Stress statt Kreativität: Großraumbüros sind schlechter als ihr Ruf. (c) Getty Images/VasilyevD
Stress statt Kreativität: Großraumbüros sind schlechter als ihr Ruf. (c) Getty Images/VasilyevD
Kommentar

Großraumbüros gefährden die Kommunikation

Großraumbüros ersticken Kommunikation und Kreativität, wie eine amerikanische Studie kürzlich ergab. Besser setzt man auf individuelle Lösungen und eine Abwechslung von Einzel- und Teamarbeit.
Svenja Hofert

Das agile Zeitalter lässt Grenzen verschwinden. Büros werden zu offenen Hallen mit großen Tischen, an denen Menschen arbeiten – oder so tun als ob. Unter sozialer Kontrolle besteht diese Neigung, wie man aus sozialpsychologischen Experimenten weiß.

- Anzeige -

Anzeige: Quadriga Media Berlin

 

Bei mir persönlich lösen Großraumbüros Beklemmungen aus. Ich mache gern die Tür zu. Ich gehe dann auch nicht ans Telefon. Volle Konzentration voraus, vielleicht etwas befeuert durch Musik. Wenn andere im Raum sind, sinkt meine Aufmerksamkeit. Erst recht, wenn es um komplexe Probleme geht. Am produktivsten bin ich, wenn ich erst mal alleine loslege, mich dann bespreche und auf dieser Basis weiterdenke.

Eine aktuelle Studie der Harvard-Universität scheint darauf hinzudeuten, dass ich nicht alleine bin. In Großraumbüros nimmt demnach die Face-to-Face-Kommunikation sogar ab, die Zahl der gesprochenen Worte sinkt, das E-Mail-Aufkommen steigt. Erstaunlich? Nur bedingt.

Kunden berichten mir vom Stress, den sie in Großraumbüros empfinden. Vor allem wenn sie zuvor in kleineren geschlossenen Räumen gearbeitet haben. Manch junger Mensch kann das gar nicht mehr vergleichen; er wurde ja in Großraumbüros groß. Entscheider wischen Einwände gern mit dem Hinweis auf „Einzelzellen und unseren Kreativraum“ weg. Sie sehen wesentliche Aspekte und Nachteile nicht.

Die Wahrheit liegt, wie so oft, in individuellen Lösungen und in einem Sowohl-als-auch. Die Intelligenz von Teams ist größer, wenn sich Einzel- und Teamarbeit abwechseln. Komplexe Aufgaben lassen sich besser in Ruhe und alleine lösen. Die Weiterentwicklung einer Idee kann dann in einem – bitte kleinen – Team oder Tandem erfolgen.

Persönlichkeit dürfte auch eine Rolle spielen. Ich vermute, dass Introvertierte im Großraum noch stiller werden, weil sie sich sonst gar nicht mehr konzentrieren können. Und ich könnte mir vorstellen, dass Unternehmen so eine Menge an Potenzial verlieren.

 

 
 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 

CAPTCHA

This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.



randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Eine offene, wertschätzende Beziehung zwischen Arzt und Patient kommt selten zustanden. Das liegt oft auch an der Kommunikation. (c) Getty Images / Sergey Tinyakov
Foto: Getty Images / Sergey Tinyakov
Lesezeit 5 Min.
Gastbeitrag

„Kommunikation in der Medizin darf kein Luxus sein"

Ärzte tragen große Verantwortung. Eine offene, empathische und wertschätzende Beziehung zu ihren Patienten kann Therapien positiv beeinflussen. Doch eine solche Beziehung kommt nicht immer zustande. Oft liegt das an einer missglückten Kommunikation. »weiterlesen
 
Twitter sorgt mit umstrittenen Account-Sperrungen für Aufsehen. (c) Getty Images / Grindi
Foto: Getty Images / Grindi
Lesezeit 2 Min.
Meldung

Twitter-Fiasko: Sogar Jüdische Allgemeine geblockt

Die neuen Twitter-Richtlinien ziehen merkwürdige Kreise: Kürzlich hat es SPD-Politiker Sven Kohlmeier und sogar die Jüdische Allgemeine getroffen. »weiterlesen
 
Unabhängige, gut informierte Journalistinnen und Journalisten sind unverzichtbar für eine belastbare demokratische Willensbildung über neue Technologien. (c) Getty Images / gorodenkoff
Foto: Getty Images / gorodenkoff
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

Warum Technikjournalismus mehr Förderung verdient

Ein unabhängiger Qualitätsjournalismus über Wissenschaft und Technik sollte jede Unterstützung erhalten. »weiterlesen
 
Die Agentur Richel, Stauss verzichtet künftig auf innerdeutsche Flüge. (c) Getty Images / AlexeyPetrov
Foto: Getty Images / AlexeyPetrov
Lesezeit 1 Min.
Meldung

PR-Agentur verzichtet auf innerdeutsche Flüge

Flugverzicht für den Klimaschutz: Die Berliner Agentur Richel, Stauss will Inlandsflüge künftig vermeiden. »weiterlesen
 
Osram nutzte den Umbruch im Glühbirnenmarkt zu einer radikalen Neupositionierung. (c) Getty Images/tiero
Foto: Getty Images/tiero
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

„Die Vision fehlte, wir brauchten einen Neuanfang“

Als Osram den Verkauf des traditionellen Glühlampen-Geschäfts beschloss, stand das mehr als 110 Jahre alte Unternehmen vor der Frage: Wofür stehen wir heute? Die Kommunikationsabteilung nutzte die Möglichkeit zu einer radikalen Neupositionierung. »weiterlesen
 
Ist gendergerechte Sprache sinnvoll oder sinnlos? (c) Getty Images / itakdalee
Foto: Getty Images / itakdalee
Lesezeit 2 Min.
Lesestoff

Sollten Unternehmen gendern? Jein!

Hannover macht es vor: Hier ist geschlechtergerechte Kommunikation seit Kurzem Pflicht. Ist Niedersachsens Hauptstadt damit mutiger PR-Vorreiter für mehr Geschlechtergerechtigkeit – oder ist ein solches Vorgehen völlig fehl am Platz? Wir haben fünf Journalisten und PR-Profis nach ihrer Einschätzung gefragt. »weiterlesen