Ines Thomas hat sich eine akademische Auszeit genommen. (c) Quadriga Media Berlin/Studio Condé Nast/ Mister Spex/R3DT
Ines Thomas hat sich eine akademische Auszeit genommen. (c) Quadriga Media Berlin/Studio Condé Nast/ Mister Spex/R3DT
Sabbatical in der PR

"Ich war von der ersten Minute an in Action"

Einmal eine Auszeit nehmen – wovon viele träumen, haben drei Kommunikatoren gemacht. In unserer Miniserie erzählen sie von ihren Sabbatical-Erfahrungen. Ines Thomas, Director Corporate Communications und Pressesprecherin des Verlags Condé Nast, blickt im ersten Teil zurück auf ihr Academical Sabbatical.
Anne Hünninghaus

Ausbrechen, innehalten, aufbrechen: Irgendwann kommt für viele im Job der Zeitpunkt, an dem sie sich wünschen, die Routine hinter sich zu lassen und mithilfe eines Sabbaticals eine Weile im eigenen Takt zu leben. Manche erwischt der Moment bereits früh, andere nach einem Aufstieg oder auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Ebenso unterscheiden sich die Sehnsüchte, wie dieser Zeitraum zu füllen ist. Soll die persönliche Weiterbildung im Fokus stehen? Möchte man mehr Zeit mit der Familie verbringen? Sich sortieren und beruflich neu aufstellen? Oder träumt man von der Weltreise inklusive Entspannung unter Palmen? 

Ines Thomas (37): Auszeit in Berkeley

→ Academic Sabbatical von September 2015 bis Dezember 2015
→ Vorher: Director Corporate Communications/ Pressesprecherin beim Condé Nast Verlag
→ Heute: dieselbe Position

Vor zwei Jahren habe ich mich für vier Monate auf eine temporeiche Reise gemacht. Ich war zu dem Zeitpunkt schon rund sechs Jahre bei Condé Nast, wo ich auch heute noch das vierköpfige PR-Team leite. Die Medienbranche ist ohnehin ein dynamisches Umfeld – auch und gerade für Kommunikatoren –, zudem kam ich damals aus einer sehr intensiven Phase, in der ich eine Doppelfunktion innehatte: Neben der Unternehmenskommunikation verantwortete ich die Markenstrategie zum Launch des Innovations-Magazins Wired. Nach der Launchphase, als ganz ungewohnt etwas mehr Ruhe einkehrte, stellte ich mir die Frage: Was kommt jetzt? Ich war zwar glücklich mit meiner Stelle, hatte aber „Durst“ nach frischem Input.

Der Austausch mit einer Bekannten brachte mich auf die Idee, ein Academic Sabbatical zu machen und noch einmal im Ausland zu studieren. Das Post-Graduate-Programm in Berkeley erschien mir ideal, da es intensiv auf vier Monate komprimiert ist und sich explizit an Working Professionals richtet. Mir gefiel der Netzwerkgedanke, gemeinsam mit Menschen aus der ganzen Welt Neues zu lernen. Einige Kontakte sind mir bis heute erhalten geblieben.

Meinen Plan habe ich mit etwa einem halben Jahr Vorlauf meinem Chef präsentiert. Es war meine Initiative und auch mein finanzielles Risiko, aber natürlich brauchte ich die Freistellung und damit sein Okay. Der Faktor, dass das International-Marketing-Studium nahe dem Silicon Valley auch einen inhaltlichen Mehrwert für meinen Job bringt, machte es natürlich leichter, ihn zu überzeugen. Zum Glück fand er mein Vorhaben sowohl persönlich als auch fachlich unterstützenswert und sinnvoll.

"Ich bekam einen richtigen Energieschub"

Der Bewerbungsprozess für das Studium war dann relativ aufwändig und langwierig. Als drei Monate vor Start endlich der positive Bescheid der Uni kam, habe ich mein Team informiert. So hatten wir genügend Zeit, alles gemeinsam vorzubereiten und Entscheidungen zu treffen, welche Aufgaben umverteilt oder an die Agentur ausgelagert werden.

Das Team hat auf meine Sabbatical-Pläne mit gemischten Gefühlen reagiert. Einerseits haben sich meine Kollegen für mich gefreut, waren andererseits im ersten Moment aber auch ein bisschen erschrocken, weil nicht genau absehbar war, was das für sie an Mehrarbeit und zusätzlicher Verantwortung bedeuten würde. Schließlich ließen sich die vier Monate aber gut überbrücken, und für wichtige Themen und Fragen war ich trotzdem erreichbar. Ein längerer Zeitraum wäre aber vermutlich schwer machbar gewesen.

Im September ging es dann auf nach Kalifornien. Das war eine aufregende Zeit. Von Entschleunigung kann bei dieser Art des Sabbaticals keine Rede sein, ich war von der ersten Minute an in Action. Gleichzeitig haben mir das Programm und der Aufenthalt dort aber einen richtigen Energieschub gegeben. Ich wollte in den vier Monaten alles mitnehmen und so viele neue Eindrücke und Begegnungen wie möglich „speichern“. Das habe ich nicht als Anstrengung empfunden, sondern eher als ein Batterieaufladen. Und ich habe es genossen, im Ausland in einen neuen Alltag einzutauchen, anstatt irgendwo nur auf der Durchreise zu sein.

Zurückgekommen bin ich kurz vor Weihnachten und hatte so das Glück, erst einmal zehn Tage im Familienmodus zu verbringen und richtig ankommen zu können, bevor ich dann im Januar wieder ins Büro zurückgekehrt bin.

