(c) Thinkstock/BrianAJackson
(c) Thinkstock/BrianAJackson
Kommentar

Gehst du Kino? Ja, ischwör! Isso.

Ein Kommentar von Murtaza Akbar, Geschäftsführer der Agentur Wortwahl, zu Kiezdeutsch und der Kundenansprache von Unternehmen.
Murtaza Akbar
 

Ich schreibe SMS und Whatsapp-Nachrichten mit Groß- und Kleinschreibung und sogar mit Kommata! Aber wer macht das noch? Heute wird einfacher, knapper und skurriler geschrieben als je zuvor. Am besten alles klein, ohne Zeichensetzung, gespickt mit Abkürzungen sowie ­Emojis. Und das gesprochene Deutsch? „Gehst du Kino?“ „Ja, ischwör! Weil ich hab es ihn versprochen.“ Kiezdeutsch, das durchaus eine ganze Reihe Menschen hierzulande spricht. Oh je.

Wenn Sie jetzt eine Schelte für die junge Generation erwarten oder gar eine Bedrohung für die Zukunft der deutschen Sprache, dann muss ich Sie enttäuschen. Dass Sie mich richtig verstehen: Korrekte Grammatik ist wichtig und Kiezdeutsch hört sich für mich nicht schön an. Aber so spricht und schreibt nun mal ein Teil der Jungen. Wir können es verurteilen, vielleicht sollten wir uns aber besser damit auseinandersetzen.

Social Media und Migranten seien angeblich daran „schuld“. Aber dank des Social Webs wird so viel geschrieben wie niemals zuvor. Mir ist es lieber, es wird viel geschrieben, auch mal falsch, als gar nicht. Es ist einfach so: Die Vielfalt der Sprache nimmt zu. Die deutsche Sprache wandelt sich. Aber keine Sorge, sie lebt, ist und bleibt ausdrucksstark und reichhaltig. Ich habe neun Thesen zur Zukunft der modernen deutschen Sprache aufgestellt. Drei Thesen daraus: Das Allgemeinwissen der Menschen wird kleiner, das Nischenwissen dagegen größer. Das wirkt sich natürlich auch auf den gemeinsamen Wortschatz aus. Zugleich wird auf Kommata sowie Groß- und Kleinschreibung immer weniger Wert gelegt. Auf der anderen Seite sorgen Facebook, Whatsapp und Co. für immer neue Wortkreationen.

Was bedeutet das für Unternehmen? Natürlich, dass sie sich darauf einstellen müssen, ohne ihre Identität zu verlieren. Damit sind nicht Kiez­deutsch und falsche Grammatik gemeint. Das wäre anbiedernd, aufgesetzt. Die junge Generation straft das ab. „Echt“ muss die Sprache sein. Corporate Wording schön und gut. Authentisch? Das behauptet jeder. Die Wahrheit ist, dass Unternehmen in ihrer Kundenansprache immer austauschbarer werden. Das hat mit Unsicherheit zu tun, die mit jedem neuen Kanal fast greifbar wächst. Und mit fehlendem Mut.

Es gibt so viele wunderbare, eloquente, charmante, wortgewandte Kommunikatoren, die bei der Sprache (und ­Kommunikation) für ihr Unternehmen einzig auf Nummer sicher gehen. Trauen Sie sich! Probieren Sie es aus! Dann finden Sie auch Gehör. Die junge ­Generation macht vor, wie es geht. Unbekümmert, kreativ und mutig. Ja, isso.

 

+++ Bleiben Sie auf dem Laufenden +++

Unser Newsletter sprecherszene informiert Sie jeden Donnerstag kostenfrei über die neuesten Personalwechsel, Jobangebote und spannende Entwicklungen im PR-Bereich. Abonnieren Sie ihn hier https://www.pressesprecher.com/abo/newsletter 

 

 

 

 

 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

(c) Getty Images/iStockphoto/ARTQU
(c) Getty Images/iStockphoto/ARTQU
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

Die interne Kommunikation wird zum Fundament der Unternehmenskommunikation

Immer weniger Menschen vertrauen den Aussagen von Vorständen und ihren Pressesprechern, zeigte das Edelman Trust Barometer. Björn Sievers blickt für uns auf die Ergebnisse der Befragung und erklärt, warum die interne Kommunikation zum Fundament der Unternehmenskommunikation wird.  »weiterlesen
 
(c) Getty Images/iStockphoto/BrianAJackson
(c) Getty Images/iStockphoto/BrianAJackson
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Wie Sie mit Erwartungsmanagement Ärger und Enttäuschung vermeiden

Oft ist die Kommunikationsabteilung selbst schuld, wenn die eigene Unternehmensführung von ihnen unrealistische Ergebnisse erwartet, meint Christian Müller. In seiner Kolumne zeigt er drei Faktoren. wie Kommunikatoren mit gutem Erwartungsmanagement Ärger und Enttäuschung vermeiden können. »weiterlesen
 
(c) Getty Images/iStockphoto/robertsrob
(c) Getty Images/iStockphoto/robertsrob
Lesezeit 2 Min.
Studie

Die zehn größten Hindernisse für Storytelling in der PR

news aktuell und Faktenkontor haben erneut Kommunikationsfachleute aus Unternehmen und PR-Agenturen für ihren PR-Trendmonitor befragt. Das Thema dieses Mal: Die größten Hindernisse für Storytelling in der PR. »weiterlesen
Interview: Führungskräfte-Wahl bei der Telekom (c) Getty Images/iStockphoto/sergeichekman
Foto: Getty Images/iStockphoto/sergeichekman
Lesezeit 4 Min.
Interview

Führungskräfte-Wahl bei der Telekom

Philipp Schindera von der Telekom über gewählte Führungskräfte in seiner Abteilung, Rapid Proto­typing in der Kommunikation, Customer Cen­tricity in der Arbeitswelt, warum ihm bei seinen Mitarbeitern Haltungen wichtiger als Fähigkeiten sind und er nicht uneingeschränkt KPI-gläubig ist. »weiterlesen
 
(c) Thinkstock/Anatoliy Babiy
Foto: Thinkstock/Anatoliy Babiy
Lesezeit 3 Min.
Ratgeber

Dos and Don'ts im Umgang mit Wikipedia

Herausforderung Wikipedia: Oft juckt es einem in den Fingern, das Bild der eignen Organisation in der Online-Enzyklopädie aufzuhübschen. Doch Vorsicht ist geboten. Marvin Oppong mit einem Ratgeber wie Pressesprecher mit Wikipedia umgehen sollten.  »weiterlesen
 
(c) Getty Images/iStockphoto/Jirsak
(c) Getty Images/iStockphoto/Jirsak
Lesezeit 4 Min.
Kolumne

Meinungsbildnerkommunikation in der Ära der digitalen Transformation

Wie macht man PR ohne Medien? Dieser Frage widmet sich PR-Experte Armin Sieber im vierten Beitrag unserer #CognitivePR-Kolumne. »weiterlesen