Mehr als eine Milliarde Stunden Bewegtbild konsumiert die Menschheit täglich allein über Youtube. Doch es gilt einige Regeln zu beachten. (c) TCmake_photo
Mehr als eine Milliarde Stunden Bewegtbild konsumiert die Menschheit täglich allein über Youtube. Doch es gilt einige Regeln zu beachten. (c) TCmake_photo
Bewegtbildkommunikation

Gifs und Videos im Rechte-Check

Am Bahnsteig und am Flughafen, beim Elektronikfachhändler des Vertrauens, auf gängigen Nachrichtenportalen und auf Social-Media-Plattformen – das Bewegtbild ist nicht mehr wegzudenken aus unserer Wahrnehmung. Welche Grundregeln es bei der Veröffentlichung von Animationen, Gifs oder Videoclips zu beachten gibt, erklären Alexander Karst und Michaela Koch von den Bildbeschaffern.
Alexander Karst
Michaela Koch

Wer sich heute mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegt, findet sich unausweichlich mit bewegten Bildern konfrontiert. Schon am Bahnsteig füttern große Screens den Wartenden mit Nachrichtenmaterial im Videoformat. Mit Betreten von U-Bahn, Tram oder Bus werden sie wahlweise abgelöst vom eigenen Smartphone oder von Bildschirmen, die den Reisenden mit ‚Fahrgast-TV‘ versorgen. Screens erobern den öffentlichen Raum, alles bewegt sich.

Auf den Social-Media-Plattformen Instagram oder Facebook haben sich ‚Videos to go‘ zu einem gängigen Format entwickelt. Sogar die zweitgrößte Suchmaschine der Welt spuckt nicht etwa Nachrichtenartikel, Fotos oder Lexikontexte als Suchergebnis aus, sondern bewegte Bilder: Mehr als eine Milliarde Stunden Bewegtbild konsumiert die Menschheit täglich allein über Youtube. 300 Stunden Video pro Minute wurden im vergangenen Jahr über das Portal hochgeladen.

Auch im unternehmerischen Bereich ist der ‚Broadcast Yourself‘-Kanal längst angekommen. Nahezu zehn Prozent der mittelständischen Unternehmen in den USA nutzen Youtube, und auch hierzulande zählt das bewegte Bild zu den leistungsstärksten Marketing-Tools, eröffnet es doch gänzlich neue Ansätze und Gestaltungsspielräume.

Wo lauern Risiken?

Mit fortschreitender Digitalisierung werden die Produktionsbedingungen für Videografen zunehmend einfacher. Auch kleinere Unternehmen mit einem begrenzten Budget können mittlerweile Videos in HD-Qualität auf die mobilen Endgeräte ihrer Kunden oder Mitarbeiter transportieren, ohne dafür ein mehrköpfiges Filmteam zu engagieren. Mit einer zündenden Idee, einem Händchen für spannendes Storytelling und einem Gespür für bewegende wie auch bewegte Inhalte lassen sich Geschichten erzählen, die innerhalb kürzester Zeit enorme Reichweiten erzielen können.

Doch in dem Maße, wie kommerzielle und interne Unternehmenskommunikation verstärkt auf multimediale Ausdrucksmöglichkeiten setzen, halten auch neue Regeln Einzug in die Arbeit mit Bildern. Gegenüber dem starren Motiv in der Fotografie stellen 25 Bilder pro Sekunde beim Video die Verantwortlichen vor neue Herausforderungen. So können beispielsweise Urheber- oder Persönlichkeitsrechte in der Videografie schneller verletzt werden. Wer Bewegung ins Bild bringen möchte, ohne dabei rechtliche Risiken einzugehen, sollte sich deshalb vorab – spätestens aber beim Schneiden des Materials – folgende Fragen vergegenwärtigen:

1. Befinden sich Menschen im Bild, deren Abbildungserlaubnis nicht vorliegt?

Wer sich absichern will, klärt die Einwilligung der abgebildeten Personen durch ein entsprechendes Model-Release. Aber Achtung: Eine grundsätzliche Zustimmung darf nicht im Arbeitsvertrag geregelt werden, sondern ist von Fall zu Fall neu einzuholen.

2. Ist ein künstlerisches Werk im Hintergrund zu erkennen oder ist eine geschützte Marke zu sehen?

Hier gibt es für die Freigaben der Urheber ein sogenanntes Property-Release.