Heute profitiere ich nicht nur von dem fachlichen Input; durch den Abstand habe ich außerdem gelernt, Kontrolle abzugeben und besser zu delegieren. Auch das ist wertvoll als Führungskraft zu verinnerlichen: Die Welt bleibt nicht stehen, wenn man als Chef mal eine Zeit lang nicht da ist. Es war gut, sich das vor Augen zu führen. Auch mein Team hat diese Erfahrung sicherlich weitergebracht. Ich bin davon überzeugt, dass von einer solchen Auszeit Unternehmen und Arbeitnehmer gleichermaßen profitieren können.

Protokolliert von Anne Hünninghaus

 

 
Ines Thomas, Condé Nast Verlag (c) Studio Condé Nast
Ines Thomas
Condé Nast Verlag
Director Corporate Communications/ Pressesprecherin

Ines Thomas ist Director Corporate Communications/ Pressesprecherin beim Condé Nast Verlag in München. Zuvor war sie Beraterin bei der Netzwerkagentur Pleon.

 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 



randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Weitere Beiträge dieser Serie.

Achim Schneider hat seine Karriere nach zwanzig Berufsjahren neu justiert. (c) Fotos/Collage: Quadriga Media Berlin/Studio Condé Nast/Mister Spex/R3DT
Fotos/Collage: Quadriga Media Berlin/Studio Condé Nast/Mister Spex/R3DT
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

„Es gibt Wichtigeres als die Arbeit“

Einmal eine Auszeit nehmen – wovon viele träumen, haben drei Kommunikatoren gemacht. In unserer Miniserie erzählen sie von ihren Sabbatical-Erfahrungen. Im zweiten Teil berichtet Achim Schneider, früherer Leiter der Unternehmenskommunikation bei Porsche, wie er sein Leben neu justiert hat. »weiterlesen
 
Katharina Berlet ist acht Monate durch die Welt gereist. (c) Quadriga Media Berlin/Studio Condé Nast/Mister Spex/R3DT
Fotos/Collage: Quadriga Media Berlin/Studio Condé Nast/Mister Spex/R3DT
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

"Manchmal muss man innehalten“

Einmal eine Auszeit nehmen – wovon viele träumen, haben drei Kommunikatoren gemacht. In unserer Miniserie erzählen sie von ihren Sabbatical-Erfahrungen. Im dritten und letzten Teil berichtet Katharina Berlet von ihrer einjährigen Auszeit, in der sie ihr Drang nach Freiheit in die weite Welt geführt hat – ein Gefühl, das sie sich bis heute bewahrt. »weiterlesen
 

Das könnte Sie auch interessieren.

Die PR-Fotos des Jahres (c) Digitec Galaxus AG/Thomas Kunz; Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)/Stephanie Scholz; Malteser Hilfsdienst/Alexander Licht; Collage: Quadriga Media
Fotos: Digitec Galaxus AG/Thomas Kunz; Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)/Stephanie Scholz; Malteser Hilfsdienst/Alexander Licht; Collage: Quadriga Media
Lesezeit 1 Min.
Meldung

Das sind die besten PR-Fotos 2020

Das Foto „Tetris Challenge – 1800 Dinge, die Leben retten“ des Malteser Hilfsdienstes ist das PR-Foto des Jahres in Deutschland. »weiterlesen
 
PR-Verantwortliche und Journalist:innen stehen in einer Art kommunikativen Symbiose zueinander, aus der Spannendes entstehen kann. (c) Getty Images/scyther5
Foto: Getty Images/scyther5
Lesezeit 1 Min.
Kommentar

PR-Leute wollen nicht nur verkaufen

Kommunikationsverantwortliche und Journalist:innen sollten mehr Verständnis füreinander zeigen, meint Siemens-Kommunikationschefin Clarissa Haller. »weiterlesen
 
Sieht sich in Unternehmen gut aufgehoben, die mit kontroversen Themen zu tun haben: Claudia Oeking. (c)  Philip Morris Deutschland
Foto: Philip Morris Deutschland
Lesezeit 7 Min.
Interview

„Es gilt, Vorurteile abzubauen“

Claudia Oeking von Philip Morris über ihre Karriere, Chancengleichheit und die Notwendigkeit, dass Unternehmen bei Diversität endlich Fortschritte erzielen. »weiterlesen
 
Bei digitalen Bewerbungsverfahren bleiben die Zwischentöne oft auf der Strecke. (c) Getty Images/Pheelings Media
Foto: Getty Images/Pheelings Media
Lesezeit 4 Min.
Ratgeber

Was digitalen Job-Interviews fehlt

Aktuell finden Bewerbungsverfahren und Interviews hauptsächlich digital statt. Dadurch verändern sich die Anforderungen und Erwartungen an Arbeitergeber und Bewerber. »weiterlesen
 
Ab 1. Oktober 2020 neue Kommunikationschefin des Deutschen Fußball-Bunds (DFB): Mirjam Berle. (c) picture alliance/P0009
Foto: picture alliance/P0009
Lesezeit 4 Min.
Porträt

Krisenerprobte Mannschaftssprecherin

Mirjam Berle übernimmt einen der begehrtesten Jobs der Kommunikationsbranche. Sie wird Direktorin „Öffentlichkeit und Fans“ beim DFB. Neben der Positionierung der Nationalmannschaften gehören Krisenkommunikation und die Rückgewinnung von Vertrauen in den Verband zu ihren Aufgaben. »weiterlesen
 
Christian Drosten erhielt den Ehrenpreis des BdKom. Foto: Jana Legler
Foto: Jana Legler
Lesezeit 4 Min.
Meldung

BdKom zeichnet Christian Drosten aus

Der Bundesverband der Kommunikatoren würdigt die Aufklärungsarbeit des Virologen in der Corona-Pandemie. »weiterlesen