sender und Empfänger. Horst Seehofer war bei seinen Ausreißern der vergangenen Wochen der Empfänger sicherlich egal. Es gab nur einen Sender. Wie ein verzogener Balg, der in seinem Sandkasten hockt und unbedingt noch eine vierte Schippe haben will. Und eine fünfte noch dazu …

Wer eine Rede am Auditorium vorbei hält – weil Inhalte, Aussagen, Redestil, Redelänge oder Gesamtauftritt nicht zum Publikum und zum Anlass passen –, kommuniziert ins Leere. Wer Pressemitteilungen über Belangloses schreibt, wirklich Neues in der Fußnote versteckt oder Pressearbeit als Wettbewerb nach dem Motto „Wer schießt am häufigsten“ missversteht, kommuniziert am Bedarf und am medialen Interesse vorbei. Auch ins Leere. Der Schuss geht nicht nur nach hinten los, er geht vor allem in den Ofen.

Erfolgsrezept von Kommunikation: Inhalt und Form

Das Gegengift lässt sich aus zwei Komponenten mixen: Punkt und Story. Wichtig ist es, Punkte zu setzen („Frage jedes Komma, ob es nicht lieber ein Punkt gewesen wäre“) und auf den Punkt zu kommen. Der frühere deutsche „Literaturpapst“ Marcel Reich-Ranicki sagte einmal über einen Roman, die Geschichte finde er durchaus interessant, „aber ich verstehe nicht, warum ich dafür 400 Seiten lesen muss“. Auf den Punkt zu kommen, heißt Story, News und Botschaften in einen Rahmen zu packen, in dem sie gut erfassbar und verständlich sind.

Umgekehrt brauche ich die Story, um den Text zu füllen. Wer den Menschen nichts zu erzählen hat, dem hört irgendwann niemand mehr zu. Das Publikum ermüdet. Solcherlei Kommunikation bleibt wirkungslos – oder wird im Gegenteil sehr gefährlich. Spätestens wenn die kommunikativen „Dschungelstars“ und „Bulldozer“ der Weltpolitik weiter so reden und danach agieren. Da hilft ermüden nicht – wir müssen wachsam sein!

 

 
 

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