PR-Prof Gerhanrd Vowe bespricht "Journalismusforschung" von Heinz Pürer (c) Christoph Rau / Illustration: Mona Karimi
PR-Prof Gerhanrd Vowe bespricht "Journalismusforschung" von Heinz Pürer (c) Christoph Rau / Illustration: Mona Karimi
Rezension vom PR-Prof

Journalismusforschung für Anfänger

Für unsere Serie "Prof-Rezensionen" bewertet Professor Gerhard Vowe das Fachbuch "Journalismusforschung" von Heinz Pürer. Lobende Anerkennung findet er dabei für Pürers Ansätze, die er aber auch aufgrund fehlender Ausführungen kritisiert.
Gerhard Vowe

In der Verlagswerbung heißt es zu Heinz Pürers  „Journalismusforschung“:

„Berufsgeschichte, Ausbildung und Sozialisation im Journalismus werden in diesem Buch ebenso behandelt wie Berufsbild, Berufsstruktur und das Image von Journalisten. Weitere Themen sind u.a. Theorien zur journalistischen Nachrichtenauswahl sowie zum Verhältnis von Journalismus und Public Relations, Qualität im Journalismus, Medienethik, Boulevardjournalismus und Onlinejournalismus.“

Neugierig schlägt der Leser das Buch auf. Was hat der Emeritus aus München, Autor von bewährten Standardwerken, denen zu sagen, die an Journalismus interessiert sind – ob Wissenschaftlern oder Praktikern? Die Erwartungen müssen allerdings nach der Lektüre des Vorworts eingeschränkt werden. Das Büchlein sei ein Auszug aus dem bereits altbekannten Lehrbuch „Publizistik- und Kommunikationswissenschaft“ und lediglich „neu konfektioniert“ heißt es dort. Wer Pürers  Einführungswerk bereits im Regal stehen und mit dem Marker durchgearbeitet hat, kann sich den Erwerb der „Journalismusforschung“ also sparen. Womit nicht gesagt sein soll, dass es sich nicht lohnen würde, einen Blick hinein zu werfen.

Unausgereift und fazitlos

Pürer versteht es, auf rund 130 Seiten (plus Literaturverzeichnis und Sachindex) einen umfassenden Überblick über seinen Gegenstand zu bieten. Zu Beginn macht er deutlich, wie breit angelegt der Kommunikatorbegriff ist. Ob es einen Unterschied zwischen Kommunikator- und Journalismusforschung gibt, worin dieser bestehen könnte und was im Folgenden unter „Journalismus“ oder „Journalisten“ zu verstehen ist, wird jedoch nicht erörtert. Pürer kommt hier über eine bloße Aufzählung von Studien nicht hinaus – das allerdings veranschaulicht eindrucksvoll, wie facettenreich die Journalismusforschung ist.

Danach beschäftigt er sich mit der  journalistischen Berufsforschung. Geschichte, Ausbildung, Berufsbild- und Berufsstruktur werden entlang einer Vielzahl von Studien abgehandelt. Dieses Kapitel dürften vor allem Studierende mit Gewinn lesen. Für Kommunikationspraktiker ist der Nutzwert dagegen eher gering.

Anders sieht es im nächsten Kapitel aus: Da beschäftigt Pürer sich mit Journalisten und Medieninhalten. Er greift auf Theorien und empirische Befunde zur Nachrichtenauswahl und zum Verhältnis von Journalismus und Public Relations zurück und beantwortet damit die Frage, wie journalistische Aussagen entstehen. Sicherlich ein hilfreiches Hintergrundwissen, wenn man sich beruflich mit öffentlicher Kommunikation beschäftigt. Einsteiger aus Wissenschaft und Praxis bekommen hier das Wichtigste knapp und durchweg verständlich präsentiert. Dies gilt auch für das vorletzte Kapitel des Buches, das weitere Felder der Journalismusforschung in Kürze vorstellt. So gibt Pürer jeweils einen konzisen Abriss zu journalistischer Qualität, redaktionellem Marketing, zu ethischen Fragen im Journalismus zu Onlinejournalismus und zum Boulevardjournalismus. Das Buch endet mit einem Überblick über verschiedene Journalismustheorien, die jeweils in wenigen Zeilen vorgestellt werden. Ausleitende Worte oder ein Fazit erspart sich Pürer, so dass der Leser etwas unsanft entlassen wird.

Eher Material für Studierende

Alles in allem bietet Pürer einen fundierten Überblick über die Journalismusforschung. Leider blendet er die internationale Literatur weitgehend aus, was den wissenschaftlichen Nutzwert des Buches schmälert. Schade ist auch, dass der Autor eigene Gedanken nur höchst selten einfließen lässt. Das Buch ist über weite Strecken eine Zusammenschau der einschlägigen (deutschsprachigen) Literatur, eine synthetisierende Leistung wird nicht geboten. Der Leser vermisst bisweilen, dass der Autor einen Schritt zurücktritt und das Wissen reflektiert und einordnet. Dennoch ist „Journalismusforschung“ für Studierende ein guter Einstieg in den Gegenstand. Auch Praktiker aus Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit können sich hier schnell und mit Gewinn über die akademische Sicht auf den Journalismus informieren. Und fortgeschrittene Leser können mit der „Journalismusforschung“ ihr Wissen überprüfen und hier und da auffrischen. Noch lohnenswerter aber ist es, gleich zum kompletten Einführungswerk „Publizistik- und Kommunikationswissenschaft“ zu greifen. Dies gilt für Einsteiger und Routiniers, Wissenschaftler und Praktiker gleichermaßen. Vielleicht kann sich der Autor ja für weitere „Neu-Konfektionierungen“ noch einen überraschenden Blickwinkel oder einen besonderen Dreh überlegen – etwa konsequent die Frage zu beantworten, wie Öffentlichkeitsarbeit ohne Journalismustheorie aussehen würde.

Heinz Pürer: Journalismusforschung. utb. 12,99 Euro.

Dies ist der dritte Teil unserer neuen Online-Kolumne, in der PR-Profs Neuerscheinungen für die Kommunikationsszene unter die Lupe nehmen. Falls Sie ein Buch kennen, das rezensiert werden soll, können Sie sich gern bei uns melden (jeanne.wellnitz@helios-media.com).

 

 
 


randbemerkung

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