Keine Angst vor kununu und Co.

Beim Thema Arbeitgeber-Bewertungsportale runzeln viele Führungskräfte die Stirn. Dabei liegen hier für Arbeitgeber durchaus Chancen, diese Plattformen gewinnbringend zu nutzen.
Felicitas Ernst

Meinchef.de, kununu.de, jobvoting.de – Schreckgespenster für Arbeitgeber und Chance für Arbeitnehmer?

Christian Scherg: Beides. Für Jobsuchende ist es eine wichtige Informationsplattform. Arbeitgeber sollten Bewertungsportale nicht ignorieren. Sie sind Teil ihrer Arbeitgeberreputation. Gibt man beispielsweise „Siemens Arbeitgeber“ in der Google-Suche ein, erscheint an erster Stelle das Arbeitgeberportal kununu.de. Für Unternehmen bieten diese Plattformen also auch eine Chance, Bewerber von sich zu überzeugen.

Wie aussagekräftig sind Bewertungsportale?

Die Glaubwürdigkeit der durch Mitarbeiter abgegebenen Bewertungen ist hoch. Umfragen haben gezeigt, dass drei von vier Personen einer solchen Bewertung genauso vertrauen, wie der persönlichen Empfehlung durch Bekannte. Hier zeigt sich, wie wichtig es ist, positiv gestimmte Mitarbeiter im eigenen Unternehmen zu motivieren, Bewertungen abzugeben.

Wie kann ich mich als Arbeitgeber wehren, wenn offensichtlich falsche Aussagen getroffen werden?

Wenn Missbrauch stattgefunden hat, muss Kontakt zu den entsprechenden Portalen aufgenommen werden. Bei der Menge an Bewertungen, die tagtäglich dort eintreffen sind einige Portale sogar dankbar, wenn man darauf aufmerksam macht. Darüber hinaus empfehlen wir Unternehmen ein regelmäßiges Online-Monitoring als Frühwarnsystem einzurichten. Oft wissen Unternehmen nicht, dass es Bewertungen im Internet gibt, oder bereits auf Foren, Blogs oder sozialen Netzwerken ein reger Austausch über sie stattfindet. Bewertungsportale sind also nur ein Baustein der Employer Brand im Web 2.0.

Was kann ich als Arbeitgeber unternehmen, um auf Bewertungsportalen besser dazustehen?

Mitarbeiter müssen motiviert werden, sich im Web positiv zu äußern. Anders ist dies im negativen Fall. Die Motivation verärgerter Mitarbeiter eine negative Bewertung zu schreiben ist deutlich höher. So kann es schnell zu einem Ungleichgewicht in der Wahrnehmung Dritter kommen, das dem eigentlichen Arbeitsverhältnis nicht gerecht wird. Im Kern sind Bewertungsportale und andere Plattformen im Web nur ein Spiegel der internen Situation und Stimmung.

Welche Bedeutung haben Arbeitgeberbewertungsportale als Instrument des Employer Brandings?

Das Internet spielt für den gesamten Bereich HR eine große Rolle. 80 Prozent der Stellenanzeigen werden heute im Netz geschaltet. Demgegenüber steht, dass bereits jeder vierte Internetnutzer sich mit Hilfe von Bewertungen im Internet über Firmen als Arbeitgeber informiert. Sich also dort plattform- und kanalübergreifend mit einem guten Bild zu präsentieren hat Wirkung – mit realen Auswirkungen im „War for Talent“.

Sind HR-Abteilungen Ihrer Ansicht nach für diese eher kommunikative Aufgabe gerüstet?

Die eigene Arbeitgeberattraktivität gehört für Unternehmen zu den drei wichtigsten Handlungsfeldern der HR. Allerdings haben die wenigsten HR-Abteilungen bereits systematische Prozesse implementiert, die zu einer positiven Bewertung des Unternehmens führen. Es gilt, eine starke abteilungsübergreifende Vernetzung, eine Dialog- und Feedbackkultur zu etablieren. So kann auf mögliche Missstände effizient reagiert werden. Das schafft Sicherheit und einen internen Seismographen für Kritik. Natürlich kann man es niemals allen recht machen, aber das Management darf bei Problemen nicht erst über öffentlichen Druck auf einem Arbeitgeberportal zum Handeln gebracht werden.

Über den Autor: Christian Scherg ist Experte für Online-Strategieentwicklung. Als Managing Director der Agentur Reputation Advice verantwortet er den Bereich Digital Strategy. Scherg ist zudem Autor des Buches „Rufmord im Internet“.

 
 

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