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Kommentar

Gehst du Kino? Ja, ischwör! Isso.

Ein Kommentar von Murtaza Akbar, Geschäftsführer der Agentur Wortwahl, zu Kiezdeutsch und der Kundenansprache von Unternehmen.
Murtaza Akbar

Ich schreibe SMS und Whatsapp-Nachrichten mit Groß- und Kleinschreibung und sogar mit Kommata! Aber wer macht das noch? Heute wird einfacher, knapper und skurriler geschrieben als je zuvor. Am besten alles klein, ohne Zeichensetzung, gespickt mit Abkürzungen sowie ­Emojis. Und das gesprochene Deutsch? „Gehst du Kino?“ „Ja, ischwör! Weil ich hab es ihn versprochen.“ Kiezdeutsch, das durchaus eine ganze Reihe Menschen hierzulande spricht. Oh je.

Wenn Sie jetzt eine Schelte für die junge Generation erwarten oder gar eine Bedrohung für die Zukunft der deutschen Sprache, dann muss ich Sie enttäuschen. Dass Sie mich richtig verstehen: Korrekte Grammatik ist wichtig und Kiezdeutsch hört sich für mich nicht schön an. Aber so spricht und schreibt nun mal ein Teil der Jungen. Wir können es verurteilen, vielleicht sollten wir uns aber besser damit auseinandersetzen.

Social Media und Migranten seien angeblich daran „schuld“. Aber dank des Social Webs wird so viel geschrieben wie niemals zuvor. Mir ist es lieber, es wird viel geschrieben, auch mal falsch, als gar nicht. Es ist einfach so: Die Vielfalt der Sprache nimmt zu. Die deutsche Sprache wandelt sich. Aber keine Sorge, sie lebt, ist und bleibt ausdrucksstark und reichhaltig. Ich habe neun Thesen zur Zukunft der modernen deutschen Sprache aufgestellt. Drei Thesen daraus: Das Allgemeinwissen der Menschen wird kleiner, das Nischenwissen dagegen größer. Das wirkt sich natürlich auch auf den gemeinsamen Wortschatz aus. Zugleich wird auf Kommata sowie Groß- und Kleinschreibung immer weniger Wert gelegt. Auf der anderen Seite sorgen Facebook, Whatsapp und Co. für immer neue Wortkreationen.

Was bedeutet das für Unternehmen? Natürlich, dass sie sich darauf einstellen müssen, ohne ihre Identität zu verlieren. Damit sind nicht Kiez­deutsch und falsche Grammatik gemeint. Das wäre anbiedernd, aufgesetzt. Die junge Generation straft das ab. „Echt“ muss die Sprache sein. Corporate Wording schön und gut. Authentisch? Das behauptet jeder. Die Wahrheit ist, dass Unternehmen in ihrer Kundenansprache immer austauschbarer werden. Das hat mit Unsicherheit zu tun, die mit jedem neuen Kanal fast greifbar wächst. Und mit fehlendem Mut.

Es gibt so viele wunderbare, eloquente, charmante, wortgewandte Kommunikatoren, die bei der Sprache (und ­Kommunikation) für ihr Unternehmen einzig auf Nummer sicher gehen. Trauen Sie sich! Probieren Sie es aus! Dann finden Sie auch Gehör. Die junge ­Generation macht vor, wie es geht. Unbekümmert, kreativ und mutig. Ja, isso.

 

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