3. Liegt eine räumliche Filmerlaubnis vor?

Beim Filmen auf privaten Grundstücken sollte man stets ein Property-Release einholen. Dazu zählen auch Museen, Bahnhöfe, Schulen und Einkaufszentren. Auch das Filmen von Privatgelände aus der Luft ist nicht ohne Weiteres möglich – das gilt es insbesondere beim Filmen mit Drohnen zu beachten. In diesem Fall muss außerdem die Flugerlaubnis gegeben sein.

4. Liegt eine Lizenz für in das Videomaterial eingebundene Fotos vor?

Wenn ja, sollte je nach Wortlaut der Vereinbarung der Quellennachweis erbracht werden, beispielsweise im Abspann des Films.

Keine Frage: Es kommt zunehmend Bewegung in den Umgang mit Bildern. Das narrative Format von Videos ist für Werber, Unternehmer und Privatpersonen gleichermaßen verlockend. Wer von den steigenden Nutzerzahlen und den audiovisuellen Möglichkeiten in der Bewegtbildbranche profitieren möchte, sollte sich jedoch unbedingt mit den Grundregeln der Bildnutzung vertraut machen, sich rechtlich absichern und einen achtsamen Umgang mit Urheber- und Persönlichkeitsrechten pflegen. Nur so lässt sich der Erfolg später auch genießen.

 

 
 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 

CAPTCHA

This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.



randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Weitere Beiträge dieser Serie.

Welche Schutzrechte gilt es zu beachten, wenn Personen oder Marken fotografiert wurden? (c) Thinkstock/MikeLaptev
Welche Schutzrechte gilt es zu beachten, wenn Personen oder Marken fotografiert wurden? (c) Thinkstock/MikeLaptev
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

Wann Sie Fotos von Personen nutzen dürfen

Es ist das Wesen eines PR-Events, dass es von sich reden machen möchte. Wer der offiziellen Einladung zu so einer Veranstaltung folgt und sich im Rahmen dessen von einem Fotografen ablichten lässt, muss damit rechnen, dass dieses Foto verwendet wird. So das allgemeine Verständnis – zumindest auf Seiten der Veranstalter. Doch nicht selten sieht die Realität anders aus. Die Grenzen zwischen erlaubter und nicht erlaubter Veröffentlichung von Personen und Marken sind schwammig. Aber mit etwas Bedacht im Umgang mit Bildern lässt sich Ärger vermeiden. »weiterlesen
 
Die Zeichenfolge der Buchstaben ist urheberrechtlich nicht schützenswert, aber das von einem Grafiker gestaltete Icon auf Ihrem Smartphone. (c) Blend Images/ John Lee
Die Zeichenfolge der Buchstaben ist urheberrechtlich nicht schützenswert, aber das von einem Grafiker gestaltete Icon auf Ihrem Smartphone. (c) Blend Images/ John Lee
Lesezeit 2 Min.
Gastbeitrag

Was es beim Einsatz von Emoticons in der PR-Arbeit zu beachten gilt

Emoticons sind aus der heutigen Kommunikation kaum noch wegzudenken, doch in der PR-Arbeit sollten sie nicht bedenkenlos verwendet werden. Michaela Koch und Alexander Karst von den Bildbeschaffern mit einem Beitrag über die rechtlichen Stolperfallen bei der Verwendung von Emoticons als PR- und Marketing-Instrument. »weiterlesen
 
Die Unternehmenskommunikation von morgen nutzt Bewegtbild (c) Thinkstock/tang90246
Foto: Thinkstock/tang90246
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

Bewegtbild in der Unternehmenskommunikation

Firmen stellen sich bei Youtube vor und sogar der Zeichentrick kehrt in Form animierter Gifs zurück: Die moderne Bildsprache hat in die Unternehmenskommunikation Einzug gehalten. Im fünften Teil unserer Bildbeschaffer-Serie erklären Alexander Karst und Michaela Koch die Vorteile von Gif-Formaten. »weiterlesen
 
Die unerlaubte Nutzung von Bildern kann zu rechtlichen Konsequenzen führen (c) Thinkstock/Thyrsus
Foto: Thinkstock/Thyrsus
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

Wenn der Abmahnanwalt schreibt

Unerlaubte Nutzung von Bildern wird streng geahndet – und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Dennoch sind viele Abmahnungen auch überzogen und sollten inhaltlich geprüft werden, erklären Alexander Karst und Michaela Koch im vierten Teil unserer Bildbeschaffer-Serie. »weiterlesen
 
Nicht jedes Bild darf man teilen oder sharen. Die Bildbeschaffer verraten, wie man sich vor Lizenzfallen schützen kann (c) Thinkstock/boygovideo
Foto: Thinkstock/boygovideo
Lesezeit 2 Min.
Gastbeitrag

