Schlecht informierte Journalisten können aus Markensicht großen Schaden anrichten. (c) Thinkstock/bobmadbob
Schlecht informierte Journalisten können aus Markensicht großen Schaden anrichten. (c) Thinkstock/bobmadbob
Pressearbeit

Vom Umgang mit schlecht informierten Journalisten

Was tun als Pressesprecher, wenn man auf schlecht informierte Journalisten trifft?
Carola Hug

Es ist ein häufiges Ärgernis in Pressestellen: Journalisten rufen an, stellen Fragen, haben aber − wenn überhaupt − nur eine vage Vorstellung von der Materie. Vorab-Recherche? Nun ja. Also fängt der Pressesprecher bei null an und erklärt zunächst einmal die Basics.

Noch ärgerlicher ist, dass der Sprecher beinahe froh sein kann, wenn sich überhaupt jemand direkt informiert. Denn Recherche kommt in Redaktionen immer öfter zu kurz. Die Folge: Berichte stecken voller Fehler – und die Pressestelle muss auf diese nachträglich reagieren.

Ein Beispiel aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen: Zur besten Sendezeit befasst sich ein Magazinformat mit deutschem Bier. Der Moderator verkündet vermeintlich Erschreckendes in die Kamera. Bis zu 60 Hilfsstoffe seien beim Bierbrauen erlaubt. Im Hintergrund des Studios illustriert eine Grafik, was angeblich alles verwendet werden darf. Sogar Asbest wird aufgeführt. Skandal! Skandal?

An Faulheit liegt es in der Regel nicht

Als skandalös ist in Wahrheit eher die schlechte Recherche der Redaktion zu bezeichnen. Die Journalisten hatten sich allein auf dubiose Quellen verlassen, moniert Marc-Oliver Huhnholz vom Deutschen Brauer-Bund: „Die Aussage war grob irreführend und eindeutig falsch.“ Ein Anruf in seiner Pressestelle vorab hätte genügt, um die Behauptungen zu widerlegen, sagt der Sprecher. Doch diese Mühe habe sich niemand aus jener Redaktion gemacht.

Dass Wahrheit und intensive Recherche so manche vermeintlich gute Geschichte ruinieren können, kennt jeder Journalist. Es ist bedauerlich, aber Alltag. Sicherlich gibt es solche Berichterstatter, die sich einen Quotenknüller nicht „totrecherchieren“ mögen. Aber beim Gros der Journalisten steckt erfahrungsgemäß keine böse Absicht dahinter, wenn sie einseitig oder schlampig recherchieren.

Es wäre also falsch, Journalisten als potenzielle Faulpelze zu diffamieren. Die Arbeitssituation vieler hat sich in den letzten Jahren verschlechtert. Redaktionen bauen massiv Stellen ab. Viele Journalisten schlagen sich als sogenannte Freie durch. Die Konkurrenz ist groß, die Berufsbezeichnung nicht geschützt. Jeder kann sich Journalist nennen. Redaktionen sparen zudem bei der Ausbildung. Von regelmäßigen Möglichkeiten der Mitarbeiter zu Weiterbildungen ganz zu schweigen. Ein Seminar in Recherche? Oftmals Luxus.

Gleichzeitig ist der Zeitdruck in Redaktionen gestiegen. Alles muss blitzschnell online sein. Wer dennoch Zeit für Recherche findet, stößt im Internet auf oft unüberschaubar viele Quellen. Eines der größten Übel sind selbsternannte Experten, die zweifelhafte Informationen verbreiten. Deren Websites sehen oft professionell und seriös aus. Nicht jeder Journalist forscht nach, welche Person mit welchen Interessen genau dahintersteckt. Dabei reicht oft ein Blick ins Impressum.

Es bleibt Ihnen als Pressesprecher manchmal nichts anderes übrig: Machen Sie die Hausaufgaben der ­Journalisten!

  • Bereiten Sie ein „Fact Sheet“ vor.
  • Nennen Sie darin renommierte Experten zum Thema.
  • Bieten Sie Zugang und Links zu Untersuchungen und Studien.

Wenn dann seine Zeit knapp wird, hat der Journalist auf einem Blick die wichtigsten Fakten vorliegen. Vermutlich wird er befürchten, dass Sie Informationen voreingenommen selektieren. Aber in dem Fall muss er sich eben Zeit nehmen – und recherchieren.

