Wie man Botschaften transportiert (c) Thinkstock/Vladimir Koletic
Wie man Botschaften transportiert (c) Thinkstock/Vladimir Koletic
Rezension

Gut gewappnet für den großen Auftritt

Provokante Fragen vor großem Publikum können selbst medienerfahrene Manager und Politiker nervös machen. Moderatorin Juliane Hielscher erklärt in ihrem Ratgeber "Medientraining", wie man sich bestmöglich präsentiert. Eine Rezension.
Anne Hünninghaus
 

"Sprich kurz! Sei nicht langweilig! Emotionen sind erlaubt! Sorge für Verständlichkeit!" – In ihrem handlichen 125-Seiten-Büchlein "Medientraining" bringt Juliane Hielscher die wichtigsten Tipps für das Verhalten vor Kamera oder Mikrofon auf den Punkt. Aus ihrer Perspektive als Journalistin und Medientrainerin hat die ehemalige Moderatorin des "ZDF-Morgenmagazins" eine genaue Vorstellung davon, wie ein gelungener Presseauftritt aussieht. Und dazu braucht es offenbar einiges an Vorbereitung.

In 15 Kapiteln gibt Hielscher Tipps für eine souveräne Ausstrahlung in Interviews, Statements und Talkshows. Nach einer basalen, leider fast schon banalen Einführung in die Medienwelt ("Sind die Medien Freund oder Feind? – Keines von beidem! Die Aufgabe von Journalisten ist es zu berichten. Und das möglichst informativ und neutral"), bietet der Ratgeber wertvolle Tipps für die Praxis und Einblicke hinter die Kulissen des Medienbetriebs.

Wie man Botschaften transportiert

Von dem allzu großzügigen Gebrauch von Ausrufezeichen und den teilweise sehr simplen Formulierungen sollte man sich nicht beirren lassen, der Band ist durchaus gehaltvoll. Hielscher weiß, wovon sie spricht, wenn sie anhand konkreter Beispiele erklärt, was hinter brenzligen Fragen wie "Warum machen Sie es nicht genau wie die Konkurrenz oder sogar besser?" oder "Ist es Ihnen eigentlich egal, dass in Afghanistan Zivilisten sterben?" steckt. Sie führt aus, wie man darauf reagieren kann und seine Botschaften gekonnt und unaufdringlich herüberbringt. Auch zu Ausdruck und Körpersprache hält die Autorin passende Checklisten bereit. Dabei erklärt sie nicht nur das Wie sondern auch das Warum, untermauert ihre Thesen an den passenden Stellen mit Zitaten aus Wissenschaft und Studienergebnissen.

Auch wer bereits Erfahrungen im Umgang mit Presseaufrtitten hat, kann noch etwas lernen und bekommt durch die Lektüre typisches Verhalten und kleine Fehler gespiegelt. Wann haben Sie beispielsweise zuletzt im Interview oder auf dem Podium einen Euphemismus à la "Umstrukturierung" (statt Massenentlassung) oder eine überflüssige Wendung wie "vom Grundsatz her", "im Endeffekt" oder "sagen wir mal" verwendet? Eben! Auch wenn viele der Ratschläge Basiswissen sind: Um dieses aufzufrischen, lohnt es sich, "Medientraining" vor dem nächsten Presseauftritt durchzulesen.

 

Juliane Hielscher: Medientraining. Kürschners, 125 Seiten, 16,80 Euro.

 


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