Die Deutsche Bahn wirbt nicht mehr auf Journalistenwatch.com. / DB: (c) Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
Die Deutsche Bahn wirbt nicht mehr auf Journalistenwatch.com. / DB: (c) Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
Journalistenwatch

Bahn setzt rechte Webseite auf "Blacklist"

Das rechtsextreme Journalistenwatch verliert Anzeigen. Die Deutsche Bahn, die Postbank, Sony, Aroundhome und Trendence distanzieren sich.
Toni Spangenberg

Die Deutsche Bahn hat auf der rechtsextremistische Website Journalistenwatch.com geworben, wusste davon allerdings nichts. Erst eine Anfrage von Zeit Online macht das Unternehmen darauf aufmerksam. Mittlerweile sind die Anzeigen verschwunden. Bahnsprecher Achim Stauß erklärt auf Anfrage von pressesprecher: „Selbstverständlich hat Werbung der Deutschen Bahn auf rechtspopulistischen Seiten nichts zu suchen. Wir haben inzwischen veranlasst, dass die Website auf die Blacklist gesetzt wird, damit künftig keine DB-Werbung mehr darauf erscheinen wird."

Bei den Anzeigen habe es sich laut Bahn um Netzwerk-Buchungen gehandelt. Deren Ausspielung erfolge automatisiert, basierend auf den Interessen der einzelnen Nutzer. Die Werbung wird also nicht explizit von uns auf diesen Seiten gebucht."

Neben der Bahn tauchen auf Journalistenwatch unter anderem auch Anzeigen von Sony, Aroundhome, Trendence und der Postbank auf. Letztere erklärt auf Nachfrage von pressesprecher, sie habe kein Interesse, auf dieser Plattform zu sein. Wir werden das unterbinden."

Aroundhome distanziert sich ebenfalls klar von der Webseite und prüft, wie es dazu kommen konnte, dass ihre Anzeige dort veröffentlicht wurde. Normalerweise haben wir Blocker für solche rechtspopulistischen Seiten. Wir sind ein buntes, internationels Team und möchten damit nicht in Verbindung gebracht werden", so Aroundhome. Trendence nehme die Anzeige ebenfalls direkt von der Seite. Es sei selbstredend, dass man nicht mit rechtsextremistischen Portalen zusammenarbeite. Von Sony steht eine Antwort auf eine Anfrage des pressesprecher noch aus.

Journalistenwatch ist nicht mehr gemeinnützig

Journalistenwatch ist aktuell im Fokus der Berichterstattung. Dem Trägerverein des Portals wurde vom Finanzamt Meißen die Gemeinnützigkeit entzogen. Unterstützer können ihre Spenden also nicht mehr steuerlich absetzen. Laut eigener Beschreibung betreibe Journalistenwatch ehrlichen, zensurfreien Journalismus. Unser oberstes Ziel: Wir wollen die deutsche Öffentlichkeit aufklären über Hintergründe, die andere Medien (vor allem die Mainstream-Medien) nur allzu oft verschweigen." Die meisten Einnahmen des Portals stammen laut eigener Aussage von Anzeigenkunden und Spendern.

Tatsächlich schürt das Portal durch seine Berichterstattung Fremdenfeindlichkeit und Hass. Auf der Website finden sich Headlines wie Horde ,Dunkelhäutiger' springt aus dem Gebüsch und bedrängt Frau", Hassans Ausstieg aus der linken Szene – ,Warum ich die Linken verließ, eine Abrechnung'", Sachsen gibt Millionen für Gehirnwäscheprogramm „Weltoffenes Sachsen“ aus" oder Italienischer Sender deckt auf: Sea Watch & Co. sind Teil des Schleppersystems".

Hans-Georg Maaßen outet sich als Leser

Der Deutsche Journalistenverband begrüßt die Aberkennung der Gemeinnützigkeit. DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall meint, es ist das komplette Gegenteil von gemeinnützig, wenn ausschließlich rassistische und reaktionäre Meinungen verbreitet werden." Erster Ansprechpartner sei der Deutsche Presserat. Selbsternannte Medienwächter aus dem Pegida-Dunstkreis brauchen wir nicht."

Seit seiner Gründung 2011 ist Journalistenwatch eines der einflussreichsten Medien der Neuen Rechten geworden. Der Traffic wird auf mehrere Hunderttausend Seitenbesuche pro Tag geschätzt. Auf Facebook erreicht es nach Angaben des Analysediensts 10000flies mehr Menschen als die Angebote von FAZ, SZ oder Zeit Online. Zu den prominenteren Lesern gehört etwa der ehemalige Chef des Verfassungsschutzes und Mitglied der Werte-Union", Hans-Georg Maaßen. Am Wochenende teilte er einen Artikel der Seite auf Twitter. Den Tweet löschte er später kommentarlos.

 

UPDATE: Sony hat sich mittlerweile auf die Anfrage von pressesprecher gemeldet. Man lasse den Fall von der Media-Agentur der Firma prüfen. Solche rechten Portale sollten von vornherein auf unserer Blacklist stehen", teilt Sony-Sprecherin Sonja May mit.

 

 
 


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