Inkasso-Unternehmen: Mit Aufklärung gegen Vorurteile (c) Thinkstock
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Inkasso-Unternehmen: Mit Aufklärung gegen Vorurteile

Wie kommuniziert man für ein ungeliebtes Thema? Wir hakten nach bei Marco Weber, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen.
Hilkka Zebothsen

Herr Weber, welche ist die Hauptbotschaft des BDIU und Ihre größte kommunikative Aufgabe?

Marco Weber: Nur mit Inkasso läuft es in der Wirtschaft rund: 5 Milliarden Euro: Das ist die Summe, die den Unternehmen in diesem Land pro Jahr verloren ginge, wenn unsere Mitglieder ihren Job nicht machen würden. Über eine halbe Million Auftraggeber aus allen Wirtschaftszweigen - vom Online- und Einzelhandel über das Handwerk bis hin zu Telekommunikations- und Finanzdienstleistern und der öffentlichen Hand - vertrauen auf Inkasso. Fast 20 Millionen außergerichtliche Mahnungen bearbeiten unsere Mitglieder jedes Jahr. Sie sorgen dafür, dass das Geld in der Wirtschaft fließt. Daher auch unser Claim: Inkasso heißt Verantwortung.

Wie setzen Sie den Claim um?

Zum Beispiel, indem wir Geschichten erzählen. Wer weiß schon, dass die Inkassowirtschaft überwiegend weiblich ist? Viele Inkassounternehmerinnen haben vorher bei Rechtsanwälten gearbeitet oder Karriere in einem Unternehmen gemacht. In unserem Magazin „Die Inkassowirtschaft“ stellen wir sie vor und geben der Branche ein sympathisches und vertrauenswürdiges Gesicht. Außerdem fragen wir unsere Mitglieder regelmäßig zu Trends beim Zahlungsverhalten und bei der Verschuldung. Die Ergebnisse präsentieren wir zweimal im Jahr im Rahmen einer Pressekonferenz. Informationen aus unseren Umfragen sind inzwischen sogar Thema in Schulbüchern. Das zeigt, wie wichtig Inkassounternehmen sind. Erschütterungen beim Zahlungsverhalten spüren sie sofort. Sie sind also so etwas wie ein Seismograf der Wirtschaft.

An welcher Kampagne arbeiten Sie aktuell - und was ist das Ziel?

Wir kommunizieren unserem Claim auf allen Kanälen und starten eine Kampagne, die bis zum 60sten Jubiläum unseres Verbandes 2016 reicht. Wir wollen einen Imagewandel: Inkasso soll wahrgenommen werden als seriöse, etablierte Branche, die für ihre Expertise geschätzt wird.

Wenn Ihre Mitglieder kommen, freut sich niemand. Mit welchen Werkzeugen des Reputation Managements arbeiten Sie gegen das Klischee von „Moskau Inkasso“?

Indem wir informieren und das Bild über Inkasso geraderücken. Mit Ihrer Frage fängt es ja schon an. Inkasso-Mitarbeiter kommen nicht mal einfach so vorbei und klingeln an Ihrer Wohnungstür. Die Mahnungen kommen per Post. Und wenn’s um Details geht, telefoniert man miteinander.

Klar ist die Inkassotätigkeit auch mit Vorurteilen belegt. Da ist manchmal viel Emotion im Spiel. Derjenige, der für jemand anderen Schulden einzieht, wird sich bei den Betroffenen keine Beliebtheitsmedaillen abholen. Die Botschaft ist also vielleicht nicht: Habt uns alle lieb! Aber Respekt, Sachlichkeit und ein unaufgeregter Umgang mit dem Forderungsmanagement, das sind schon wesentliche Aspekte in der Kommunikation für unsere Branche.

Der BDIU twittert auch. Welchen Tweet würden Sie gerne noch absetzen in Ihrer Karriere?

Da fällt mir spontan keiner ein. Mir würde es schon reichen, wenn mich meine Gesprächspartner irgendwann mal NICHT auf „Moskau Inkasso“ ansprechen.

 

 
Marco Weber (c) Peter Himsel
Marco Weber

Marco Weber ist Sprecher des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen.

 

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