Sarah Huckabee Sanders war rund zwei Jahre lang Pressesprecherin im Weißen Haus. Im "Mueller Report" sind Lügen von ihr dokumentiert. (c) picture alliance/newscom/Kevin Dietsch
Sarah Huckabee Sanders war rund zwei Jahre lang Pressesprecherin im Weißen Haus. Im "Mueller Report" sind Lügen von ihr dokumentiert. (c) picture alliance/newscom/Kevin Dietsch
Pressearbeit von Donald Trump

Jeglichen Anstand vermissen lassen

Die Redaktion des US-Magazins "Forbes" will Informationen, die sie künftig von ehemaliger Mitarbeitenden der Presseabteilung von Donald Trump erhält, besonders genau prüfen. Ihre Glaubwürdigkeit hätten die Kommunikatorinnen und Kommunikatoren verspielt.
Clara Herdeanu

Bereits die erste Woche des neuen Jahres hatte es in sich: Die ganze Welt verfolgte vor Bildschirmen und Social-Media-Feeds den versuchten Staatsstreich in den USA. Auch wenn dies schockierend war, überraschte es doch nicht. In den vergangenen fünf Jahren sind Skandale und Lügen rund um das Weiße Haus an der Tagesordnung gewesen. Ein elementarer Teil dieser die Demokratie gefährdenden Strategie war die Kommunikation. 

Zum einen hat sich die ganze Welt daran gewöhnen müssen, dass der US-Präsident wichtige Entscheidungen wie beispielsweise den Rauswurf von Defence Secretary Mark Esper im vergangenen Novemberüber über Twitter mitteilt statt über die traditionellen Kanäle. Aber selbst wenn er die traditionellen Kanäle benutzte, bekleckerten sich die Vertreter unserer PR-Zunft nicht gerade mit Ruhm. Statt der Öffentlichkeit die richtigen Informationen zu kommunizieren, verbreiteten die wichtigsten Kommunikator:innen des Landes allzu häufig Lügen.

Wir erinnern uns an einige besonders offensichtliche Beispiele: An Sean Spicer mit seinem Kommentar zur Menschenansammlung bei Trumps Amtseinführung: “This was the largest audience to ever witness an inauguration. Period”. An die Beraterin Kellyanne Conway, die für die schlechten Lügen die Formulierung “Alternative Facts” prägte. An Sarah Huckabee Sanders, die den Pressevertretern so viel offensichtliche Lügen erzählte, dass diese den “Pickle”-Brief zu ihren einzigen wahrheitsgemäßen Aussagen zählen. An Stephanie Ann Grisham, die in die Annalen der US-Geschichte eingehen wird als erste Pressesprecherin, die keine einzige Pressekonferenz abhielt, und an Kayleigh McEnany, mit der der CNN-Moderator Jake Tapper nicht mehr sprechen wollte, weil sie zu den Leuten gehöre, “who just tell lies the way that most people breathe”.

Nun kann man es in Anbetracht der Ereignisse als nebensächlich abtun, dass die obersten Kommunikator:innen im Weißen Haus es mit der Wahrheit nicht so genau nahmen. Aber: Diese Verdrehungen der Tatsachen, dieses Negieren der Fakten und das Verbreiten von Lügen bereiteten vermutlich mit den Boden für den Staatsstreich, den wir vergangene Woche zu Gesicht bekamen. Denn diese Kommunikator:innen, die sich im Weißen Haus die Klinke in die Hand gaben, massierten mit jeder weiteren Faktenverdrehung der Öffentlichkeit Lügen ins Gehirn ein – und sie taten es gebetsmühlenartig immer und immer wieder. Oder um es mit den Worten des Nobelpreisträgers Daniel Kahnemans zu sagen: “A reliable way to make people believe in falsehoods is frequent repetition, because familiarity is not easily distinguished from truth. Authoritarian institutions and marketers have always known this fact” (aus: "Thinking, Fast and Slow").

Natürlich stellt sich auch die Frage, was die Kommunikator:innen hätten machen können. Als Außenstehende können wir nicht beurteilen, ob und wenn ja, wie viel Paroli sie Trump intern gegeben haben. Aber davon unabhängig stand ihnen stets der Weg offen, sich zu weigern Lügen zu kommunizieren und würdevoll den Hut zu nehmen, um ihre eigene Integrität zu bewahren und weiteren Schaden von der Demokratie abzuwenden. Stattdessen wird weiterhin durch die eigenen Kanäle Unfrieden gestiftet, zum Beispiel durch Sarah Huckabee Sanders über Verschwörungsideologien einer vermeintlichen „Cancel Culture“.

Unverantwortliches Handeln sollte Konsequenzen haben: Das weltweit verbreitete Wirtschaftsmagazin „Forbes“ hat deshalb bereits angekündigt, dass sie Trumps Märchenerzähler auch in anderen Kontexten nicht mehr glauben werden: “Let it be known to the business world: Hire any of Trump’s fellow fabulists above, and Forbes will assume that everything your company or firm talks about is a lie.” Zurecht wie ich finde.

Denn die PRler im Weißen Haus haben nicht nur einen ganzen Berufsstand durch den Dreck gezogen, sondern durch ihre Lügen dazu beigetragen, Extremismus und totalitäres Denken zu verbreiten. Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut der Kommunikation – oder um es mit den Worten Äsops zu sagen “Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er doch die Wahrheit spricht”. PR-Profis sollten deshalb stets ihre Glaubwürdigkeit wahren – und das nicht nur aus reinem Selbstzweck, sondern schlichtweg auch aus menschlichen Anstand.

 

 
 


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