Der Goldene Windbeutel geht dieses Jahr an Winfried Kretschmann (c) foodwatch
Der Goldene Windbeutel geht dieses Jahr an Winfried Kretschmann (c) foodwatch
Von foodwatch "geehrt"

Goldener Windbeutel für Winfried Kretschmann

Baden-Württemberg ist Teilhaber bei Alete. Der Hersteller vertreibt Produkte als babygerecht, die Kinderärzte als ungeeignet für Babys einstufen. Dafür wird BaWüs Landesfürst stellvertretend jetzt mit dem Preis für die dreisteste Werbelüge ausgezeichnet.
Felicitas Ernst

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit dem Goldenen Windbeutel ausgezeichnet. Der Landesfürst von Baden-Württembergs erhält den Negativpreis für die dreisteste Werbelüge stellvertretend: Seit Anfang des Jahres ist Baden-Württemberg mittelbarer Teilhaber des Kindernahrungsherstellers Alete. Die Marke vertreibt Produkte als babygerecht, die Kinderärzte als ungeeignet für Babys einstufen. Paradox: Die Landesregierung in Stuttgart rät von dem Verzehr ausdrücklich ab, profitiert aber vom Verkauf der Produkte.

Glaubhafte Kommunikation sieht anders aus (c) foodwatch

Der Goldene Windbeutel geht dieses Jahr an Winfried Kretschmann (c) foodwatch

Im Herbst 2014 waren die Alete-"Mahlzeiten zum Trinken ab dem 10. Monat" in einer Internetabstimmung mit mehr als 150.000 Teilnehmern zur Werbelüge des Jahres gewählt worden - damals gehörte Alete noch zu Nestlé.

Nachdem die geplante Preisverleihung in der vergangenen Woche bekannt wurde, hatte sich die Landesregierung für nicht zuständig erklärt. foodwatch kritisierte dies als Versuch, sich aus der Verantwortung zu stehlen, schließlich sind die landeseigene L-Bank, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sowie eine LBBW-Tochter am Haupteigner des Kindernahrungsherstellers Alete direkt beteiligt. "Es geht um Babyprodukte, die für Babys nicht geeignet sind. Unsere Forderung an Alete: Die Produkte vom Markt nehmen - unsere Forderung an Herrn Kretschmann: Einfluss geltend machen, damit dies geschieht. Wenn sich die Produktpolitik nicht ändert, dann darf sich das Land auch nicht mittelbar an einem unverantwortlich agierenden Unternehmen beteiligen. Herr Kretschmann ist dem Gemeinwohl verpflichtet, handelt aber nicht danach", erklärte Oliver Huizinga, Experte für Kinderlebensmittel bei foodwatch.

Seit 2009 fordert foodwatch Verbraucher auf, gegen dreiste Werbelügen der Lebensmittelindustrie zu protestieren und an der Wahl zum Goldenen Windbeutel teilzunehmen. Unter den "Gewinnern" waren unter anderem Milchschnitte, Capri-Sonne und Monte Drink.

Unter www.foodwatch.de/alete-aktion können Verbraucher eine E-Mail-Aktion an Alete und Ministerpräsident Kretschmann unterstützen – die Forderung: Unter der Marke Alete sollen nur noch babygerechte Produkte verkauft werden.

 
 

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