Deutsche Agenturen kommunizieren vermehrt für den österreichischen Markt (c) thinkstock/crossstudio
Deutsche Agenturen kommunizieren vermehrt für den österreichischen Markt (c) thinkstock/crossstudio

Haben Österreichs PR-Agenturen ausgedient?

Deutsche Agenturen kommunizieren vermehrt für den österreichischen Markt. Wir haben bei fischerAppelt, relations und Grayling Austria nachgefragt, ob die Deutschen den Österreichern tatsächlich den Rang ablaufen.

"Österreich bei PR oft nur ein ‚deutsches Bundesland'" titelt „Wirtschaftsblatt.at" vor einigen Tagen. Internationale Kunden entscheiden sich vermehrt für deutsche PR-Agenturen, um den österreichischen Markt abzudecken, heißt es weiter. Für Susanne Senft, Vizepräsidentin des Public Relations Verbands Austria, verlieren Unternehmen ihre Präsenz in den österreichischen Medien, wenn die PR-Arbeit nicht von heimischen Agenturen übernommen wird.

pressesprecher lässt beide Seiten zu Wort kommen und hat bei Sepp Tschernutter, CEO von Grayling Austria, und Andreas Haas, Geschäftsführer von fischerAppelt, relations nach Ihrer Meinung zum deutsch-österreichischen PR-Verhältnis gefragt:

Herr Tschernutter, laufen deutsche PR-Agenturen den österreichischen tatsächlich den Rang ab?

Sepp Tschernutter, CEO Grayling Austria

"Wir können diese Aussage nicht bestätigen und die beiden genannten Beispiele von "Wirtschaftsblatt.at" sind keineswegs als Trend zu sehen. In der klassischen Medienarbeit aber auch in modernen Kommunikationsformen wie Blogger Relations oder Social Media Management ist es notwendig und wichtig, lokale Strukturen und Player zu kennen, Beziehungen zu pflegen, lokale Gegebenheiten und spezifische Wordings zu beachten.

Das könnte natürlich auch eine geeignete Person von Deutschland aus in Richtung Österreich umsetzen, in der Praxis ist das aber nicht der Fall.

Außerdem beobachten wir, dass die Kommunikation von internationalen Unternehmen immer stärker Konzernstrukturen folgt und für die Agenturbetreuung One-Stop-Lösungen bevorzugt werden.

So ist es etwa durchaus üblich, die PR im DACH-Raum zentral zu steuern, aber lokal umzusetzen. Wir haben mehrere Kunden, die wir von Österreich aus DACH-weit betreuen, in anderen Fällen erfolgt die Steuerung aus Deutschland oder der Schweiz. Als international aufgestellte Agentur ist für uns die grenzüberschreitende Zusammenarbeit Tagesgeschäft.

Mag sein, dass dies für kleinere lokale Agenturen gelegentlich zum Thema wird, denn natürlich kann eine deutsche Agentur in Österreich Presseaussendungen verteilen und den einen oder anderen Kontakt vermitteln. Das war es dann aber auch schon, denn viel mehr ist ohne professionellen Support vor Ort nicht möglich. Der Erfolg solcher Arbeit ist meist sehr überschaubar und nicht nachhaltig."

Herr Haas, wie ist es um den Status von Österreichs PR-Agenturen bestellt?

Andreas Haas, Geschäftsführer der fischerAppelt, relations

„Ich würde mehr von einer schrittweisen Gewichtsverschiebung sprechen als von einem Entweder-oder. Es gibt einerseits viele verbindende und vergleichbare Elemente zwischen Österreich und vor allem den süddeutschen Bundesländern - gleichzeitig hat der österreichische Markt weiterhin seine eigenständige Bedeutung und seine absoluten Besonderheiten.

Je mehr Kunden aber über Content-Plattformen nachdenken und weniger über Einzelmaßnahmen, je mehr Synergieeffekte und Budget-Effizienz eine Rolle spielen – desto mehr sind Agenturen gefordert hier eine funktionierende Lösung für die Kommunikation im gesamten deutschsprachigen Raum anzubieten. Und die besteht aus unserer Kundenerfahrung häufig in einem stärkeren Lead der deutschen Agentur, einem größeren Anteil von entwickelten Inhalten für die gemeinsame Arbeit – verbunden mit einer eher punktuellen Unterstützung von zum Teil auch kleineren Partnern aus Österreich.

Da schadet es natürlich auch nicht, dass wir hier mehrere österreichische Kollegen am Standort in München haben. Und was man nicht vergessen sollte: die sozialen Medien kümmern sich ohnehin wenig um Grenzen.“

 
 

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