Foto: Getty Images/Image Source
Foto: Getty Images/Image Source
Mitarbeiterführung

Hand aufs Hirn: Verstehen Sie Führung?

Gelungene Mitarbeiterführung ist Kopfsache? Wie sehr Kommunikation unsere neuronalen Prozesse steuert, ist verblüffend. Ein Einblick in die Wissenschaft würde Führungskräften – und damit auch den Mitarbeitern – das Leben und den Erfolg leichter machen, meint Kerstin Feddersen in einer neuen Folge der "Echolot"-Kolumne.
Kerstin Feddersen

Viele Chefs wissen gar nicht, wie wichtig sie sind. Von wegen, denken Sie? Wir meinen nicht das „wichtig“, das unser Ego uns vorgibt, sondern das Wahrhaftige. Führungskräfte gestalten, entscheiden, verantworten und – führen. Das ist bekannt. Vor allem aber haben sie eine Vorbildfunktion. In dieser Funktion steckt die wahre Kraft: Damit heben sie das Potenzial ihrer Mitarbeiter. Das bestätigt die Gallup-Studie in ihrem jüngsten Engagement Index: Führungskräfte sind die Stellschraube, an der gedreht werden muss, um zu motivieren. Unsere Erfahrung zeigt, dass nahezu jeder Chef denkt, er oder sie sei ein gutes Vorbild: Offen für Feedback und gar Kritik, wertschätzend, empathisch, dynamisch, kommunikativ – you name it.

Aber warum ist der Motivationspegel in so vielen Unternehmen im Bodenbereich? Warum geht der Change-Frust um? Weil die Defizite nur hinter vorgehaltener Hand benannt werden. Wer sagt denn seinem Vorgesetzten schon offen und ehrlich, was schief läuft, was nervt? Eine Minderheit in der Masse der Mitarbeiterschaft. Und welcher Chef will schon im Detail wissen, was seine Leute bewegt? Dabei liegt genau hier der Schlüssel zum Erfolg.

Erkenne Dich selbst, dann verstehst Du einiges

Erkenne Dich selbst – diese Aufforderung ziert den Apollontempel von Delphi und ist eine der ältesten und nach wie vor wichtigsten Forderungen der Philosophie an den Einzelnen. Wer in seinem Kämmerlein erfolgreich aufräumt, kann auch große Hallen entrümpeln. Konkret: Wenn Führungskräfte ihre eigenen Defizite erkennen, annehmen und angehen können, werden sie Kritik von außen einfordern und aushalten. Und mit der Selbsterkenntnis kommt die ganz große Chance, den Blick auf die Mitarbeiter zu wagen und den kulturellen Wandel im Unternehmen zu initiieren.

Erst neurobiologisch, dann kommunikativ

An diesem Punkt wird es für Führungskräfte enorm wichtig zu verstehen, was im Kopf der Kollegen passiert, wenn Aussage A oder Aussage B kommuniziert wird. Die Hirnforschung gibt hier wertvolle Hilfestellung. Achtung – hier geht es nicht um Manipulation, sondern darum, menschliche Bedürfnisse zu erkennen und die Führungsrolle danach auszurichten. Einhergehend mit einer persönlichen Transformation, die dieses Erkennen erst möglich macht.

Gut zu wissen beispielsweise, dass Angst die Ausbildung neuer Netzwerke im Gehirn verhindert und damit auch keine neuen Fähigkeiten entstehen können. In Veränderungssituationen sind neue Fähigkeiten aber extrem hilfreich – hinderlich nur, wenn durch falsche oder fehlende Kommunikation die Angst geschürt wird. Change-Berater Winfried Berner bestätigt diese Schlüsselfunktion: „Das beste Gegenmittel gegen Ängste ist offene Kommunikation und das zügige Schaffen klarer Verhältnisse. Selbst eine unangenehme Wahrheit ist leichter zu ertragen als das Gefühl, wochen- und monatelang in der Luft zu hängen. Doch nicht nur der Sachinformationen wegen ist Kommunikation in unruhigen Zeiten wichtig: Sie ist auch notwendig, um die Beziehung zu stabilisieren und das Vertrauensverhältnis zu bekräftigen.“

