#HassHilft macht Hass-Kommentare zur unfreiwilligen Spende für Flüchtlinge und gegen Rechts. (c) ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur
#HassHilft macht Hass-Kommentare zur unfreiwilligen Spende für Flüchtlinge und gegen Rechts. (c) ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur
DPOK - von den Besten lernen

Issues Management: #HassHilft

Mit dem Deutschen Preis für Onlinekommunikation sind 2017 herausragende Projekte digitaler Kommunikation ausgezeichnet worden. In unserer Rubrik "Von den Besten lernen" stellen wir sie vor. Dieses Mal: die Kampagne "#HassHilft – Die unfreiwillige Online-Spendenaktion", mit der die ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur und Grabarz & Partner die Kategorie "Issue Management" gewonnen haben.
Judit Cech

1. Können Sie kurz Ihre Kampagne beschreiben?

"#HassHilft – Die unfreiwillige Online-Spendenaktion" ist die digitale Fortsetzung von "Rechts gegen Rechts – der unfreiwilligste Spendenlauf Deutschlands". "Rechts gegen Rechts" ist eine Form des Gegenprotestes auf Neonazi-Demonstrationen: Die Demonstranten geben unfreiwillig zuvor bereitgestellte Spenden durch ihre Anwesenheit frei. Die Idee dahinter: Wenn man sie schon nicht davon abhalten kann zu demonstrieren, so soll man sie wenigstens für etwas Sinnvolles laufen lassen, zum Beispiel gegen sich selbst. Die Demonstranten werden dabei zu Statisten ihres eigenen Protestes instrumentalisiert, und neben der konkreten Hilfe durch die gesammelten Spenden wird ihr Demonstrationsanliegen satirisch, aber friedlich konterkariert.

Die jüngste Initiative steht unter dem ironischen Motto "Hass hilft". Denn Hass hilft hier wirklich. Diverse Partner und unzählige Nutzer stellen Mittel zur Verfügung, die in unfreiwillige Spenden verwandelt werden. So wird für jedes entdeckte Hass-Posting ein Euro aus dem bereitgestellten Geld an die Organisationen "Aktion Deutschland Hilft" und "Exit Deutschland" überwiesen. Je mehr Hass, desto mehr Spenden. Damit stecken nun nach den Neonazis in Wunsiedel auch Online-Hasser in einer Zwickmühle: Entweder sie hören auf, fremdenfeindliche Kommentare zu posten – oder sie sammeln mit jedem einzelnen Post Geld gegen ihre fremdenfeindlichen Interessen.

Facebook-Banner der Kampagne "#HassHilft" (c) ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur

Facebook-Banner der Kampagne "#HassHilft". Klicken Sie auf das Bild, um die Fotogalerie zu starten. (c) ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur

Mit einem eigens programmierten Tool, das den Seitenadministratoren zur Verfügung gestellt wird, kann "auf Knopfdruck" jeder Hass-Kommentar in eine Spende umgewandelt werden. Darüber hinaus wurde eine eigene Internet-Präsenz für die Aktion erstellt. Hier werden der aktuelle Spendenstand, die letzten Hass-Posts sowie eine "Top-Ten-Liste" der eifrigsten Hass-Poster veröffentlicht. Außerdem gibt es Tipps zum Umgang mit Hasskommentaren.

Über die Facebook-Seite der Aktion können die Nutzer Kontakt aufnehmen, die Aktion unterstützen und damit einen aktiven Beitrag in der Auseinandersetzung mit Hasskommentaren im Netz leisten. Nach mehr als eineinhalb Jahren wurde die Aktion vielfach ausgezeichnet und bis Mai 2017 konnten mehr als 50.000 Euro an Spenden gesammelt werden. Die Facebook-Seite erreicht wöchentlich 250.000 bis zu über eine Million Nutzer. 

2. Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere daran?

Zum einen haben wir erstmalig aus Hass etwas Gutes gemacht – nämlich die "unfreiwilligen Spenden". Und zum anderen mussten wir ein Programm, ein Tool, entwickeln, das es uns und unseren Partnern ermöglicht, halb-automatisch auf die Hasskommentare zu antworten. Wir wussten, dass ein Bot unseren Job nicht machen könnte. Denn jeder Kommentar muss zuerst mit Verstand überprüft und überhaupt als Hasskommentar identifiziert werden.

3. Worin hat sich vor allem der Erfolg der Kampagne gezeigt?

Im November 2016, ein Jahr nach Kampagnenstart, konnten wir das zweite Mal eine große Spendensumme an die beiden Empfänger-Organisationen übergeben. Im Mai 2017 betrug der nun verteilte Betrag ungefähr 54.000 Euro. Über die Aktion #HassHilft wurden seit dem Start via Facebook mehr als 40 Millionen Nutzer erreicht – das sind wöchentlich zwischen 300.000 und 900.0000, hinzu kamen täglich nicht selten im Schnitt 30 bis 50 Nachrichten. Seit dem Start 2016 reagierten Nutzer auf insgesamt 40.000 Hasskommentare.

National wie international hat #HassHilft große Aufmerksamkeit erzeugt und diverse Preise erhalten, wie den Bob’s Award der Deutschen Welle oder den New Media Award. Außerdem wurde die Kampagne von der Europäischen Kommission als "best practice" aufgeführt.

 

Über die Rubrik: Von den Besten lernen

Mit dem Deutschen Preis für Onlinekommunikation (dpok) sind 2017 zahlreiche herausragende Projekte digitaler Kommunikation ausgezeichnet worden. Sie wollen wir hier in unserer Rubrik "Von den Besten lernen" vorstellen. Gewinner der Kategorie "Issue Management" ist die Kampagne "#HassHilft – Die unfreiwillige Online-Spendenaktion" von der ZDK Gesellschaft für Demokratische Kultur und Grabarz & Partner. Bereits zum siebten Mal zeichnete das Magazin pressesprecher herausragende Projekte, professionelle Kampagnenplanung und zukunftsweisende Strategien digitaler Kommunikation aus. Die Gala fand am 8. Juni im Berliner Kino International statt.

Mehr Informationen zum dpok unter: www.onlinekommunikationspreis.de

 

 
Fabian Wichmann (c) Jannik Jürgens
Fabian Wichmann

Fabian Wichmann ist Mitarbeiter der ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur in Berlin, dort in der Ausstiegshilfe von Exit Deutschland und im Social-Media-Management tätig. Er ist zudem Autor von diversen Publikationen und Analysen im Bereich Rechtsextremismus und Demokratiegefährdung sowie Initiator der vielfach prämierten Initiativen "Rechts gegen Rechts" und "#HassHilft".

 

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