Wenn Teilen und Liken nicht gestattet sind

Die Like- oder Share-Buttons zum Teilen von Inhalten auf Facebook sind Fluch und Segen zugleich. Die Bildbeschaffer Michaela Koch und Alexander Karst verraten, wie sich die unerlaubte Nutzung von Bildern durch willkürliches Teilen und Liken vermeiden lässt und Unternehmen sich unnötige Lizenzstrafen ersparen können. »weiterlesen
 
Bei der Bildauswahl spielt die Rechteklärung eine entscheidende Rolle (c) Thinkstock/Nastco
Foto: Thinkstock/Nastco
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

Die wichtigsten Lizenzmodelle zur Bildnutzung

Was ist bei der Bildauswahl zu beachten und für welche Zwecke dürfen Motive verwendet werden? Im zweiten Teil unserer Bildbeschaffer-Serie stellen Alexander Karst und Michaela Koch die wichtigsten Lizenzmodelle zum Thema Bildnutzung vor. »weiterlesen
 
Dieses Gesicht ist bekannt, lässt sich aber keiner Marke eindeutig zuordnen(c) PeopleImages.com/Fotolia.com, Montage: Julia Nimke
Fotos: PeopleImages.com/Fotolia.com, Montage: Julia Nimke
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

Vorsicht, Verwechslungsgefahr!

Mitten im Bundestagswahlkampf 2013 wollten die FDP und die NPD mit dem gleichen "Familienbild" für ihre Politik werben. Seitdem ist deutlich geworden, wie wichtig das Thema Bildauswahl ist. Denn gerade für die Vermarktung von eigenen, unverwechselbaren Botschaften sollte nicht willkürlich auf frei zugängliches Stockmaterial zugegriffen werden. »weiterlesen
 

Das könnte Sie auch interessieren.

Im Streit um den Katjes-Spot fühlte sie sich falsch wiedergegeben: Katja Heintschel von Heinegg, Leiterin des Werberats./ Milchkühe: (c) Getty Images/hirun
Milchkühe. Foto: Getty Images/hirun
Meldung

Katjes: Werberat rudert zurück, dpa korrigiert

Der Fall "Katjes" sorgt für Aufsehen. Nun rudert die Leiterin des Werberats, Katja Heintschel von Heinegg, zurück. Die dpa korrigiert ihre Meldung. »weiterlesen
 
Laut dem DJV Brandenburg sind deutsche Schulen "ideologisch verseucht". (c) Getty Images / Motortion
Foto: Getty Images / Motortion
Meldung

DJV BB kritisiert „ideologisch verseuchte“ Schulen

Seit dem Wochenende sorgen rechtspopulistische Tweets des DJV Brandenburg für Ärger. Der Bundesverband distanziert sich von dessen Äußerungen – nicht zum ersten Mal. »weiterlesen
 
Positionierung ist wichtig, um als Kommunikator authentisch zu wirken./ Kommentar: (c) Getty Images/ronstik
Kommentar. Foto: Getty Images/ronstik
Kommentar

Disclaimer ersetzen nicht Verantwortung & Empathie

Natürlich schützt "Views are my own" nicht vor einem Shitstorm. Gefragt sei mehr Empathie im öffentlichen Diskurs, meint Sascha Pallenberg. Ein Kommentar. »weiterlesen
 
Frauen in der PR-Branche sind in den Führungsetagen immer noch unterrepräsentiert. (c) Getty Images / Valeriy_G
Foto: Getty Images / Valeriy_G
Studie

Frauen in der PR-Branche benachteiligt

Eine aktuelle Studie deckt eine erhebliche Ungleichbehandlung der Geschlechter am Arbeitsplatz auf. Die Macher fordern mehr Maßnahmen zur Gleichstellung. »weiterlesen
 
Mit der Bluetooth-Unterwäsche will die Telekom Paarbeziehungen stärken. (c) Deutsche Telekom
Foto: Deutsche Telekom
Meldung

Die Telekom geht unter die Unterwäsche-Fabrikanten

Im Onlineshop der Telekom gibt es neuerdings auch Unterhosen zu kaufen – allerdings nicht irgendwelche. »weiterlesen
 
Kommunikationsprofis erhalten immer mehr Aufmerksamkeit. (c) Getty Images / Koldunov
Foto: Getty Images / Koldunov
Kommentar

Die Branche braucht PR in eigener Sache

Kommunikationsprofis tauchen vermehr in Leitmedien auf. Über PR und Öffentlichkeitsarbeit sprechen sie dabei aber zu selten. »weiterlesen