Führungskräfte sind eben diejenigen, die in unruhigen Zeiten Halt geben, stabilisieren. Für den Menschen ist es ein Grundbedürfnis, sich verbunden zu fühlen. Privat, im Job, immer. Verliert er das Gefühl verbunden zu sein, verarbeitet das Gehirn diesen Zustand in den selben neuronalen Netzwerken, in denen körperlicher Schmerz empfunden wird. „Verbundenheit ist Beruhigungsmittel in Zeiten großer Verunsicherung“, schreibt Sebastian Purps-Pardigol in seinem Buch „Führen mit Hirn“. Hier berichtet er von Unternehmen, in denen der Kulturwandel gelungen ist. Sie alle haben eines gemeinsam: Die Führungskraft hat sich selbst hinterfragt, bevor er oder sie die Notwendigkeit eines Kulturwandels erkennen – und einleiten konnte. An diesem Punkt sind es zutiefst menschliche Grundbedürfnisse, die erfüllt werden müssen, um – so banal das auch klingen mag – glückliche und motivierte Mitarbeiter zu haben.

Eines dieser Bedürfnisse ist Vertrauen. Vertrauen beeinflusst neuronale Aktivitäten gerade in herausfordernden Situationen positiv. Sprich: Sie erstarren nicht vor Angst, sondern können auf Ihr geistiges Potenzial voll zugreifen. Ein Beispiel für gelebtes Vertrauen ist die Firma Phoenix Contact. Hier hat die systematische Schaffung von Vertrauen zu einer Feedback-Kultur geführt, die in beide Richtungen funktioniert. So erfahren die Mitarbeiter, was die Führungskräfte beschäftigt – und umgekehrt. Durch diese Offenheit entsteht ein Gefühl der Zugehörigkeit, aus der ein Einsatz zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens erwächst, der durch keinen finanziellen Anreiz erreichbar gewesen wäre.

Erfolg hat zwei Gesichter

Der Motor allen Handelns ist und bleibt natürlich der wirtschaftliche Erfolg. Auch das eine Erkenntnis aus oben erwähntem Buch: „Nur wenn eine Führungskraft die Fähigkeit in sich trägt, regelmäßig erfolgreiche wirtschaftliche Kennzahlen zu erreichen, ist sie in der Lage, auch langfristig eine beachtenswerte Kultur im eigenen Team, in der eigenen Abteilung oder im ganzen Unternehmen entstehen zu lassen.“, schreibt Purps-Pardigol in Bezug auf alle aufgeführten Beispiele. Es ist die Mischung aus Psychologie, dem gemeinsamen Willen etwas zu schaffen, gemeinsam erfolgreich zu sein und auf diesem Weg wahrgenommen zu werden. Zunächst als Mensch, dann als Mitarbeiter.

Glaube, Liebe, Hoffnung?

Und die Quintessenz aus all dem? Daran glauben, dass der Chef geläutert aus dem Wanderurlaub zurückkehrt? Hoffen, dass er irgendwann mal merkt, wie die Stimmung ist? Kann passieren, wird aber eher die Ausnahme bleiben. Hier kommt wieder das Glück ins Spiel: Sie arbeiten in der Internen Kommunikation und können solche Prozesse auslösen. Die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung sind ein wertvoller Wissensschatz, den auch die Interne Kommunikation für sich heben kann. Wir würden mit einem Reality Check starten. Auch wenn Sie damit eventuell der Überbringer schlechter Nachrichten sind: Spiegeln Sie dem Chef, wie die Stimmungslage ist und formulieren Sie Handlungsempfehlungen aus ihrem neuem Wissen. Eine Mitarbeiterbefragung entlastet Sie der Spekulation und bringt Fakten auf den Tisch, denen man sich stellen darf und sollte.

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Weitere Beiträge dieser Serie.

New Work verspricht mehr Freiräume für Kreativität – aber mit bunten Sitzecken allein ist es nicht getan. (c) Getty Images/XiXinXing
Foto: Getty Images/XiXinXing
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Erst der Sinn, dann das Vergnügen

Flache Hierarchien, gute Work-Life-Balance, mehr Freiraum für Eigenverantwortung und Kreativität – all das verspricht das Konzept des New Work. Doch mit einem Kaffeevollautomaten und einer bunten Sitzecke im Büro ist es nicht getan, wie Expertin Andrea Montua in der neuen „Echolot“-Folge erklärt. »weiterlesen
 
Von der schon fast aufdringlichen Neugierde der Marketingabteilungen kann die interne Kommunikation oft noch etwas lernen. (c) Getty Images/almir1968
Foto: Getty Images/almir1968
Lesezeit 2 Min.
Kolumne

Und, wie war’s für dich?

