Bestimmte Techniken helfen, die ­ureigene Kreativität zu entfesseln. (c) Thinkstock/littlehenrabi
Bestimmte Techniken helfen, die ­ureigene Kreativität zu entfesseln. (c) Thinkstock/littlehenrabi
Kreativitätstechniken

Kleine Helfer für große Ideen

PRler leben von ihren guten Einfällen. Doch wie kommt man am ehesten auf Ideen? Rund 350 Kreativitätstechniken versprechen Abhilfe. Eine subjektive Auswahl.
Jeanne Wellnitz

Viele Kommunikatoren lassen sich auf der ­Suche nach guten Ideen von Fallbeispielen inspirieren, sprechen mit Mentoren oder studieren Ziel­gruppen-Insights. Doch was kommt nach dieser Recherche? Oft erst einmal nichts. Blackout. Nun können gewisse Techniken helfen, die ­ureigene Kreativität zu entfesseln. Sie bringen neue Anregungen, ­lockern ­Blockaden und sind Denk­hilfen in der Ideenfindungsphase.

Group ­Brainstorming

Als weitverbreitete Technik hat sich das Group Brainstorming etabliert. Und das, obwohl diese Methode längst als ineffizient entlarvt wurde. Sie geht auf den Autor Alex Osborn zurück. Heutzutage ist schnell gesagt: „Lasst uns brainstormen.“ Gemeint ist dann häufig die klassische Besprechung, in der man sich in der Gruppe systematisch Gedanken macht. Brainstorming beruht jedoch auf den Regeln, spontan möglichst viele Begriffe oder Ideen zu sammeln – ohne sie zu bewerten. Ein neutraler Moderator schreibt die Begriffe auf.                 

Kritiker mahnen, dass das Äußern einer Idee die anderen beeinflusse, sie dadurch in eine bestimmte Richtung lenken würde.

Alternativ könne man auch die modifizierte Form des Brainwriting ausprobieren. Hier kann jeder seine Ideen sammeln und sie werden danach anonym auf den Tisch gelegt und besprochen. Die Technik eignet sich vor allem als Einstieg, um einen Eindruck vom Thema oder Problem zu bekommen.

Walt-Disney-­Methode

Die Methode orientiert sich an der Arbeitsweise des Filmproduzenten Walt Disney und wurde vom NLP-Berater Robert Dilts entwickelt. Sie basiert auf einem Rollenspiel, in dem ein Problem aus drei Blickwinkeln betrachtet wird: dem des Träumers, des Realisten und des Kritikers. Diese Rollen lassen sich gut durch drei Stühle symbolisieren. Die Personen nehmen ihre jeweiligen Rollen ein, diskutieren, wechseln die Rollen, diskutieren erneut. Der Träumer ist enthusiastisch, alles ist für ihn möglich. Der Realist prüft die Umsetzbarkeit, der Kritiker fordert heraus, fragt, was verbessert werden muss. Mit dieser Technik können festgefahrene Denkstrukturen aufgebrochen werden.

Der Kognitionswissenschaftler Edward de Bono hat die Methode weiterentwickelt. Seine Sechs-Hüte-Methode eignet sich für komplexere Aufgabenstellungen und zur Optimierung von bereits erarbeiteten Lösungen. Den Teilnehmern wird entsprechend ihrer Rolle, in der sie denken und diskutieren sollen, ein Hut aufgesetzt. Sie tragen ihn jeweils gleichzeitig. Die Hüte stehen für analytisches, emotionales, kritisches, optimistisches, assoziatives und ordnendes Denken.

Flip-Flop-­Methode

Diese Technik lässt sich auch allein gut anwenden, um äußerst schnell neue Denkimpulse zu erhalten. Man kehrt die Aufgabenstellung in das absolute Gegenteil um. Muss beispielsweise ein kreativer Blogbeitrag her, lautet die Aufgabe: Schreiben Sie den langweiligsten Beitrag aller Zeiten, den nie jemand lesen wird. Notieren Sie sämtliche Gedanken dazu. Diese werden gruppiert, ins positive Gegenteil verkehrt und dann übertroffen. Ein Beispiel: endlose Sätze → kurze Sätze → direkte, persönliche Sätze.

