Gute Vorsätze: Mit den Big Five endlich erfolgreich umsetzen (c) Thinkstock
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Egomacher-Kolumne

Gute Vorsätze: Mit den Big Five endlich erfolgreich umsetzen

Immer wieder rund um Neujahr fassen wir persönliche Vorsätze für mehr Mehr im Leben. Und scheitern meistens furios. Warum eigentlich? Und was hilft dagegen? Die nächste Folge unserer Egomacher-Kolumne
Niels Albrecht

Wer macht es nicht, sich gute Vorsätze für das neue Jahr vorzunehmen? Jedes Jahr wieder. Und nur wenige Tage nach dem Jahreswechsel sind die meisten von uns wieder im alten Trott angekommen. Die guten Vorsätze sind längst begraben. Wir haben uns in unseren tradierten Ritualen des Alltags eingerichtet. Meistens können wir uns im Sommer schon gar nicht mehr an unsere Vorsätze erinnern. Wir wissen nur, es waren Sätze, die alle so oder so ähnlich begannen: „Ich sollte eigentlich mal ...“ Nichts Konkretes eben, nur zahllose Ideen von einem „erfüllteren“ und „besseren“ Leben. Nur Floskeln oder wirklicher Wille? Bevor wir unsere Vorsätze hinterfragen, sollten wir uns selbst hinterfragen. Wie gehe ich an meine Ziele heran? Was ist meine innere Haltung? Habe ich die richtige Fokussierung auf mich selbst und meine Ziele? Wie aktiv setze ich meine Ziele um?

Jeder Mensch ist anders

Die Charaktereigenschaften eines Menschen haben Auswirkungen auf sein Verhalten und seine Pläne. Der eine jagt täglich nach neuen Ideen, während der andere lieber in aller Ruhe plant und seine Strategie langfristig umsetzt. Passen Ihre Ziele und deren Umsetzungsmaßnahmen eigentlich zu den Charaktereigenschaften Ihrer Persönlichkeit?

Zum Jahresbeginn möchte ich Ihnen eines der bekanntesten Persönlichkeitsmodelle der Psychologie, die Big Five, vorstellen. Bei der Frage nach dem eigenen Ich hat die Psychologie weit mehr anzubieten als die Psychotherapie von Sigmund Freud. Heute nimmt die Persönlichkeitsdiagnostik oder differenzielle Psychologie einen großen Raum innerhalb dieser Disziplin ein. Die Wissenschaftler fragen sich nicht mehr nur, wie die Psyche eines Menschen aussieht, sondern wie sich Menschen im Hinblick auf ihre geistigen Fähigkeiten unterscheiden.

In der differenziellen Psychologie steht im Vordergrund, anhand welcher Merkmale sich Menschen unterscheiden. Der deutsch-britische Psychologe Hans Jürgen Eysenck vertrat nach dem Zweiten Weltkrieg die Auffassung, dass es zwei Grunddimensionen der Persönlichkeit gebe. Zum einen den Neurotizismus, welcher eine instabil-ängstlich-besorgte Persönlichkeit bezeichnet, zum anderen das Gegensatzpaar aus Extraversion – Introversion, welches die Spannbreite von einer stabilen bis zu einer instabilen Persönlichkeit charakterisiert. Später ergänzte Eysenck seine Erkenntnisse um das Merkmal des Psychotizimus, welches aggressive, gefühlskalte, aber auch impulsive und kreative Persönlichkeiten bezeichnet.

Die Big Five

In der Weiterentwicklung dieses Forschungsansatzes führte der US-amerikanische Psychologe Lewis Goldberg 1981 den Begriff der Big Five, auch „Fünf-Faktoren-Modell“ genannt, ein, um zum Ausdruck zu bringen, dass es sich um allgemeingültige Dimensionen der Persönlichkeit handelt. Erst 1987 konnten die amerikanischen Forscher Paul Costa Jr. und Robert McCrae nachweisen, dass es unabhängig von den statistischen Methoden und Testverfahren fünf robuste Faktoren als Dimensionen der Persönlichkeit gibt, die durch bipolare Fragebögen anhand von Adjektivlisten identifiziert werden können. Heute gelten die Big Five als das internationale und universelle Standardmodell in der Persönlichkeitsforschung. Doch nicht nur dort sind sie nützlich. Besonders für das Erkennen des eigenen Profils, der eigenen authentischen Persönlichkeit, ist dieses Modell sehr gut geeignet. Lassen Sie uns also einen Blick darauf werfen, wie Sie mit diesem wertvollen Instrument Ihre einzelnen Persönlichkeitsmerkmale in den fünf Dimensionen herausarbeiten können.

