Familienministerin Franziska Giffey wünscht sich weniger Jammern und mehr Tatkraft. (c) Quadriga Media/Jana Legler
Familienministerin Franziska Giffey wünscht sich weniger Jammern und mehr Tatkraft. (c) Quadriga Media/Jana Legler
Keynote Franziska Giffey

„Tu, was du kannst, wo immer du bist“

Franziska Giffey, seit März Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, setzte auf dem Kommunikationskongress in Berlin mit ihrer Keynote Akzente. Mit ihrem Plädoyer für mehr Zuversicht und Mut zu klaren Botschaften erntete sie viel Zustimmung.
Carolin Sachse-Henninger

Die Überraschung stand ihr ins Gesicht geschrieben. Stehender Beifall – und Moderator Hajo Schumacher bemerkte scherzend: „Wann gab es das letzte Mal Standing Ovations für einen SPD-Politiker?“ Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hatte soeben ein überzeugendes Plädoyer für mehr Zuversicht und Tatkraft gehalten, gespickt mit drei Kernbotschaften an die Kommunikatoren: „Finden Sie die richtigen Worte, überlegen Sie sich klare Botschaften, seien Sie empathisch!“

Die Ministerin selbst agiert nach diesen Grundsätzen. In ihrer Zeit als Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln erklärte sie arbeitslosen Müttern nichtdeutscher Herkunft, Frauen könnten alles – während deren Ehemänner irritiert danebenstanden. Das Gute: es half. Mit ihrem Stadtteilmütter-Projekt befähigte Giffey Betroffene, anderen zu helfen.  

Die 40-Jährige fordert Mut zu klaren Botschaften. Das setze die Formulierung eindeutiger Positionen voraus, „auch wenn es mal ungemütlich ist“. Und gerade in diesen Zeiten sei es wichtig, Haltung zu zeigen und deutlich zu machen, „dass es bestimmte Dinge in Deutschland gibt, die nicht zur Disposition stehen“. Giffey appellierte an die Zuhörer im Saal, sich stark zu machen gegen Hass und Hetze, für Gleichberechtigung, die Würde des Menschen und die Achtung vor der Meinung des Anderen.

Weniger Jammern, mehr Tatkraft

Das erfordert vor allem eine positive Grundeinstellung, wie Giffey sie selbst vorlebt. Sie ist eine Macherin, ihre Rede strotzte vor Tatendrang. Die Ministerin warnte vor Parallelwelten, die es nicht nur bei den Großclans in Neukölln gebe, sondern auch bei Menschen, die sich in ihre Häuser einschließen und meinen, sie hätten nichts zu tun mit dem, was da draußen in der Welt passiert. Giffey wünscht sich weniger Jammern, dafür mehr Tatkraft. „Tu, was du kannst, mit dem, was du hast, wo immer du bist!“, lautet ihr Credo.

Moderator und Journalist Hajo Schumacher, Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und BdP-Präsidentin Regine Kreitz. (c) Quadriga Media/Jana Legler

Moderator und Journalist Hajo Schumacher, Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und BdP-Präsidentin Regine Kreitz (v.l.n.r.). (c) Quadriga Media/Jana Legler

Und zu tun gibt es nach Ansicht der Ministerin einiges. „Ich kann nicht gelten lassen, wenn ein Ministerium schreibt: Führungsmannschaft komplett – und dann sehe ich da neun Männer in schlecht sitzenden Anzügen“, spöttelte die Sozialdemokratin gegen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Dessen Behörde hatte im April mit einem Gruppenfoto für Empörung und Kopfschütteln gesorgt. Giffey nannte dieses Beispiel, um deutlich zu machen, dass dies nicht allein Grund für Klagen, sondern vor allem Ansporn sein sollte, Veränderungen anzustoßen. Es sei noch einiges zu tun, meint Giffey, sie bekräftigte aber auf dem Kommunikationskongress: „Hätten Frauen 1918 gesagt, wir können eh nichts ändern, wären wir heute noch lange nicht so weit.“

Als wichtige Verbündete sieht die Ministerin die Medien. Auch wenn es schwer sei, positive Berichte in der Presse zu lancieren, so appellierte sie doch an die Kommunikatoren, nicht aufzugeben. „Wenn wir den Deutschen immer erzählen, wie schlecht alles ist, dann glauben die auch daran.“ Ebenso müsse über die Fortschritte in der Wirtschaft gesprochen werden, beispielsweise, wenn Unternehmen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht nur nebenbei betreiben, sondern zum Standortfaktor erheben.

Im Gedächtnis bleiben

Botschaften zu kommunizieren, bedarf Giffeys Erfahrungen nach einfacher, kurzer und knackiger Sätze, nach dem simplen Prinzip: Subjekt, Prädikat, Objekt. Und die Politikerin will die Empfänger der Botschaften nicht vergessen wissen. Da räumt sie auch schon mal im eigenen Ministerium auf. Den verklausulierten Begriff „Kitaqualitätsentwicklungsgesetz“ etwa lehnte sie ab und formulierte ihn kurzerhand um in „Gute-Kita-Gesetz“ ‒ inklusive Würfel für den Schreibtisch, auf dem die Kerngedanken des Gesetzes in prägnanten Sätzen abgebildet sind. Schließlich sollen sich die Menschen ja daran erinnern.

Im Gedächtnis geblieben ist Franziska Giffey indes eine Weisheit, die der Moderator und Journalist Hajo Schumacher formulierte: „Entspannen Sie sich auch einmal und seien Sie dankbar, dass es Ihnen gut geht!“ Dazu gehöre, sich zu trauen, Smartphone und Twitter ab und an links liegen zu lassen. Twitter sei schließlich auch nur wie eine Daily Soap – wenn man rausgehe, könne man einfach wieder einsteigen. Vermissen werde einen niemand. Deshalb sei es vielleicht auch gut, so folgerte Giffey, manchmal dem Hamsterrad zu entsteigen und sich auszuklinken.


Lesen Sie mehr Berichte und Interviews vom Kommunikationskongress 2018 in unserem Dossier (hier klicken).

 

 
 


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