Daniel Konrad mit einem Kommentar zur Litigation PR im Hoeneß-Prozess (c) Dreamstime
Daniel Konrad mit einem Kommentar zur Litigation PR im Hoeneß-Prozess (c) Dreamstime

Im Namen des Volkes

Das Urteil im Fall Hoeneß ist auch im Gerichtssaal der Öffentlichkeit gefallen. Ein Kommentar von Daniel Konrad, Berater bei FleishmanHillard.
Daniel Konrad

Das Urteil ist gesprochen: Uli Hoeneß, ein Mann mit vielen Titeln, der Weltmeister, Wurstfabrikant und Wohltäter, ist seit heute auch verurteilter Steuerhinterzieher und muss für drei Jahre und sechs Monate hinter Gitter.

Vier Tage lang waren die Augen der deutschen Öffentlichkeit gebannt auf das Landgericht München II gerichtet. Rund 100 Journalisten wohnten dem Strafprozess bei – viele twitterten sogar live aus dem Gerichtssaal. Kurz vor dem Urteil forderte des Volkes publizistische Stimme heute in großen Lettern: „Im Namen aller ehrlichen Steuerzahler: Verknackt Hoeneß“.

Im Vorfeld des Prozesses verwiesen die Fans von Uli Hoeneß auf sein soziales Engagement und die immense Lebensleistung. Die Gegenseite führte die gewaltige Steuerschuld des Fußball-Tycoons in Höhe von 27 Millionen Euro ins Feld. In den Medien wurde jedes Detail des Verfahrens in allen Einzelheiten diskutiert, kommentiert und beurteilt. Damit ist es bereits früh zu einem klassischen Fall für Litigation-PR, also prozessbegleitender Öffentlichkeitsarbeit, geworden. Der Fall Hoeneß enthält alle wichtigen Ingredienzien: streitbare Person des öffentlichen Interesses, Thema mit Skandalisierungspotenzial, das die Öffentlichkeit versteht sowie ein hoher Streitwert.

Litigation-PR unterstützt stets die anwaltliche Strategie. Im Fall Hoeneß hat jedoch das späte Geständnis seiner Glaubwürdigkeit geschadet: schwierige Voraussetzungen auch für Litigation-PR. Neben der Strafe schmerzt der Reputationsschaden den einst gefeierten Fußballmanager besonders. Generell ist zu sagen: Prominente Steuerhinterzieher und andere Personen der Öffentlichkeit sollten sich frühzeitig um Litigation-PR-Unterstützung bemühen, um nicht nur vor einem Richter, sondern auch im Gerichtssaal der Öffentlichkeit zu gewinnen.

Der Fall Hoeneß zeigt: Selten zuvor ist „Im Namen des Volkes“ in einem doppelten Sinne so wahr gewesen.

 

 

Ist das Urteil gegen Hoeneß gerecht?

Wir haben bei Berliner Passanten nachgefragt. 

 

 
 


randbemerkung

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