In Zeiten von demokratischem Führungsverständnis und neuen Formen des Zusammenarbeitens ist die interne Kommunikation Lieferant für Hintergründe. (c) Getty Images/Sportactive
In Zeiten von demokratischem Führungsverständnis und neuen Formen des Zusammenarbeitens ist die interne Kommunikation Lieferant für Hintergründe. (c) Getty Images/Sportactive
Interne Kommunikation

Was bleibt, was kommt

Es wird in der internen Kommunikation wieder mehr menscheln, ist sich Kerstin Feddersen sicher. Was 2019 außerdem wichtig werden wird, beschreibt sie in der ersten Folge unserer „Echolot“-Kolumne in diesem Jahr.  
Kerstin Feddersen

Die interne Kommunikation ist raus aus den Kinderschuhen, erwachsen geworden. Das musste so kommen, denn sie wird an allen Ecken in Unternehmen gebraucht, um in unruhigen Zeiten Zusammenhalt und Identifikation zu wahren oder zu stiften. Und weil all die kleinen und großen Transformationsprozesse anhalten werden, müssen wir IK- und HR-Kollegen noch kreativer und gezielter damit umgehen.

Kommunikation mit und für Mitarbeiter und Führungskräfte bleibt der entscheidende Hebel. Nur wer Veränderungen versteht und einordnen kann, wird ihnen ruhig und zuversichtlich begegnen – sie idealerweise sogar mitgestalten wollen. In Zeiten von demokratischem Führungsverständnis und neuen Formen des Zusammenarbeitens ist die interne Kommunikation Lieferantin für Hintergründe.

Noch digitaler …

Unsere Tools werden dabei noch digitaler werden: Apps, Blogs, Vlogs, interaktives Gaming, E-Magazine – die Bandbreite ist groß und die Unternehmen probieren vieles aus. Wie erreichen wir unsere Mitarbeiter bestmöglich? Klar, dass wir versuchen, jene Tools zu nutzen, die viele Menschen aus ihrem privaten Umfeld kennen und mögen. So wie die Mitarbeiter-App, die kein Trend mehr ist, sondern ihren Platz im Toolset längst sicher hat. Als internes Medium wird sie dennoch ihre Position weiter ausbauen.

In einer motivierenden Unternehmenskultur ist Dialog das A und O. Digitale Tools helfen uns dabei, mit Kollegen in den Austausch zu gehen. Deshalb wird sich auch unsere Arbeitsweise ändern, wenn wir nicht nur senden, sondern zugleich Feedback empfangen, auf das wir schnell und kompetent antworten wollen und müssen. Unsere Rolle wird wichtiger, aber auch anspruchsvoller und temporeicher. Wer da nicht gut vernetzt ist, kommt in Verzug und ins Schwitzen.

Stolzer Verlierer dieser Bewegung ist die gute alte, gedruckte Mitarbeiterzeitschrift. Ihr Rückzug ist langsam, wird aber wahrnehmbarer. Obwohl ihre Leistung unbestritten ist, verzichten Unternehmen zunehmend darauf – zugunsten schneller, digitaler Kanäle.

Redakteure werden deshalb nicht mehr ausschließlich Inhalte kreieren, sondern vielmehr zentrale Botschafter und Moderatoren in Social-Collaboration-Plattformen werden. Sie schulen Kollegen und fungieren als Berater für Führungskräfte. Schafft die Mitarbeiterzeitschrift jedoch den Sprung ins Digitale und greift zunehmend Spezialthemen auf, bleibt sie an Bord.

… aber auch mal wieder analog

Dieser Trend bringt einen zweiten mit sich, der scheinbar ein gegenläufiger ist: das direkte Gespräch und die persönliche Begegnung, es menschelt wieder mehr. Formate wie Townhall, Fishbowl oder Ted-Talk werden mehr Raum einnehmen.

Alles Analoge wird zum sozialen Kitt unseres digitalen Alltags, weil kein digitaler Kanal uns ein Gefühl der Verbundenheit vermitteln kann. Und genau das brauchen wir alle, um motiviert und loyal zu handeln.

Die zwischenmenschliche Herausforderung des Jahres wird wohl das Thema New Work sein. Hier werden tradierte Arbeitswelten auf den Kopf gestellt und viele Mitarbeiter vor die Frage: Wie finde ich mich hier noch zurecht?

Wenn die morgendliche Frage nicht mehr „Was arbeite ich heute ab?“, sondern „Wie arbeite ich heute?“ lautet, dann ist dies eine tiefgreifende Veränderung von gelerntem und gelebtem Verhalten. Unsere Erfahrung ist, dass die richtige Kommunikation hier ganz oft viel zu spät einsetzt – nämlich dann, wenn das Chaos schon tobt und die Motivation am Boden liegt. Hier muss die Geschäftsleitung richtig früh mit den Mitarbeitern sprechen, also lange bevor Maßnahmen umgesetzt werden. Denn die Mitarbeiter wollen Teil der Veränderung werden, anstatt vom einen auf den anderen Tag mittendrin zu sitzen.

Für viele Führungskräfte brechen neue Zeiten an, in denen sie Kommunikation und Führung neu lernen müssen. Dazu gehört, Coaching als Pflichttermin zu sehen, die Schwarmintelligenz der Mitarbeiter zu nutzen und immer wieder Feedback einzuholen.

Und jetzt alle zusammen

Insgesamt erwarten wir mehr Tempo, mehr Bewegung und mehr Kreativität in der internen Kommunikation. Sie wird noch relevanter, schneller und intensiver werden – dabei dürfen neben relevanten Inhalten auch spielerische Elemente Einzug halten und ... Humor!

Nach außen treten viele Unternehmen als wahnsinnig unkonventionell und witzig auf. Die Kampagnen überschlagen sich mit kreativen Einfällen. Nach innen geht es oft noch bierernst zu. Schade eigentlich! Oder kennen Sie jemanden, der bei der Arbeit nicht gerne Spaß hat?

Angeblich arbeitet bereits jedes Dax-Unternehmen mit der Methode „Working Out Loud“ (WOL): Mitarbeiter teilen ihr Wissen mit den Kollegen, indem sie über ihre Arbeit sprechen. Selbstorganisation, WOL, E-Learning, digitale Anwendungen und vernetzte Mitarbeiter werden ganz nach oben schwimmen. Wir sehen es auch daran, dass immer mehr Unternehmen im Changeprozess in drei Kategorien aktiv sind: Toolset (Anwendungen, Plattformen, Apps), Mindset (Kultur, Lernfähigkeit, Kreativität) und Skillset (Trainings, E-Learning, agile Methoden). Andere ziehen nach.

Wie so vieles wird auch die interne Kommunikation mit dem Alter immer besser – die Qualität hat gerade im vergangenen Jahr so rasant zugenommen, dass die Ergebnisse beeindruckend sind. Klasse statt Masse bedeutet natürlich, dass einige Kommunikationskanäle und -inhalte gehen werden. Welche das sind? Lassen wir uns überraschen – es wird ein spannendes Jahr.

 

 
 

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