Die Mitarbeiterbefragung soll Licht ins große Dunkle bringen. Doch der Beziehungsstatus mit der internen Kommunikation ist: kompliziert. Eine neue Folge der Echolot-Kolumne zur digitalen Transformation in der internen Kommunikation. »weiterlesen
 
Die interne Kommunikation kann den Flurfunk nicht eliminieren, aber steuern. (c) Getty Images/Bablab
Bild: Getty Images/Bablab
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Frieden schließen mit dem Flurfunk

Der Flur ist einer der meist genutzten Kommunikationskanäle in jedem Unternehmen. Und er ist durchaus beliebt, der Flurfunk. Die interne Kommunikation kann ihn als Herausforderung annehmen. »weiterlesen
 
Wer nach einem Fehler nicht nur aufräumt, sondern auch für die Zukunft lernt, kommt weiter. (c) Getty Images/z_wei
Bild: Getty Images/z_wei
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Nach dem Fehler ist vor dem Erfolg

Die „Echolot“-Kolumne beleuchtet die interne Kommunikation in Zeiten digitaler Transformation. Dieses Mal beschreibt Kerstin Feddersen, welche Fehler in der Kommunikation lauern. »weiterlesen
 
Veränderungen ohne Frust umsetzen - das geht, wenn man fünf einfache Dinge beachtet. (c) GettyImages/Andrew_Deer
Foto: GettyImages/Andrew_Deer
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Transformation? Change mich am Arsch!

So mancher Mitarbeiter reckt instinktiv den Mittelfinger, wenn das Thema Transformation auf der Unternehmens-Agenda steht. Denn zu viele gescheiterte Changeprojekte führen dauerhaft zu Frust und Verweigerung. Wie man dem gezielt entgegenwirkt, erläutert Katia Kröger in einer neuen Folge der "Echolot"-Kolumne. »weiterlesen
 
Holen Sie sich auch Hilfe aus anderen Abteilungen, wenn es brennt. (c) Thinkstock/z_wei
Foto: Thinkstock/z_wei
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Wenn der Change-GAU droht

Sie haben das Gefühl, dass die Veränderungen im Unternehmen das Betriebsklima belasten, doch die Chefetage erkennt die Alarmsignale nicht? Was Sie tun können, um Ihren Arbeitgeber vor dem Change-GAU zu bewahren, erklärt unsere heutige „Echolot“-Kolumne. »weiterlesen
 
Die unangefochtene Queen der Mitarbeitermedien ist die gedruckte Mitarbeiterzeitschrift. (c) Thinkstock/Sportactive
Foto: Thinkstock/Sportactive
Lesezeit 4 Min.
Kolumne

Die Queen der Internen Kommunikation

In Zeiten von Fake News scheint die hiesige Presse ein latentes Glaubwürdigkeitsproblem zu haben. Kranken daran auch die unternehmensinternen Medien? In der neuen Folge der Kolumne „Echolot“ beleuchtet Katia Kröger die klassische Mitarbeiterzeitschrift – und geht deren generellen Daseinsberechtigung auf den Grund. »weiterlesen
 
(c) Thinkstock/z_wei
Foto: Thinkstock/z_wei
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Führung in Futur: Zehn Thesen

Miese Noten für deutsche Chefs: Der aktuelle Kununu-Führungskräftereport identifiziert Vorgesetzte und deren wenig vorbildliche Unternehmenskultur als Kündigungsgrund Nummer eins. Kein Grund zur Panik: In der neuen Folge der „Echolot“-Kolumne von MontuaPartner Communications skizziert Katia Kröger zehn Ideen für gute Führung 4.0. »weiterlesen
 
Kreation bringt frische Farben auch in die Interne Kommunikation. (c) Thinkstock/your_photo
Foto: Thinkstock/your_photo
Lesezeit 2 Min.
Kolumne

Kein Change ohne Inspiration

Abschweifen erlaubt: Wer kreative Impulse sucht, findet sie meist nicht in Strategiepapieren. Doch ganz gleich, woher die Inspiration zur Kreativität auch kommen mag – aus der Philosophie, der Botanik, der Literatur: Die Interne Kommunikation sollte sie sich dringend zunutze machen, um interne Kommunikationsmittel originell und aufmerksamkeitsstark ins Rampenlicht zu rücken. Die neue Folge der „Echolot“-Kolumne, diesmal von Wolfgang Lux. »weiterlesen
 
