Foto: Thinkstock/Pe3check
Foto: Thinkstock/Pe3check
EU-DSGVO

„Gehen Sie das Problem jetzt an!“

Die Datenschutz-Grundverordnung droht professionellen Kommunikatoren die Arbeit erheblich zu erschweren. Zeit zu handeln.
Jens Hungermann

Die Nachdrücklichkeit seines Appells machte Jan Mönikes frühzeitig deutlich. „Wer von Ihnen gehört denn zu denen, die schon vier Prozent ihres Jahresumsatzes zurückgelegt haben, wenn demnächst die EU-DSGVO greift?“, fragte der Justiziar des Bundesverbands deutscher Pressesprecher (BdP) schelmisch die rund 120 Kommunikatoren im Saal. Reaktion: allgemeines Schmunzeln, aber auch deutliches Unbehagen in den Gesichtern.

Am 25. Mai endet die Übergangsfrist der EU-Datenschutz-Grundverordnung. Spätestens dann müssen Unternehmen in Europa personenbezogene Daten nach neuen, weitaus strengeren Regeln speichern, sichern und verwalten, und sie müssen verschärften Kennzeichnungs- und Informationspflichten nachkommen. Wer all das nicht tut, dem drohen drakonische Strafen – siehe oben. 

Selbst klassische Pressearbeit ist ja nicht mehr ohne Datenverarbeitung denkbar (Presseverteiler, Newsletter, Fotoarchive ...). In seinem Vortrag in Berlin vor den BdP-Mitgliedern machte Rechtsanwalt Mönikes an Beispielen den akuten Handlungsbedarf für all jene deutlich, die professionelle Öffentlichkeitsarbeit und PR betreiben. 

Jan Mönikes (c) Jana Legler

Jan Mönikes beim Workshop zur Datenschutz-Grundverordnung des BdP (c) Jana Legler

So müsste infolge der EU-­DSGVO etwa bei Presse- oder Kundenevents jede auf Fotos abgelichtete Person zuvor ihre Einwilligung geben (Stichwort „Verbot mit Erlaubnisvorbehalt“). Die DSGVO verdrängt nämlich das bislang geltende Kunsturheberrechtsgesetz (KUG). Oder denken wir an kontroverse politische Auseinandersetzungen. Was, wenn demnächst NGOs oder Parteien in öffentlichen Positionierungen keine Namen mehr nennen dürfen?

Befremdlich? Mag sein. Der EU-Gesetzgeber habe die nationalen Gesetzgeber im Rahmen der DSGVO zwar verpflichtet, durch Rechtsvorschriften den Datenschutz einerseits und die Informations- und Meinungsfreiheit andererseits „in Einklang zu bringen“ und Ausnahmen festzulegen. Doch rechtliche Privilegien sollen, Stand heute, in Deutschland nur Medien und Journalisten genießen.

Solange der nationale Gesetzgeber keine Ausnahmeregelungen auch für die PR-Branche treffe, sei jeder aufgerufen, Vorsorgen zu treffen. Mönikes mahnte seine Zuhörer: „Das ist ein erheblicher Aufwand. Sie werden es alleine nicht hinbekommen.“ Sein Rat lautet daher, gemeinsam mit dem Datenschutzbeauftragten innerhalb der eigenen Organisation zu eruieren, welche spezifischen Maßnahmen nötig sind. Oder externe Expertise einholen.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt war jedem im Saal bewusst geworden, dass der Datenschutzexperte und Jurist nicht gescherzt hatte, als er zu Beginn seines Vortrags angekündigt hatte: „Ich habe keine frohen Botschaften für Sie als Kommunikatoren im Gepäck.“ Mönikes’ Appell: „Gehen Sie das Problem jetzt an!“

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Je regelmäßiger man trainiert, desto fitter wird man – das gilt auch für die Onlinekommunikation. (c) Getty Images/Olga Niekrasova
Foto: Getty Images/Olga Niekrasova
Lesezeit 2 Min.
Fragebogen

Ein Fitnessprogramm für die digitale Kommunikation

Mit dem Deutschen Preis für Onlinekommunikation wurden herausragende Projekte und Kampagnen ausgezeichnet. In dieser Serie stellen Preisträger verschiedener Kategorien ihre Konzepte vor. Teil sechs präsentiert die Strategie des Jahres. »weiterlesen
 
Unser Kolumnist beobachtet bei Journalisten eine immer häufiger auftretende Expertenhörigkeit. (c) Getty Images/Hanna Ferentc
Bild: Getty Images/Hanna Ferentc
Lesezeit 2 Min.
Kolumne

Über die Vielfalt und Einfalt von Experten

Für die Einordnung und Bewertung von Themen und Sachverhalten ziehen Redaktionen oft Fachleute hinzu. Zu oft, findet unser Kolumnist Claudius Kroker. Er meint, die Expertenverehrung habe geradezu inflationäre Züge angenommen. »weiterlesen
 
Bei Influencern im Business-to-Business-Umfeld kommt es vor allem auf die Qualität ihrer Netzwerke an. (c) Getty Images/Olivier Le Moal
Foto: Getty Images/Olivier Le Moal
Lesezeit 3 Min.
Ratgeber

Wo Reichweite allein nichts zählt

Im Dialog mit Verbrauchern haben sich Influencer Relations etabliert. Das Prinzip kann auch im Business-to-Business-Bereich funktionieren. Wie es geht, erklären unsere Gastautorinnen. »weiterlesen
 
Der Zeppelin als Symbol, neue Wege zu gehen - in der Forschung als auch in der Kommunikation. (c) HZG/ Torsten Fischer
Foto: HZG/ Torsten Fischer
Lesezeit 3 Min.
Fragebogen

Wissenschaft als Erlebnis inszenieren

Mit dem Deutschen Preis für Onlinekommunikation wurden herausragende Projekte und Kampagnen ausgezeichnet. In dieser Serie stellen Preisträger verschiedener Kategorien ihre Konzepte vor. Teil fünf begleitet einen Zeppelin auf Forschungsmission. »weiterlesen
 
Nur vier Prozent des Internets sind allgemein zugänglich. Der größte Teil liegt im Verborgenen. (c) Getty Images/Annecordon
Foto: Getty Images/Annecordon
Lesezeit 3 Min.
Ratgeber

Wie PR-Profis das Dark Web nutzen können

Suchmaschinen wie Google zeigen uns einen Bruchteil dessen, was das Internet eigentlich ausmacht. In die verborgenen Sphären vorzudringen, kann für Kommunikatoren vonnutzen sein. »weiterlesen
 
Die Serie "4 Blocks" wurde mit einer umfangreichen Online-Kampagne beworben. (c) Grabow & Bartetzko
Bild: Grabow & Bartetzko
Lesezeit 3 Min.
Fragebogen

Der Zuschauer als Teil der Serie

Mit dem Deutschen Preis für Onlinekommunikation wurden herausragende Projekte und Kampagnen ausgezeichnet. In dieser Serie stellen Preisträger verschiedener Kategorien ihre Konzepte vor. Teil vier präsentiert die Kampagne des Jahres. »weiterlesen