Die Big Five sind jeweils aus gegensätzlichen Einzelmerkmalen zusammengesetzt, welche die Persönlichkeiten eines Menschen am besten charakterisieren. Die gegensätzlichen Pole stellen die Extrempersönlichkeiten dar. Wie Schwarz und Weiß. Üblicherweise haben wir mehr oder weniger von allem etwas. Eine vielfältige Melange unterschiedlicher Stärken und Schwächen.

Die ›Großen fünf Dimensionen der Persönlichkeit‹ setzen sich nach dem Begriff OCEAN zusammen:

Openness to experience (Offenheit für Erfahrungen)

Conscientiousness (Gewissenhaftigkeit)

Extraversion (Soziale Interaktivität)

Agreeableness (Verträglichkeit)

Neuroticism (Emotionale Labilität)

Die fünf Persönlichkeitsfaktoren sind je zur Hälfte der genetischen Anlage und den Umwelteinflüssen zuzuschreiben. Jedes Individuum hat die Möglichkeit, an seiner Persönlichkeit zu arbeiten und gewünschte Korrekturen vorzunehmen. Somit können Sie Ihre Schwächen durch bewusste Verhaltensänderungen reduzieren und die Ihnen wichtigen Stärken deutlicher herausarbeiten. Durch die Big-Five-Selbstanalyse können Sie Ihre Charaktereigenschaften überprüfen und gegebenenfalls positiv beeinflussen.

Auf der Suche nach dem Ideal

Im Berufs- wie im Privatleben wünschen wir uns Mitmenschen, Kollegen, Freunde oder den idealen Partner, welche besonders hohe Werte in den Big-Five-Dimensionen aufweisen. Der gefestigte, umgängliche, warmherzige, zuverlässige und offene Mensch ist gefragt und gesucht. So sieht der ideale Mensch für uns aus. Das Geheimnis von Mr. and Mrs. Right ist somit gelöst: Superstarke Big Five soll er oder sie mitbringen.

Doch so einfach ist die Welt nicht. Wir alle sind nicht perfekt. Wir haben unsere Stärken und unsere Schwächen. Kein Persönlichkeitsprofil ist von sich aus besser oder schlechter. Vielmehr hat jeder von uns seine ganz persönlichen Ausprägungen: Wir sollten unsere eigene Big-Five-Skala kennen, annehmen und in unsere Stärken investieren. Wer seine Stärken kennt, kann seine Ziele besser benennen und langfristig umsetzen. Arbeiten Sie nicht mit den falschen Zielen gegen sich selbst. Und bewahren Sie Ihre Stärken und Macken! Da halte ich es ganz mit der US-Schauspielerin Zsa Zsa Gabor: „Menschen, an denen nichts auszusetzen ist, haben nur einen, allerdings entscheidenden Fehler: Sie sind uninteressant.“

Der Selbsttest

Haben Sie Lust darauf bekommen, Ihre eigenen Big Five zu testen? Da die Darstellung der Fragebögen und der Auswertung den Rahmen dieser Kolumne sprengen, habe ich die Unterlagen auf der Homepage zum Buch "Der Egomacher" für Sie zum Download bereitgestellt. Optimalerweise füllen Sie nicht nur selbst die Fragebögen aus. Ich empfehle Ihnen, neben der Selbsteinschätzung auch eine Fremdeinschätzung durch Freunde, Bekannte oder Kollegen vornehmen zu lassen. Wenn Sie die Ergebnisse übereinanderlegen, erhalten Sie ein deutlich objektiveres Ergebnis und die Validität der Big Five wird so deutlich erhöht. Ebenso können Sie dieses Testverfahren in Ihrem Berufs- oder Privatleben einsetzen, um neue Erkenntnisse zur Arbeitsweise und Aufgabenverteilung in einem Team zu erlangen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein inspirierendes und erfülltes Jahr 2016 – und die Umsetzung Ihrer Vorsätze über den Sommer hinaus.

 
 


randbemerkung

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