Balanceakt: Wie soll man in der Kommunikation mit der Wahrheit umgehen? (c) Getty Images/Mbolina
Balanceakt: Wie soll man in der Kommunikation mit der Wahrheit umgehen? (c) Getty Images/Mbolina
Dürfen Pressesprecher lügen?

Im Zweifelsfall „no comment“

Wie sollen Kommunikationsverantwortliche mit der Wahrheit umgehen? Ein Meinungsbeitrag von Andrea Rexer, Kommunikationschefin der HypoVereinsbank.
Andrea Rexer

Einmal ist es mir passiert, dass mir ein Pressesprecher direkt ins Gesicht log. Damals war ich Bankenreporterin in Frankfurt. Schon am nächsten Tag flog seine Lüge auf. In nur einem einzigen Tag hat dieser Pressesprecher mein Vertrauen in sein Unternehmen pulverisiert.

Nun sitze ich selbst auf der anderen Seite des Schreibtischs – und habe nicht vergessen, wie zerstörerisch eine noch so kleine Lüge ist. Deswegen kann ich mir nur verwundert die Augen reiben, wenn so manche „Kommunikationsexperten“ behaupten, nur wer lügen dürfe, könne kommunizieren. Ich würde sagen: Wer glaubt, lügen zu müssen, versteht sein Handwerk nicht.

Natürlich bedeutet das nicht, dass man als Kommunikator immer alles sagen müsste oder sollte. Es gibt Dinge, die aus verschiedensten Gründen vertraulich sind. Oder die man zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht erzählen will. Eine Frage: Haben Sie in Ihrem letzten Bewerbungsgespräch ganz offen über Ihre Schwächen gesprochen, oder haben Sie womöglich etwas von „Perfektionismus“ gefaselt, um in einem besseren Licht dazustehen?

Wie viel Offenheit möglich ist, hängt von vielen Faktoren ab – auch externen. Ein Beispiel: Während wir als HVB/UniCredit der Öffentlichkeit mitteilten, wie viele Corona-Fälle wir in der Belegschaft haben, gab es Regierungen in anderen Ländern, in denen die UniCredit operiert, die lokal Druck ausübten, genau das nicht zu tun. Wie viel Wahrheit einem Kommunikator zugestanden wird, hängt also vom Kontext ab.

Zwischen Wahrheit und Lüge gibt es einen Ausweg: das „no comment“. Kein Kommentar. Im Zweifelsfall ist es zwar nicht besonders hilfreich für die Journalisten, weil es die Frage nicht beantwortet – aber sie wissen, woran sie sind. 

Für Ausgabe 1/2021 haben wir vier Kommunikationsverantwortliche gefragt, ob Pressesprecherinnen und Pressesprecher lügen dürfen. Die weiteren Antworten finden Sie in der Print-Ausgabe.

 
 

Kommentare

"Wer glaubt, lügen zu müssen, versteht sein Handwerk nicht." - Danke für diesen klaren Satz!


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