Foto: Managerseminare Verlag
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Rezension

Herz über Kopf

Hans-Georg Huber bringt auf den Punkt, was jeder Prozessbegleiter können sollte – und ­vermittelt einen wertvollen Einblick in das ­Potenzial von Coaching.  
Anna Gielas

Es klingt widersprüchlich: Der Coaching-Pionier Hans-Georg Huber fördert die praktischen Fähigkeiten von Coaches und Prozessbegleitern, indem er praxisorientierte Tipps und Tools bewusst in den Hintergrund rückt. Er wählt diese Strategie, weil er den aktuellen Strukturen und Inhalten von Coach-Ausbildungen kritisch gegenübersteht.
Als er seine erste Ausbildung durchführte, habe es nur einige wenige Anbieter gegeben – heute seien es Hunderte. Um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, bieten sie verknappte Schulungen, gar Fernstudien an und wollen so auf die hochkomplexe Arbeit mit Menschen vorbereiten. Im Fokus dieser Lehrgänge stehen oft Tools und praxisnahe Tipps. Was dabei zu kurz komme, schreibt Huber, sei die Vermittlung entscheidender Kompetenzen, die Prozessbegleiter, Coaches und Führungskräfte brauchen.
Eine dieser Fertigkeiten ist die Intuition. Der ausgebildete Psychotherapeut Huber erinnert uns daran, dass diese kein angeborenes, mysteriöses Talent ist, sondern mit Bedacht und Geduld erlernt werden kann – und sollte. Denn wenn wir unsere Handlungsfähigkeit bewahren wollen, sollten wir die Situation intuitiv erfassen, auf unser Bauchgefühl vertrauen. Eine andere entscheidende Fähigkeit ist die regelmäßige kritische Selbstreflexion. Laut Huber sollten Prozessbegleiter erwägen, welche persönlichen Eigenschaften stärker als Ressource in die Arbeit eingebracht werden sollen und welche hingegen besser unter Kontrolle gebracht werden müssen.
In der zweiten Hälfte des Buchs rückt die Praxis in den Vordergrund: Huber geht nun chronologisch die Etappen des Coaching-Prozesses durch und zeigt, wann welche Kompetenzen und Überlegungen gefragt sind. Er beginnt bei der Auftragsabklärung, denn hier werden erste entscheidende Weichen dafür gestellt, ob Entwicklungsprozesse funktionieren oder scheitern. So sollte ein unerfahrener Coach gerade die ersten Aufträge vorsichtig wählen – und durchaus auch mal ablehnen. Etwa wenn der Auftraggeber bestimmte Konzepte oder Tools von ihm erwartet, die ihm nicht liegen.
Auszusetzen gibt es an Hubers Buch nur eines: seine ungenauen Formulierungen wie „als Grenzensetzer müssen wir zum Beispiel eine gewisse Massivität (…) hervorholen“. Der Leser muss bisweilen raten, was der Autor meinen könnte.
Trotz sprachlicher Schwächen schärft Hubers Buch das Bewusstsein seiner Leser für die essenziellen Fähigkeiten eines Coachs. Dabei erinnert der Autor immer wieder daran, dass Prozessbegleitung eine verantwortungsvolle Tätigkeit ist, in der Menschen sich ihren Coaches anvertrauen. Sein Buch ist nicht nur empfehlenswerte Lektüre für Prozessbegleiter, sondern auch für all jene, die wissen möchten, was sie vom Coaching erwarten können und wo die Grenzen der Beratung liegen.

 

Fazit:

(Sollte man gelesen haben)

Huber schreibt mit der Autorität eines Fachmanns – und mit einer Leidenschaft für seine Arbeit, die ihn zu einem ebenso aufmerksamen Beobachter wie hilfreichen Ratgeber macht. So gelingt ihm ein empfehlenswertes Buch.
 

(c) Managerseminare Verlag

 

Die Kunst, Entwicklungsprozesse zu ­gestalten, Erfolgsfaktoren in Coaching, Führung und Prozessbegleitung
Hans-Georg Huber, 328 Seiten, ­Managerseminare Verlag, 49,90 Euro

 

 

 
 


randbemerkung

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