Denkwelten wechseln

Generell ist es hilfreich, die Perspektive zu wechseln, wie den Akteur auszutauschen à la „Was würde Greenpeace tun?“ Oder das Hauptproblem zu nivellieren: „Was würden wir machen, wenn wir 500.000 Euro Budget hätten?“ Danach ließe sich überlegen, was die kleine Schwester der besten Idee wäre.

 

 
 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 

CAPTCHA

This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.



randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Studenten der Hochschule Darmstadt wollen das angestaubte Thema "Grundgesetz" frisch und inspirierend vermitteln. (c) Getty Images/rclassenlayouts / Hochschule Darmstadt
Foto: Getty Images/rclassenlayouts / Hochschule Darmstadt
Lesezeit 1 Min.
Meldung

Studenten feiern Grundgesetz mit Online-Kampagne

Das Grundgesetz wird 70: Anlass genug für einige Darmstädter Studenten, sich zu überlegen, wie sich das Thema im Jahr 2019 etwas frischer verpacken lässt. »weiterlesen
 
Unternehmen vertrauen in den sozialen Medien immer häufiger auf Mitarbeiter als Corporate Influencer. (c) Getty Images / bigtunaonline
Foto: Getty Images / bigtunaonline
Lesezeit 5 Min.
Gastbeitrag

Wie Corporate Influencer wirken – und wie nicht

Unternehmen vertrauen in Sozialen Medien immer häufiger auf die eigenen Mitarbeiter als „Corporate Influencer“. Das setzt bei denen ein hohes Maß an Eigenverantwortung voraus. Wie viel Kontrolle sind Kommunikationsabteilungen bereit abzugeben – und wo ziehen sie Grenzen? »weiterlesen
 
Die FDP nimmt mit ihrem Wahlvideo Influencer auf die Schippe und erntet damit reichlich Spott. (c) FDP / Screenshot
Foto: FDP / Screenshot
Lesezeit 2 Min.
Meldung

Influencer-Parodie der FDP geht nach hinten los

Zur anstehenden Europawahl wollte die FDP mit einem humorvollen Video vor allem bei jungen Wählern für die Briefwahl werben. Dieser Schuss ging gehörig nach hinten los. »weiterlesen
 
"Jeder Mensch hat die freie Wahl, zu entscheiden, wie er kommuniziert." (c) Getty Images / boonchai wedmakawand
Foto: Getty Images / boonchai wedmakawand
Lesezeit 5 Min.
Interview

„Es geht um Präzision in der Sprache“

Sprache kann aufklären, vermitteln oder diskriminieren. Wer mit ihr arbeitet, trägt Verantwortung und sollte sich darüber bewusst sein, was seine Worte bewirken. 2014 gab die NGO „Neue Deutsche Medienmacher“ ihr erstes Glossar zu „politisch korrekter“ Sprache heraus. Im Interview erklärt die Geschäftsführerin Konstantina Vassiliou-Enz, was dahintersteckt. »weiterlesen
 
Welche Folgen wird die Automatisierung von Dialogen für die Nutzer haben? (c) Getty Images / ismagilov
Foto: Getty Images / ismagilov
Lesezeit 4 Min.
Gastbeitrag

Wie KI die Unternehmenskommunikation verändert

Künstliche Intelligenz wird unsere Vorstellung von Unternehmenskommunikation deutlich verändern. Bereits heute trägt diese Technologie dazu bei, automatisch Muster im dauernden Nachrichtenfluss zu erkennen und besser zu verstehen. Mithilfe von KI wird man auch Dialoge automatisieren können – etwa durch sogenannte Dialogroboter. Aber welche Folgen hat das für die Nutzer? »weiterlesen
 
Um sich im Reich der Mitte zu bewähren, ist eine fundierte PR- und Kommunikationsstrategie für jedes Unternehmen essenziell. (c) Getty Images / teddybearpicnic
Foto: Getty Images / teddybearpicnic
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

Mit Social Media den chinesischen Markt erobern

China bietet Kommunikatoren so viele Chancen wie kaum ein anderer. Wer sein Unternehmen im Reich der Mitte positionieren will, muss seine PR- und Kommunikationsaktivitäten an die Ansprüche des lokalen Marktes und der chinesischen Konsumenten anpassen. Social Media spielen dabei eine besonders wichtige Rolle.