Im Streit um eine Glyphosat-Satire setzt sich die „Taz“ juristisch gegen Bayer durch. (c) Getty Images / Mihajlo Maricic
Im Streit um eine Glyphosat-Satire setzt sich die „Taz“ juristisch gegen Bayer durch. (c) Getty Images / Mihajlo Maricic
Krisenkommunikation

Streit um Glyphosat-Satire: „Taz“ setzt sich gegen Bayer durch

Der Chemiekonzern Bayer gibt seinen Versuch auf, die satirische Bildmontage „Das Krebs-Rundumpaket“ der Tageszeitung taz verbieten zu lassen.
Aus der Redaktion

Im Streit um satirisch zugespitzte Berichterstattung über das Pflanzenschutzmittel Glyphosat hat der Chemie- und Pharmakonzern Bayer einen juristischen Rückzieher angetreten. Das Unternehmen akzeptierte eine „negative Feststellungsklage“ der Tageszeitung taz und zog seine eigene Klage zurück.

Die Taz darf demnach auch zukünftig ihre Titelseite vom 24. Oktober 2018 verbreiten. Darauf war eine Bildmontage mit der Überschrift „Das Krebs-Rundumpaket“ abgebildet. Auf ihr war unter anderem eine Sprühflasche eines Bayer-Pestizids mit dem Aufdruck „Super: macht Krebs“ zu sehen. Die Zeitung warf Bayer im zugehörigen Artikel vor, Produkte herzustellen, die „wohl“ Krebs verursachen – und zugleich Produkte, die Krebs heilen.

Ende Oktober 2018 hatte Bayer wegen der Bildmontage zunächst eine Abmahnung gegen die Taz beantragt. Es handele sich dabei nicht um eine leicht erkennbare Satire, sondern um eine ernst gemeinte, abmahnfähige Tatsachenbehauptung. Die Taz reichte daraufhin Gegenklage gegen das Unternehmen beim Landgericht Berlin ein.

Diese hat Bayer nun akzeptiert. „Unsere Mandantin verpflichtet sich rechtsverbindlich, gerichtlich nicht gegen die von Ihrer Mandantin als Satire eingeordnete Berichterstattung auf dem Titelblatt der Taz vom 24.10.2018 vorzugehen“, heißt es in einer Erklärung der Bayer-Anwälte.

Johannes Eisenberg, Anwalt der Taz, gab sich enttäuscht vom Glyphosat-Rückzieher des Unternehmens. „Die Beklagte wollte eine kritische Berichterstattung mit Drohungen unterbinden und hat jetzt Sorge, dass diese Drohung ins Leere geht. Allein deshalb will sie den Prozess nicht. Sie kneift.“

Gegenüber dem pressesprecher erklärte Christian Maertin, Head of Corporate Communications bei Bayer: „Die Taz hat uns unterstellt, es sei das Geschäftsmodell von Bayer, Krebs zu erzeugen und zugleich zu heilen. Nachdem sie nun von sich aus klargestellt hat, dass diese Aufmachung lediglich als ,Witz‘ gemeint war, ist die Sache für uns erledigt.“

 

 
 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 

CAPTCHA

This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.

Kommentare

"Nachdem sie nun von sich aus klargestellt hat, dass diese Aufmachung lediglich als ,Witz‘ gemeint war, ist die Sache für uns erledigt.“ Nur die Aufmachung? Die ganze Taz!


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach. (c) BCW
Neuer Head of Creativity Europe & Africa: Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach (c) BCW
Lesezeit 3 Min.
Meldung

BCW stellt sich personell neu auf

Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, bisher CEO von BCW (Burson Cohn & Wolfe) in Deutschland, übernimmt ab sofort die neu geschaffene Aufgabe als Head of Creativity Europe & Africa.  »weiterlesen
 
Kommentierung und Färbung von Sachtexten nehmen zu, beobachtet Kristin Breuer vom VfA. (c) Getty Images/metamorworks
Foto: Getty Images/metamorworks
Lesezeit 2 Min.
Kommentar

Substanzlose Schnellschüsse

Clickbaiting, Quatsch-Geschichte, zu viel Meinung – wie Kristin Breuer vom Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (VfA) die Berichterstattung in deutschen Leitmedien wahrnimmt. »weiterlesen
 
Weg vom „Plastik-Bashing“: Mit einer Kampagne wollten zwei Verbände die Debatte um Kunststoff versachlichen. (c) Getty Images/Harry Wedzinga
Foto: Getty Images/Harry Wedzinga
Lesezeit 4 Min.
Gastbeitrag

Ambivalentes Plastik

Kunststoffverpackungen verschmutzen die Meere. Die Verbände IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen und Plastics Europe Deutschland versuchen trotzdem, eine sachliche Diskussion anzustoßen. »weiterlesen
 
Deutsche Börse-Chef Theodor Weimer führt das CEO-Image-Ranking der Dax 30 von Unicepta an. (c) Getty Images/undefined undefined
Foto: Getty Images/undefined undefined
Lesezeit 2 Min.
Meldung

Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer an der Spitze

Im CEO-Image-Ranking von Unicepta wird Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer erneut als starke Führungspersönlichkeit medial sichtbar. Es punktet, wer sein Unternehmen sicher durch die Coronakrise führt. »weiterlesen
 
Nie sei das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) so präsent in den Medien gewesen wie jetzt, sagt Pressesprecherin Susanne Thiele. Die gestiegene Intensität bringt neue Anforderungen an ihre Arbeit. (c) Verena Meier
Foto: Verena Meier
Lesezeit 8 Min.
Interview

„Es ist die spannendste Zeit meiner Karriere“

Susanne Thiele, Pressesprecherin des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung, über die Vorbereitung von Forschern für TV-Auftritte, die medizinische Expertise von Journalist:innen und Herausforderungen der Wissenschaftskommunikation. »weiterlesen
 
Fototermin mit Maske bei Roche: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (l.) und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. (c) picture alliance/dpa | Peter Kneffel
Foto: picture alliance/dpa/Peter Kneffel
Lesezeit 7 Min.
Bericht

Kontrollierte Offensive

Die Welt hofft, dass die Pharmaunternehmen bald einen Impfstoff gegen das Coronavirus finden. Die Industrie selbst gibt sich vorsichtig: Zu große Erwartungen will sie nicht wecken. »weiterlesen