Manchmal braucht es eine Komplettsanierung, um eine negative Unternehmenskultur zu bekämpfen. (c) Thinkstock/Gutzemberg
Foto: Thinkstock/Gutzemberg
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Kampf dem Unternehmensmief

Was ist, wenn alle guten Absichten der Internen Kommunikation versanden, weil die Unternehmenskultur verfahren ist? Da hilft nur eines: Komplettsanierung. Und auch das ist eine Aufgabe für Kommunikatoren, wie Andrea Montua in der neuen Folge der „Echolot“-Kolumne erklärt. »weiterlesen
 
Die Rolle der IK hat in der jüngeren Vergangenheit von der Schreibstube zum Strategiepool eine rasante Karriere hingelegt. (c) Thinkstock/Artis777
Foto: Thinkstock/Artis777
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Gestern Schreibstube, heute Super-Job

In Zeiten der digitalen Transformation und großer Veränderungen brauchen Unternehmen eine zeitgemäße Kommunikation. Doch wie sieht diese aus? Antworten geben ab heute die IK- und Change-Spezialisten der Hamburger Agentur MontuaPartner Communications in unserer neuen Kolumne „Echolot“. Zum Auftakt: Katia Kröger über die neue Rolle der Internen Kommunikation. »weiterlesen
 

Das könnte Sie auch interessieren.

Hello, hello – wenn Unternehmen ihre Unternehmenssprache ändern, sollten sie behutsam vorgehen. (c) Getty Images/Rixipix
Foto: Getty Images/Rixipix
Lesezeit 5 Min.
Lesestoff

In English, please

Um Kommunikation über Ländergrenzen hinweg zu vereinfachen und um für internationale Mitarbeiter attraktiv zu sein, führen manche deutsche Unternehmen Englisch als Unternehmenssprache ein. Wer dabei jedoch nicht klug vorgeht, beschwört Probleme herauf. »weiterlesen
 
Ob Gedankentricks oder physische Vorbereitung – am Ende zählt die Devise: Es muss nicht perfekt sein. (c) Getty Images/jakkaje808
Foto: Getty Images/jakkaje808
Lesezeit 2 Min.
Ratgeber

Fünf Tipps gegen Lampenfieber

Wie Sie Ihre Aufregung in den Griff bekommen und eine gelungene Ansprache halten.  »weiterlesen
 
Barbara Niedner (c) privat
Foto: privat
Lesezeit 8 Min.
Interview

„Aufmerksamkeit ist immer die Währung“

Im Gerangel um Positionen zeigen sich zwischen Affenhaus und Arbeitswelt erstaunliche Parallelen. Die Verhaltensbiologin und Führungskräftetrainerin Barbara Niedner im Interview über Konkurrenzverhalten bei Tier und Mensch. »weiterlesen
 
Mittelständische Unternehmen im ländlichen Raum konkurrieren mit Großkonzernen um Bewerber. (c) Getty Images/Jose Luis Cortés
Foto: Getty Images/Jose Luis Cortés
Lesezeit 5 Min.
Lesestoff

Profis für die Provinz

Im Kampf um die klügsten Köpfe und qualifiziertesten Mitarbeiter konkurrieren die „Hidden Champions“ unter den Unternehmen auch mit Großkonzernen. Mittelständler brauchen neue Kommunikationsstrategien, um sich intern und extern für den „War for Talents“ zu rüsten. »weiterlesen
 
Statt Vollgas lieber einen Gang zurückschalten – das heißt, auch mal mit den Kollegen einen gemütlichen Kaffee zu trinken. (c) Getty Images/rawintanpin
Foto: Getty Images/rawintanpin
Lesezeit 1 Min.
Kommentar

Entschleunigt die interne Kommunikation!

Statt Vollgas lieber einen Gang zurück: Das ist die Devise unseres Gastautors für die interne Kommunikation. Ein Kommentar.  »weiterlesen
 
KPIs, Commitment, Hands-on – im Büroalltag wimmelt es von scheinbar inhaltsleeren Begriffen. (c) Getty Images/FoxysGraphic
Foto: Getty Images/FoxysGraphic
Lesezeit 1 Min.
Glosse

Buzzword-Bingo im Büro

Versehentlich hat uns eine interne E-Mail aus der Kommunikationsabteilung erreicht. Jetzt spielen wir Buzzword-Bingo. Unsere sprecherspitze. »weiterlesen