Am besten simpel und bildhaft erklären

Bedenken Sie: Sie als Pressesprecher beschäftigen sich ständig mit einem Thema. Der Journalist hingegen im Zweifelsfall nur wenige Stunden. In dieser kurzen Zeit muss er Zusammenhänge verstehen und einordnen. Sie können ihm dabei helfen, indem Sie das Wichtigste so einfach wie möglich erklären. Auch wenn Sie den Eindruck haben, jedes Mal wieder bei Adam und Eva anfangen zu müssen.

Scheuen Sie sich nicht vor bildhaften Vergleichen! Zu simpel gibt es nicht, nur zu kompliziert. Es geht darum, Wissen zu vermitteln. Gelingt es Ihnen, komplizierte Zusammenhänge griffig zu formulieren, wird das jeder Journalist dankbar aufgreifen und nutzen.

Doch was tun, wenn niemand in der Pressestelle anruft? Wenn falsche Behauptungen aufgestellt werden? Dann hilft oft nur eines: Diese höflich, aber bestimmt widerlegen, Fehler korrigieren.

So hat es der Deutsche Brauer-Bund gemacht. Am Ende musste die TV-Redaktion die Passagen über die vermeintlich erschreckenden Erkenntnisse über Hilfsstoffe in deutschem Bier neu filmen. Das war ganz sicher teurer als ein Anruf bei der Pressestelle.

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Die Deutsche Bahn wirbt nicht mehr auf Journalistenwatch.com. / DB: (c) Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
Deutsche Bahn. Foto: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
Meldung

Bahn setzt rechte Webseite auf "Blacklist"

Das rechtsextreme Journalistenwatch verliert Anzeigen. Die Deutsche Bahn, die Postbank, Sony, Aroundhome und Trendence distanzieren sich. »weiterlesen
 
Nach Chefredakteur Jochen Kalka verlassen weitere Journalisten die Redaktion von W&V. / Jochen Kalka: (c) W&V/TH. Dashuber
Jochen Kalka verlässt W&V. Foto: W&V/TH. Dashuber
Meldung

Viele altgediente Redakteure verlassen W&V

Die W&V-Redaktion blutet weiter aus. Nach dem Abgang von Chefredakteur Jochen Kalka wurde bekannt, dass weitere Journalisten das Unternehmen verlassen haben. »weiterlesen
 
Mit Multi Angle Streaming können Nutzer ein live gestreamtes Event aus verschiedenen Perspektiven betrachten. (c) Getty Images / Kuzmik_A
Foto: Getty Images / Kuzmik_A
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

Mit Multi-Angle-Streaming immer live dabei

Die Art und Weise, wie Menschen Inhalte konsumieren, verändert sich immer schneller. Das birgt auch Chancen für die Unternehmenskommunikation. Beispielsweise, wenn es um die Übertragung von Bewegtbild in Echtzeit geht. »weiterlesen
 
Jede Redaktion tickt anders. Beim Versand von Pressemitteilungen muss man das beachten./ Pressemitteilungen: (c) Getty Images/ fivepointsix
Claudius Kroker gibt Tipps für den Versand von Pressemitteilungen. Foto: Getty Images/ fivepointsix
Kolumne

Wie Pressemitteilungen in die Medien finden

Die optimale Pressemitteilung ist verfasst. Doch wie schaffen Sie es, Journalisten auf sie aufmerksam zu machen? Unser Kolumnist erklärt, worauf es beim Siegeszug Ihrer Pressemitteilung in die Redaktionen ankommt. »weiterlesen
 
Kommunikatoren und Presseanwälte streiten für dieselben Interessen. (c)  Getty Images/marchmeena29
Foto: Getty Images/marchmeena29
Lesezeit 6 Min.
Kommentar

"Kommunikatoren, wir stehen auf derselben Seite!"

Marcel Leeser, Rechtsanwalt für Presserecht, warnt davor, sich bei der Krisenkommunikation zu sehr in die Rolle der Journalisten hineinzuversetzen. »weiterlesen
 
Beim Ideafest suchen Microsoft-Mitarbeiter gemeinsam mit Kunden und Partnern nach Lösungen für Herausforderungen der digitalen Transformation. (c) Microsoft
Foto: Microsoft
Lesezeit 2 Min.
Bericht

Zwei Tage geballte Kreativität

Gemeinsam mit Kunden, Partnern und NGOs Lösungen für die Herausforderungen der digitalen Transformation finden – das ist der Anspruch des Microsoft Ideafest. Die pressesprecher-Redaktion war vor Ort. »weiterlesen