John Cryan wählt eine klare Unternehmenskommunikation, findet Stefanie Molthagen-Schnöring. Ein Kommentar (c)  Deutsche Bank AG/Mario Andreya
John Cryan wählt eine klare Unternehmenskommunikation, findet Stefanie Molthagen-Schnöring. Ein Kommentar (c) Deutsche Bank AG/Mario Andreya
Kulturwandel der Deutschen Bank

Klare Worte

Mit unklaren Statements und leeren Versprechungen verloren die früheren Machthaber das Vertrauen der Gesellschaft. Ein Kommentar über den notwendigen Kulturwandel der Unternehmen.
Stefanie Molthagen-Schnöring

In unseren Tagen, die von Skandalen und Krisen in Wirtschaft, Politik und mittlerweile sogar im Sport erschüttert werden, liest man viel über Menschen, die nicht mehr an der Macht sind, weil sie diese mehr oder weniger freiwillig abgeben mussten. Sie heißen Sepp Blatter, Josef Ackermann oder Martin Winterkorn. In den entsprechenden Schlagzeilen fallen Wörter wie „unersättlich“, „unverantwortlich“, „Vertrauensmissbrauch“. Die Medien stürzen sich auf das, was von ihnen geblieben ist, und sei es ein „Sterbehaus“, wie die „Zeit“ in ihrem Dossier vom 30. Oktober über die entthronten Vorstände der Deutschen Bank schrieb. 

Vertrauensverlust folgt auf Tatenlosigkeit

Wir befinden uns in Zeiten, in denen die Menschen das Vertrauen in viele scheinbare Institutionen der Gesellschaft verloren haben. Zeiten, in denen das Wort „merkeln“ zum Jugendwort des Jahres gekürt wird, das für , „nichts tun, keine Entscheidungen treffen, keinen Äußerungen von sich geben“ und damit symptomatisch für eine Art Schockstarre steht, in der sich die deutsche Gesellschaft momentan zu befinden scheint. Tatenlosigkeit bringt aber keine Veränderung, genau so wenig wie das Beschwören eines Wandels, der kein wirklicher ist.

Die Deutschen-Bank-Vorstände Jürgen Fitschen und Anshu Jain haben sich lange in ihrer Kulturwandel-Rhetorik gesonnt und dabei vergessen, dass die Geschichte nur dann glaubwürdig ist, wenn sie Taten folgt. Und das Schweigen von Franz Beckenbauer in der WM-Affäre mag taktische Gründe haben, kann jedoch genauso gut den letzten Versuch darstellen, die Augen vor einer Wahrheit zu verschließen, die bald ans Licht kommen wird.

Wertewandel – von der Profitgier zur Bescheidenheit

Einstige Lichtgestalten stehen immer mehr im Abseits, ihre Machtbasis wankt beträchtlich und die alten Netzwerke werden auf einmal eher zur Gefahr als zur Rettung. Und damit ist die Zeit gekommen für einen wirklichen Kulturwandel in den Führungsetagen unserer Republik. Umfragen bestätigen dies: So sagen laut einer Studie der Kommunikationsberatung Weber Shandwick in Zusammenarbeit mit KRC Research Führungskräfte mit angesehenen Vorständen sechs Mal eher, dass ihre Vorgesetzten bescheidener seien als Führungskräfte mit weniger angesehenen CEOs.

Bescheidenheit, die neue Zier – unvorstellbar für Vorstände à la Josef Ackermann. Als dieser 2006 Vorstandschef der Deutschen Bank war, fand die Agentur Burson Marsteller in ihrer CEO-Reputation-Studie heraus, dass die wahrgenommene Menschlichkeit und das ethische Verhalten der CEOs im Vergleich zu den Werten aus den Vorjahren stark gesunken war. Ebenso katastrophal schnitten damals auch die Werte zur Motivation und Inspiration der eigenen Mitarbeiter ab. Neun Jahre später ist es also höchste Zeit für einen Kulturwandel, der das Wort verdient.

Gezielte Handlungen ermöglichen Kulturwandel

Als John Cryan, Co-Chef der Deutschen Bank, vor einigen Tagen das Sparprogramm des größten deutschen Bankhauses verkündete, wählte er klare Worte, gleichzeitig gilt er als öffentlichkeitsscheu, ist kein großer Selbstdarsteller. Positiv wurde gewertet, dass er von Anfang an seinen Mitarbeitern deutlich machte, dass der Deutschen Bank keine leichten Zeiten bevorstünden, die entsprechenden Briefe finden sich im Pressebereich des Unternehmens wieder – Transparenz nach innen wie nach außen. Auch Matthias Müller, neuer Volkswagen-Chef spricht von „schonungsloser Aufklärung“ und „maximaler Transparenz“; die Medien bezeichnen ihn derweil als den „Unterschätzten“, staatstragende Auftritte sollen seine Sache nicht sein.

Da fühlt man sich an einen anderen Müller erinnert, der 2014 den allseits bekannten, vom Boulevard geliebten Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit beerbte. „Auf Party-Wowi folgt Hauptstadt-Verwalter“ titelte Spiegel Online damals. In dieser Woche wurde erst verkündet, dass Berlin sich wirtschaftlich langsam wie ein Phoenix aus der Asche erhebt; das Konjunkturklima ist  ungetrübt positiv. Es gibt sie also wieder, die Anpacker, nicht die Merkler, die in unserem Land für Wandel sorgen. Sie heißen Thomas, Michael oder Matthias. Nicht gerade extraordinär, erst recht nicht in  Kombination mit ihrem Nachnamen – Müller.  Aber sie schießen Tore, regieren Städte und führen Unternehmen, und das häufig auf eine leise, unaufgeregte Art und Weise.

 
 


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