In der Krise wurde vieles ausprobiert. Jetzt wird ausgemistet und ein Post-Corona-Paket geschnürt. (c) Getty Images/dorian2013
In der Krise wurde vieles ausprobiert. Jetzt wird ausgemistet und ein Post-Corona-Paket geschnürt. (c) Getty Images/dorian2013
Interne Kommunikation

Einmal aufräumen, bitte!

Die Interne Kommunikation ist in der Coronakrise gefragt wie nie. Diese Beachtung hat so manchen Ideen beachtlichen Schub gegeben. Gut so! Und jetzt ist es Zeit, den Instrumentenkoffer aufzuräumen – mit Tipps von„Echolot“-Kolumnistin Andrea Montua.
Andrea Montua

In den letzten Wochen durfte kommunikativ gewünscht und gewirbelt werden. Vieles wurde möglich, was vor der Krise wortreiche Konzepte und Diskussionen gebraucht hätte – um dann vielleicht am Ende doch nicht an den Start zu gehen. Nun ist plötzlich ein Podcast im Kasten, Videos werden gedreht, diverse Newsletter verschickt und auch bereits eingemottete Kommunikationswege werden wieder geöffnet. Die Coronakrise hat an der Stelle etwas Gutes – sie ist ein Katalysator für Neues und Schnelles. Gleichzeitig verändert sie unseren Umgang miteinander – unsere kommunikativen Bedürfnisse und auch unsere Fragen. Unternehmen haben darauf reagiert und sind jetzt am Übergang zum neuen Arbeitsalltag. Was es braucht, ist ein kurzes Innehalten mit einem strategischen Blick auf die Interne Kommunikation:

  • Welche neu erstellten Tools, Kanäle oder Maßnahmen sollen fortbestehen?
  • Welche davon können weg, weil sie jenseits der Krise keinen Sinn mehr ergeben oder sich schlicht nicht bewährt haben?
  • Welche etablierten Dinge können abgeschafft werden, weil sie sich überlebt haben?

Schnüren Sie sich und Ihrem Unternehmen daraus ein Post-Corona-Paket, das passt. Wir empfehlen, das nicht neben dem laufenden Geschäft zu tun, sondern ganz fokussiert in einem Termin mit dem kompletten Team. Ganz wichtig: Setzen Sie eine klare Zielrichtung („Wie wollen wir zukünftig kommunizieren?“) und auch eine klare Blickrichtung („Diese Aspekte schauen wir an!“). Unseren Blick würden wir auf diese fünf Punkte richten:

1. Was haben wir? Beginnen Sie mit einer Bestandsaufnahme, die alle Maßnahmen und Tools, egal ob neu oder alt, auch im Hinblick auf Zielgruppen, Ziele und Relevanz überprüft. Das kann im Vorfeld mit einer Umfrage gestützt werden. Es hat immer Sinn zu fragen, ob der tatsächliche Bedarf auch bedient wurde. Reine Klickzahlen haben keine qualitative Aussagekraft. Die Analysetiefe bestimmen Sie bei so einem IK-Audit selbst.

2. Was brauchen wir? In vielen Unternehmen hat sich durch die Coronakrise auch die Kommunikationskultur verändert. So ist vielleicht der Duktus informeller als vorher, der Ton empathischer oder es gibt Dialog, wo vorher nur Top-down gesendet wurde. Damit können sich auch die Bedürfnisse der Mitarbeiter:innen geändert haben und auch der Wunsch, diesen Umgang miteinander zu bewahren. Alle digitalen Räume haben in den letzten Wochen enorm viel Zulauf bekommen. Finden Sie jetzt auch wieder das analoge Gegengewicht in Ihrem Kommunikationsmix.

3. Was konnten wir lernen? Nutzen Sie die Erfahrungen der Krise, um noch besser oder flexibler zu werden. Eine vergleichbare Situation wird sicherlich kommen und wir alle haben gesehen, wo es gehakt hat. Nicht alles konnte auf die Schnelle gelöst werden, aber jetzt könnte eine gute Zeit sein, um die etwas festeren Krusten aufzubrechen.

4. Wo können wir vordenken? Auch an anderen Stellen im Unternehmen ist viel passiert, Prozesse wurden verändert, Strukturen hinterfragt. Auch da sollte die Interne Kommunikation hinschauen, denn sie kann jetzt schon Formate entwickeln oder anbieten, die zukünftige Entwicklungen im Blick hat – zum Beispiel Themen wie Agilität und New Work.

5. Wie geht es weiter? Kanal A geht, Format B kommt. Sobald Sie Entscheidungen getroffen haben, sollten Sie klare Ansagen machen. Kommunizieren Sie, wann genau ein bestimmtes Format zum letzten Mal erscheinen wird und warum. Erklären Sie, warum ein neuer Kanal bleiben soll und wie dieser zu einem festen Bestandteil der Kommunikation ausgebaut werden soll.

So ein Prozess kann ungemein klärend und energetisierend sein. Zu oft hängen wir noch an Dingen, die viel Energie ziehen, aber eigentlich gar keinen Sinn mehr haben. Am Ende ist es wie mit einem aufgeräumten Kleiderschrank – man entdeckt alte Schätzchen wieder und trennt sich von Fehlkäufen. Alles wird entstaubt und es entsteht Raum: Die Kreativität kommt dann von ganz allein.

 

 
 


randbemerkung

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