So manche Vorstellung ist einfach nur absurd - auch im Influencer Marketing. (c) Getty Images/mrjo2405
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Zuckerbrot und Peitsche

Alles für'n Arsch

In dieser Kolumne berichten Medienmacher hautnah von ihren Erfahrungen mit Kommunikatoren. Dieses Mal berichtet die freie Journalistin und Bloggerin Lisa Harmann von zweifelhaften Werbegeschenken.
Lisa Harmann

„Maaamaaa, was ist eigentlich Waxing?“ Mir fällt in meinem Homeoffice fast der Kaffee aus der Hand. Das Kind spielt mit einem durchsichtigen Heliumballon mit Herzchenfüllung. „Hier hängt doch so ein Gutschein dran. Da steht das drauf.“

Gerade haben wir Post bekommen. Ich dachte: Schön, so ein Ballon aus der Kiste. Und, ach, toll, ein 30-Euro-Gutschein, dann kann ich meiner Freundin zur Geburt ihres Kindes auch so einen schicken. Nun, daraus wird jetzt offenbar nichts. Körperenthaarung möchte ich meiner Freundin jedenfalls nicht schenken.

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Vielmehr scheint es ein neues Waxingstudio in unserer Umgebung zu geben. Eines, das einen guten Luftballon-Geschmack hat. Ich war in solch einem Studio noch nie, ich will da nicht hin. Wie erkläre ich das jetzt dem Kind? Kerzenwachs auf Haut – und autsch.

Im Grunde wundert mich gar nichts mehr. Ungefragt eingesandte Konfetti-Briefe, bunte Päckchen und unhandliche Pakete bekomme ich als Bloggerin mittlerweile täglich. Es gibt ja schließlich eine Impressumspflicht für Websites – und dort steht nun mal meine Adresse. Was uns da alles so erreicht, ist tatsächlich ... gewöhnungsbedürftig.

Zu den Highlights gehört die Einladung in ein Luxushotel, in dem wir eine innovative Popo-Dusche testen sollten. Ich bin Familienbloggerin, ich habe drei Kinder, ich weiß ja nicht, was für Fotos des Produkttests sich das Unternehmen vorgestellt hatte. Aber allein bei dem Gedanken brach die gesamte Familie in Gelächter aus. Und die Headline hätte dann „Alles für’n Arsch“ gelautet? Ähnlich ging es uns bei der Anfrage eines FKK-Ferienresorts, das uns eine Woche Gratis-Urlaub anbot. Ich bin ja nicht hauptberuflich Bloggerin, ich blogge neben meiner eigentlichen Arbeit als Journalistin. Ich konnte also gut begründet aus Zeitgründen ablehnen. Glück gehabt.

Neben den vielen Päckchen, die meinen Briefkasten erreichen, quillt überdies aber leider zusätzlich mein E-Mail-Postfach über. 2.713 ungelesene Nachrichten blinken mir von meinem Smartphone-Bildschirm entgegen. Ich komme gar nicht mehr hinterher.

Das liegt zum einen daran, dass manche Firmen mich gleich zwölfmal an ihr nächstes Event erinnern. Zum anderen daran, dass ich Mails, die mit „Liebe Redakteure“ beginnen, erst mal nach hinten verschiebe. Lese ich später, denke ich. Mach ich dann aber nie. Und manchmal werde ich auch mit „Hallo Ekaterina, kennst du schon unsere neuesten recycelbaren Kondome?“ begrüßt. Da weiß ich dann, dass die Mail wohl an Ekaterina und vermutlich tausend weitere „Influencer“ im gleichen Wortlaut geschickt wurde. Kann passieren, wir sind ja alle nur Menschen.

Die Idee, dem nächsten, der mir so schreibt, einfach meinen Waxing-Gutschein anzubieten, gefällt mir trotzdem. Und so frisch gewaxt lässt sich doch dann auch super der FKK-Familienurlaub anschließen. Ich lese derweil die Mail vom Brauereiverband, der mich vor Alkohol in der Schwangerschaft warnt, beantworte die Einladung zur Pressevorführung einer auslaufsicheren und hygienisch angeblich einwandfreien Menstruationstasse und denke: Hm, vielleicht wäre die Popo-Dusche im Luxushotel doch die bessere Alternative gewesen.

 

 
 

Kommentare

Einfach großartig, sehr unterhaltsam. Danke!


randbemerkung

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