Der DJV hat ein Problem mit seiner PR./ DJV-Logo: (c) DJV
Der DJV hat ein Problem mit seiner PR./ DJV-Logo: (c) DJV
Rezo, Upload-Filter und Co.

Journalistenverband DJV hat ein großes PR-Problem

Der DJV hat Nachholbedarf bei interner und externer Kommunikation. Das zeigt nicht nur der Fall Rezo.
Aus der Redaktion

Der Deutsche Journalistenverband hat ein PR-Problem. Das zeigt nicht nur die unprofessionelle Reaktion des Bundesverbandes und DJV-Vorsitzenden Frank Überall auf die Kritik Rezos an deutschen Boulevardzeitungen. Auch die Haltung des Verbandes zur EU-Urheberrechtsrichtlinie oder die mangelnde Abgrenzung von Journalisten und PRlern offenbaren Schwächen sowohl in der externen als auch internen Kommunikation.

Für Zensur und Gehaltskürzungen?

Der Frust vieler Mitglieder ist groß – und das seit Langem. In einer Pressemitteilung vom 26. März begrüßt der Verband die Verabschiedung der EU-Urheberrechtsrichtlinie durch das EU-Parlament. "Damit ist eine wichtige Hürde auf dem Weg zu einem modernen Urheberrecht in der digitalen Gesellschaft genommen", sagt DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall. Es sei ein ermutigendes Zeichen für Urheber, dass die Richtlinie – "trotz der emotional aufgeladenen Kontroversen" – beschlossen wurde. Tatsächlich birgt die Reform einige Nachteile für die eigene Klientel des Verbandes.

So ermöglicht es Artikel 16, dass Verlage einen Teil der regelmäßig von der VG-Wort an die Journalisten ausgeschütteten Tantiemen bekommen. Für die Autoren bedeutet das letztlich Einnahmeeinbußen. Bis 2015 war eine solche Regelung Realität. Da sie aber vor allem große Verlagshäuser zulasten freier Autoren bevorteilte, wurde sie durch den Bundesgerichtshof gekippt. Auch die mögliche Einführung von Upload-Filtern durch Plattformen wie Youtube verunsichert viele Journalisten.

Einzelne Mitglieder werfen Frank Überall, CDU-Mitglied, vor, er stelle sein Parteibuch über den Journalismus. Die Wut entlädt sich in den sozialen Medien. User urteilen, der Journalistenverband setze sich "für Zensurwerkszeuge im Netz und die Schmälerung der Ausschüttung der VG-Wort an die Autoren" ein. Andere denken öffentlich über einen Austritt aus der Gewerkschaft nach.

"Die PR ist Teil des Journalismus"

Für Kopfschütteln sorgte Überall auch durch seine Aussage zum Verhältnis von Journalismus und PR. Gegenüber dem NDR-Magazin Zapp erklärte der DJV-Vorsitzende: "Das, was in der PR gemacht wird, also in der effektiven Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, ist eine Spielart des Journalismus." Damit ordnet der Verband PR dem Journalismus zu. Kritik kommt vom Hamburger Journalistik-Professor Volker Lilienthal. Dies sei im Grunde "eine Assimilation von Journalismus und PR".

PR-Desaster im Fall Rezo

Jüngst sorgte der DJV mit seiner Reaktion auf Aussagen des Youtubers Rezo mindestens für Irritationen. Rezo kritisierte als Gast in einem Video der Space Frogs deutsche Boulevardzeitungen. Im Fokus standen vor allem die Bild und die BZ. So machte sich der Youtuber darüber lustig, dass Zeitungen noch immer das Fernsehprogramm abdruckten und fragte, wen denn Heidi Klums Hochzeit interessiere. Auch über wortlautgleiche Artikel, die sich in unterschiedlicher Aufmachung in verschiedenen Zeitungen finden, zeigte er sich irritiert und kritisierte so die mangelnde journalistische Vielfalt. Die dpa-Meldung zu seiner Kritik schaffte es übrigens auch wortlautgleich auf verschiedene Nachrichtenportale. Und damit auch die Reaktion des DJV.

Gegen 14:50 Uhr veröffentlicht der Verband eine Pressemitteilung, in der Frank Überall das Video auf schärfste kritisiert. Dabei wirft er Rezo auch Aussagen vor, die dieser nie getätigt hat. Gut eine Stunde später, gegen 16:00 Uhr, zieht der Verband die Mitteilung wieder zurück. Intern habe es "unterschiedliche Auffassungen über die Tonalität seiner Aussagen" gegeben, so der DJV in einem Tweet. Mittlerweile hat sich auch Frank Überall öffentlich für seine Kritik entschuldigt. Auf Twitter schreibt er an Rezo: "Lieber @rezomusik, da habe ich mich mit meiner zugespitzten Kritik vergaloppiert, sorry. Deine Medienkritik war mir persönlich in Teilen zu heftig, grundsätzlich wirfst Du aber auch viele wichtige Fragen auf. Vielleicht unterhalten wir uns darüber mal? Würde mich freuen."

Sollte sich der DJV seiner PR-Probleme auch in Zukunft nicht annehmen, dürfte das wohl nicht die letzte Entschuldigung Überalls sein.

 

 
 


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