US-Senator Hawley legt einen Gesetzentwurf zur drastischen Einschränkung sozialer Netzwerke vor. (c) Getty Images / tommaso79
US-Senator Hawley legt einen Gesetzentwurf zur drastischen Einschränkung sozialer Netzwerke vor. (c) Getty Images / tommaso79
"Soziale Netzwerke wie ein Parasit"

Grenze per Gesetz: 30 Minuten Social Media am Tag

Zeitlimit für Social Media, keine Belohnungen für Aktivitäten, Verbot diverser Features: Ein US-Gesetzentwurf soll soziale Netzwerke erheblich einschränken.
Aus der Redaktion

Der US-Senat muss sich in den kommenden Wochen mit einem Gesetzentwurf befassen, welcher die Nutzung sozialer Netzwerke erheblich einschränken und den Plattformen drastische Maßnahmen gegen Social-Media-Abhängigkeit auferlegen würde.

Auch wenn der Entwurf voraussichtlich nur geringe Chancen hat, in seiner jetzigen Form verabschiedet zu werden, illustriert er doch den erheblichen legislativen Druck, denen sich Netzwerke wie Facebook, Twitter und Youtube in den Vereinigten Staaten derzeit gegenübersehen.

Offiziell vorgelegt wurde der so genannte SMART Act („Social Media Addiction Reduction Technology Act“) von Josh Hawley, Senator der Republikaner aus dem US-Bundesstaat Missouri. Er gilt als einer der schärfsten Kritiker von „Big Tech“ im US-Kongress.

30 Minuten Obergrenze, keine Belohnung für Aktivitäten

Im Einzelnen sieht Hawleys Gesetzentwurf unter anderem vor:

  • Standardmäßig wären die Netzwerke gezwungen, die Nutzungsdauer ihrer Mitglieder auf maximal 30 Minuten täglich zu begrenzen. Zwar sollen die Nutzer die Möglichkeit haben, diese Grenze individuell heraufzusetzen – müssten hierfür jedoch jeden Monat neu eine bewusste, aktive Entscheidung an das Netzwerk übermitteln. Ansonsten werden sie nach einer halben Stunde automatisch ausgeloggt.
  • Die Social Networks würden gezwungen, ihren Nutzern deutlich sichtbar mitzuteilen, wie viel Zeit sie auf der jeweiligen Plattform bereits verbracht haben.
  • Das so genannte „endless scrolling“ – das Bewegen im Netzwerk, ohne dass die aufgerufene Seite jemals ein Ende hat – soll untersagt werden. Stattdessen müssten „Endpunkte“ für Nutzeraktivitäten definiert werden, die nur durch eine bewusste Entscheidung überschritten werden dürften.
  • Das automatische Abspielen von Videos würde ebenso verboten wie das automatische Vervollständigen von Suchanfragen.
  • Viele Mechanismen, die Nutzer-Engagement belohnen – wie etwa spezielle Label für hohe Aktivität, Level-Aufstiege und dergleichen – würden weitgehend untersagt.

Die Überwachung dieser und weiterer Richtlinien solle der US-Wettbewerbsbehörde Federal Trade Commission (FTC) und dem Gesundheitsministerium obliegen.

"Soziale Netzwerke wie Parasiten"

Hawley erklärte, sein Gesetzentwurf ziele auf Plattformen, deren Geschäftsmodell auf gezielt erzeugter Social-Media-Sucht beruhe. Social Media habe sich zu einer Art „Parasit“ unter anderem für menschliche Beziehungen und eine gesunde Gesellschaft entwickelt, schrieb der Senator in einem Beitrag für die Zeitung USA Today unter der Überschrift We might be better off if Facebook, Instagram and Twitter vanished.

Verbände der US-Digitalindustrie kritisierten den Gesetzentwurf; die Behauptungen Hawleys über die schädliche Wirkung von Social Media seien nicht bewiesen. Verbraucherorganisationen wie etwa die "Campaign for a Commercial-Free Childhood" begrüßten das Vorhaben dagegen.

Wann sich die Ausschüsse des US-Senats mit dem SMART-Gesetz zur drastischen Einschränkung sozialer Netzwerke beschäftigen werden, steht noch nicht fest.

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Regelwidrige Tweets von Politikern können künftig nicht mehr gelikt oder geteilt werden. (c) Getty Images / Allexxandar
Foto: Getty Images / Allexxandar
Meldung

Twitter sanktioniert regelwidrige Politiker-Tweets

Tweets, die gegen ihre Nutzungsregeln verstoßen, will die Plattform künftig von Likes und Retweets ausschließen. Gelöscht werden sollen sie jedoch nicht. »weiterlesen
 
Der Disclaimer "Views are my own" ist überflüssig./ Symbolbild: (c) Getty Images/ HT-Pix
Foto: Getty Images/ HT-Pix
Kommentar

„Views are my own“ ist naiv und realitätsfern

Alexander Reinhardt, Airbus’ Public Affairs Chef, schreibt in seine Twitter-Bio „Views are my own“. Der Disclaimer ist völlig überflüssig. Ein Kommentar. »weiterlesen
 
Alexander Reinhardt droht den Klimaaktivisten von Extinction Rebellion auf Twitter./ Symbolbild: (c) Getty Images/tommaso79
Wütender Autofahrer. Foto: Getty Images/tommaso79
Meldung

Airbus' PA-Chef droht Extinction Rebellion

Er vergleicht sie mit den Nazis und droht ihnen auf Twitter: Airbus' Alexander Reinhardt beschimpft Extinction Rebellion. Jetzt rudert er zurück. »weiterlesen
 
Trump sagt, er habe AIDS besiegt. Das Video ist ein Deepfake. / Screenshot: (c) Youtube
Trump-Screenshot: Youtube
Bericht

Deepfakes sind in der PR angekommen

Deepfakes erobern die PR. So wirbt Trump vermeintlich für das Ende von AIDS. Doch für Firmen können die Fake-Videos gefährlich werden. »weiterlesen
 
Facebook lehnt Faktenchecks ab und beruft sich auf die freie Meinungsäußerung. / Desinformation: (c) Getty Images/keport
Desinformation. Foto: Getty Images/keport
Meldung

Facebook lehnt Joe Bidens Anfrage ab

Das Wahlkampfteam Joe Bidens bittet Facebook, eine Trump-Kampagne mit Falschbehauptungen offline zu nehmen. Das Social Network winkt ab. »weiterlesen
 
Er bezeichnet sich selbst als "charismatischen Geschäftsführer": David Schirrmacher. / David Schirrmacher: (c) Von Floerke
David Schirrmacher. Foto: Von Floerke
Meldung

Die "charismatische" Insolvenz von Von Floerke

Von Floerke ist pleite. Das verkündete der "charismatische Geschäftsführer" David Schirrmacher auf Facebook. »weiterlesen